Von Ulrike Sauer

Seit Silvio Berlusconi italienischer Regierungschef ist, gedeiht sein Fernsehkonzern Mediaset besser als je zuvor.

(SZ vom 23. Juli 2003) Alle in der Branche haben Probleme. Nur Fedele Confalonieri nicht, Chef des italienischen TV-Konzerns Mediaset. "Wir können nicht klagen", sagt der Mann, in dessen Hände der Mailänder Fernsehmagnat Silvio Berlusconi nach seinem Einstieg in die Politik die Geschicke seines Antennen-Imperiums gelegt hat.

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Europaweit stöhnen Senderchefs und Verlagsdirektoren über Werbeflaute, Umsatzrückgänge und Gewinneinbrüche. In Cologno Monzese, im Hauptquartier von Berlusconis börsennotierter Senderkette vor den Toren Mailands, kennt man die Nöte der Medienrezession nur aus der Zeitung. "Unsere Einschaltquoten entwickeln sich großartig, die Werbegelder fließen", sagt Confalonieri, den sie im Konzern lo Zio ("Der Onkel") nennen.

Gesetz ermöglicht reichlich Wachstumsspielraum

Dass Berlusconis Gefolgschaft im Senat in Rom mit dem neuen Mediengesetz nun die Voraussetzungen für eine noch prächtigere Geschäftsentwicklung geschaffen hat, bestreitet er. Doch in Wahrheit serviert die neue Regelung dem expansivem Kommerzfernseh-Monopolisten, was er braucht: reichlich Wachstumsspielraum in Italien.

Die Internationalisierungs-Bestrebungen des Mailänder Konzerns waren dagegen erfolglos, abgesehen von der Mehrheitsbeteiligung am spanischen Kanal "Telecinco". In Frankreich wurde der 1986 gegründete Berlusconi-Sender "La Cinq" nach sechs Jahren hoch verschuldet dicht gemacht. Auch in Deutschland hatte der italienische Medienriese bisher wenig Fortune.

Ganz anders in Italien, wo der TV-Trust des Multi-Milliardärs unter einem glänzenden Stern steht. Mit den drei landesweiten, frei empfangbaren Sendern "Canale 5", "Italia 1" und "Rete quattro" beherrscht Mediaset seit 20 Jahren das private Fernsehgeschäft. 1991 verleibte sich der Tycoon zudem Italiens größten Buch- und Zeitschriftenverlag Mondadori ein.

Als Berlusconi mit seinem Amtsantritt als italienischer Regierungschef im Sommer 2001 auch die Kontrolle über den Staatssender "Rai" erhielt, kam der Firmeneigner Berlusconi in die einmalige Lage, seinen Einfluss auf den einzigen Wettbewerber seines privaten TV-Imperiums ausdehnen zu können.

Monopol-Konsortium schlägt staatliche Sender

Berlusconis 1978 gegründete Senderkette eilt seither - mitten in einer schweren Branchenkrise - von einem Erfolg zum nächsten. 2002 schlug das private Monopol-Konsortium erstmals die drei staatlichen Sender in der Gunst der Zuschauer.

Seit Berlusconi Ministerpräsident ist, wurde Mediaset zum Liebling der Aktienexperten. Berlusconis TV-Konzern befinde sich in einer "extrem günstigen Wettbewerbssituation", formulieren es die Medien-Analysten der internationalen Investmentbanken. Mit einer Brutto-Umsatzrendite von 32 Prozent wird die europäische Konkurrenz, die im Schnitt zwölf Prozent erzielt, deklassiert. Im vergangenen Jahr steigerte Mediaset den Nettogewinn um 46 Prozent auf 362 Millionen Euro.

Schon vor der maßgeschneiderten Änderung des Mediengesetzes hat Berlusconi sich nicht gescheut, unternehmerisches Kapital aus seinem Regierungsamt zu schlagen: Als sein früherer Steuerberater, der heutige Finanzminister Giulio Tremonti, eine Amnestie für Steuersünder erließ, schwor Berlusconi, seine Unternehmen würden diese Form des staatlich sanktionierten Ablasshandels "niemals in Anspruch nehmen".

35 Millionen Euro "Wiedergutmachtung" an den Fiskus

Wegen hinterzogener Steuern beim Kauf von Filmrechten 1994 und 1995 hatte der Fiskus gegen ein Berlusconi-Unternehmen Forderungen in Höhe von 197 Millionen Euro geltend gemacht. Im Mai diesen Jahres überwies die Konzerntochter Mediaset dann 35 Millionen Euro "Wiedergutmachtung" an den Fiskus.

Das Geld hätte aber eigentlich die Muttergesellschaft Fininvest zahlen müssen, die alleine der Familie Berlusconi gehört. So sparte sich der Privatmann Berlusconi aufgrund eines Gesetzes der Regierung Berlusconi die hübsche Summe von 162 Millionen Euro.

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