Berlusconi versicherte in "Porta a Porta" auch, der Vorwurf seiner Frau sei haltlos, er lasse auf den Listen seiner Partei "Volk der Freiheit" Showgirls für die Europawahl im Juni aufstellen, um sich mit deren Kurven zu schmücken. Solche Behauptungen seien "Fallen der Linken und ihrer Presse, die nicht ertragen, dass meine Popularität bei 75 Prozent liegt". Dann kam Berlusconi auf seine Familie zu sprechen. Er lobte sich als "absolut außergewöhnlichen und äußerst geliebten Vater". Besonders stolz sei er auf einen seiner Enkel. "Schon im Alter von einem Jahr zählt er bis 15 und kennt alle Blumennamen. Ich nenne ihn deshalb meinen kleinen Dalai Lama."

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"Eine öffentliche Angelegenheit"

Man könnte das alles als Schmieren-Oper namens "Berlusconi-Clan" ignorieren, wenn es nicht auch um die Politik eines großen europäischen Industriestaates ginge, der gerade den Vorsitz der G-8-Gruppe führt. Das Ehepaar Berlusconi hat seine privaten Probleme dabei selbst in die Politik gezogen - Veronica Lario, weil sie ihren Mann in den Medien angriff, Silvio Berlusconi, weil er öffentlich konterte und die ganze Affäre als Verschwörung der Opposition hinstellt.

Diese lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, den ungeheuer populären Regierungschef zu schwächen. Wenn die Ehefrau den Premier beschuldige, sich mit Minderjährigen einzulassen, dann sei das keine Privatsache mehr, sondern eine öffentliche Angelegenheit, sagt Oppositionsführer Dario Franceschini.

Für Berlusconi, der sich gerade noch auf dem Höhepunkt seiner Macht und seines Ansehens in Italien befand, sind die Szenen seiner Ehe aus drei Gründen politisch gefährlich. Einmal sorgt sich der G-8-Vorsitzende um sein Bild im Ausland und bei ausländischen Regierungen.

Aus seinem Umfeld ist zu erfahren, er sei verärgert über seine Diplomaten und Presseleute, weil sie unfähig seien, sein Image außerhalb Italiens zu pflegen. Zum Zweiten könnte es in der Wirtschaftskrise bei Jungwählern, die größte Mühe mit der Jobsuche haben, schlecht ankommen, wenn der Eindruck entsteht, ihr Premier achte bei der Vergabe von Ämtern und Abgeordneten-Kandidaturen mehr auf Formen als aufs Format.

Monsignori denken um

Am unangenehmsten ist für den Premier aber die Auswirkung seines öffentlichen Ehekrachs auf sein Verhältnis zur katholischen Kirche. Verblüffenderweise hielt diese Berlusconi bislang für den passenden Partner im Kampf gegen Relativismus, Sitten- und Werteverfall im modernen Italien. Nun scheinen einige Monsignori umzudenken.

So fordert Avvenire, die Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, Berlusconi zur "Mäßigung" auf und kommentiert: "Die menschliche Substanz eines Führers, sein Stil und die Werte, mit denen er sein Leben prägt, sind nicht gleichgültig."

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper legt jetzt nach, mit seinem öffentlich ausgefochtenen Scheidungs-Spektakel gebe Berlusconi ein schlechtes Beispiel: "Wenn sich ein Schauspieler oder ein Sänger so benimmt, wäre das auch schlecht. Noch überraschender und befremdender aber ist es, dass es sich hier um einen Regierungschef handelt."

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(SZ vom 07.05.2009/woja)