Die Scheidungsabsicht seiner Frau macht Italiens Premier Berlusconi mehr Sorgen als seine politischen Gegner. In einer Talkshow versucht er, sich ins rechte Bild zu setzen.
Die Italiener sind von ihren Politikern viel gewohnt. Doch was sich den Bürgern am Mittwochabend im ersten Programm des Staatsfernsehens bot, war selbst für hiesige Verhältnisse bizarr. Da saß ein Mann im dunkelblauen Anzug auf einem weißen Sessel im Studio der wichtigsten politischen Talkshow "Porta a Porta".
"Das sind Fallen der Linken, die nicht ertragen, dass meine Popularität bei 75 Prozent liegt": Silvio Berlusconi verteidigt sich vor dem Bild seiner Frau. (© Foto: dpa)
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Hinter ihm blickte das gigantisch vergrößerte Gesicht seiner Noch-Ehefrau Veronica von einer Videoleinwand. Der 72 Jahre alte Mann - er ist fünffacher Vater und mehrfacher Großvater - klagte seine Gattin vor den Augen von Abermillionen an, sie sei auf verleumderische Geschichten seiner linken Gegner hereingefallen. Dann sagte er: "Es ist eine Lüge, dass ich mit Minderjährigen verkehre." Der Mann ist Silvio Berlusconi, der italienische Premier.
Beifall der Claqueure
Eigentlich hatte Berlusconi vor wenigen Tagen angekündigt, zum Scheidungsstreit mit seiner Frau Veronica Lario zu schweigen. Dann entschloss er sich, zu "Porta a Porta" zu gehen, das sein Freund Bruno Vespa moderiert. Schließlich ist er bisher gut damit gefahren, auf Attacken mit noch heftigeren Angriffen zu reagieren. Mit dieser Taktik hat er es im Falle seiner vielen strafrechtlichen Querelen geschafft, dass viele Italiener nicht mehr ihren Premier, sondern die Staatsanwälte als Problem empfinden. Und seine politischen Gegner, "die Herrschaften von der Linken", hat er über die Jahre auf Zwergengröße gestutzt.
Doch diesmal hat es Berlusconi mit einem Feind von anderem Format zu tun: mit seiner Ehefrau. Vor drei Jahrzehnten machte er der Schauspielerin Veronica Lario in einer Theatergarderobe den Hof. Er zeugte drei Kinder mit ihr, ließ sich von der Mutter seiner ersten beiden Kinder scheiden und heiratete die schmollmündige Schönheit schließlich 1990. Die Ehe verlief kaum glücklich. Berlusconi lebte sein Leben als bewegter Mann, rastlos pendelnd zwischen seinen Luxusvillen und den Palästen der Macht in Rom, zwischen Staatsvisiten und Diskothekenbesuchen. Dabei mühte er sich reichlich, zweideutige Szenen heraufzubeschwören. Vergangenes Jahr rühmte er sich: "Nach drei Stunden Schlaf habe ich genug Energie für drei Stunden Sex."
Veronica Lario widmete sich derweil in ihrer Villa "Belvedere" bei Mailand der Erziehung ihrer Kinder. Sie lebte luxuriös, aber wohl etwas einsam. Ihr 20 Jahre älterer Mann ließ sich selten blicken. Seine Eskapaden dürften sie zermürbt haben. Vergangenes Wochenende kündigte die Signora in den Medien die Scheidung an. Sie sehe sich dazu gezwungen, meinte sie. Italienische Zeitungen zitierten sie mit den Worten: "Ich kann nicht mit einem Mann zusammen sein, der mit Minderjährigen verkehrt." Eines der Blätter, das dem Medienunternehmer Berlusconi nahesteht, druckte im Gegenzug alte Fotos, die Frau Lario oben ohne zeigen.
Wenige Tage zuvor war der Premier des Nachts überraschend auf einer Party zum 18. Geburtstag einer blonden, langbeinigen Neapolitanerin namens Noëmi aufgetaucht. Sie nannte ihn "Papi" und erzählte, dass sie Berlusconi schon oft in Mailand oder Rom besucht habe. "Papi" schenkte ihr eine goldene Halskette mit Brillanten. Bei seiner Frau Veronica kam das nicht gut an.
In der Show "Porta a Porta" verteidigte sich Berlusconi jetzt unter dem Beifall der Claqueure, es habe sich um eine völlig harmlose Sache gehandelt. Noëmi sei die Tochter eines alten Freundes. Er sei doch nicht so verrückt, zu dieser Party zu gehen, "wenn jemand meinen könnte, dass in der Beziehung zwischen mir und der 18-Jährigen etwas Pikantes liege".
Zum Beweis des unschuldigen Charakters seines Besuches verwies er auf Fotos, die ihn mit den Köchen und Noëmis Eltern auf dem Fest zeigen. In italienischen Zeitungen und Internet-Blogs wird nun debattiert, ob die Bilder gefälscht sind.
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Köstlich! Da könnte man sich wieder einmal richtig über Signore Berlusconi amüsieren,
wenn es nur nicht so folgenschwer für die große Kulturnation Italien wäre.
Dagegen wirkt der derzeitige Bayrische Ministerpräsident Seehofer mit seinen Schüssen nach Berlin und sonst wo hin recht zahm.
Was allerdings der Leser sich fragen muss, ist, wie es geschehen kann, dass solche Menschen über das Schicksal eines Landes bestimmen können, deren egomanische Persönlichkeit eigentlich nur um die Sicherung ihres politischen Einflusses bemüht ist.
Die Politikverdrossenheit wird weiter zunehmen.
h.schnaibel
Schon erstaunlich, was für eine Streitkultur Sie besitzen. Gehen Ihnen die Argumente aus, beenden Sie einfach die Diskussion. DAS ist in der Tat sehr deutsch!
Ihr letzter Kommentar beweist doch nur eins: Sie haben in diesen Tagen keine einzige italienische Tageszeitung gelesen und von den angesprochenen Sendungen haben Sie noch nie gehoert, aber SIE koennen ja mal nach ihnen googlen..(übrigens waren gestern in der Diskussionsrunde bei "Anno Zero" auf Rai2 Berlusconis Anwalt Ghedini (der gleichzeitig auch PDL-Abgeordneter ist), die Chefredakteurin der L'Unità (linke Tageszeitung), ein amerikanischer Journalist und Emma Bonino (Partei "I radicali"-Vizepraesidentin des Senats). Da Sie offensichtlich keinen Zugang zu italienischen Medien besitzen, ist es schon verwunderlich mit welcher Selbstherrlichkeit Sie hier aburteilen.
Una bellissima giornata anche a Lei, signora pensierosa, e buon studio!
Vielen Dank für Ihre Aufzählung der Möglichkeiten, sich in Italien pressetechnisch zu informieren - haben Sie bei Google nachgeschaut?!
Jeder, der nur etwas Überblick hat und auch nur ein bisschen intelligent ist, weiß, was Berlusconi erreichen will. Sie wissen offensichtlich nicht einmal, dass bereits RAI in seinen Händen ist!
Sie werden Gründe haben, sich in die ganze Diskussion eingeschaltet zu haben, die ich aber nicht kennen will! Damit ist die "Diskussion" mit Ihnen beendet!
Con i migliori saluti - auch an manesse!
Weshalb interessiert das Thema überhaupt? Weil man den Eindruck bekommt, Berlusconis Frau ist in einem Umfeld aus zunehmender Obrigkeitshörigkeit und bigottem Speichelleckertum die einzige, die dem Ober-Zampano widersteht. Der überwiegende Rest des Landes scheint sich in einem politischen Klima voller Niedertracht ganz gut eingerichtet zu haben.
"Sie gehen also davon aus, dass die deutschen Medien nur subjektiv, voller Lücken und ignorant über Vorgänge in Italien (und der ganzen Welt und Deutschland?) berichten?"
Streichen Sie "und der ganzen Welt und Deutschland", aber dem Rest würde ich so zustimmen. Die Berichterstattung ist selektiv, häufig dem Boulevard-Stil geschuldet und vom Informationsgrad her zu vergessen. Es gibt Ausnahmen (beispielsweise der Artikel von Herrn Ulrich, auf den ich nun schon mehrmals verwiesen habe, den Sie aber offensichtlich noch nicht gelesen haben, da er in den entscheidenden Punkten genau das beschreibt, was ich versuche zu vermitteln: Berlusconi ist auch in der Lage Positives zu vollbringen.)
Den Zustand, den Sie hier an die Wand malen, mag dem Wunschdenken Berlusconis entstammen, der Realität entspricht sie zum Glück noch nicht. Ich gebe Ihnen, was den Informationsgehalt des Fernsehens betrifft, teilweise Recht: Rai1 und Rai 2 sind größtenteils auf demselben Niveau gelandet wie die Show-Sendungen der Berlusconi-Sender. Rai 3 dagegen ist schon gehaltvoller (sehr kritische Sendung ist z.B."Report", dazu gibt es Frau Littizzetto auf demselben Sender (jeden Sonntag). Es gibt die Diskussionsrunde "Ballarò", in der auch internationale Experten zu Wort kommen. Es gibt auf Rai 2 die Sendung "Anno Zero", die mit Marco Travaglio einen der unabhängigsten und kritischsten Stimmen des Landes jeden Donnerstag seinen Kommentar zu den aktuellen Themen kommunizieren läßt. Zudem gibt es auch einen neuen Sender, von dem Sie in Deutschland mit Sicherheit noch nie etwas gehört haben: "La7". Zugegeben, kein Massensender, aber dennoch frei zugänglich für jeden Interessierten.
Was den Zeitungsmarkt betrifft: es gibt die Zeitungen, die entweder direkt Berlusconi gehören oder sonstwie von ihm abhängig sind. Muss ich die lesen? Nein! Es gibt die "24 ore sole", eine Art FT-Italiens, mit sehr gut recherchierten Artikeln zur wirtschaftlichen Lage. Berlusconi immer ein Dorn im Auge. 24 ore besitzt auch einen Radio-Sender. Das gleiche mit "La Repubblica", die größte Mitte-Links-Zeitung Italiens, tägliche Zugriffe via Internet über 5Millionen!!, dazu auch einen Radiosender mit Hintergrundinformationen.
Damit es nicht auf Italien beschränkt bleibt, informiere ich mich zudem über den "Economist". Versuchen Sie das wenig gut recherchierte Material in Deutschland zu sichten, da finden Sie Berlusconi, Berlusconi, Berlusconi, FIAT/Opel, Erdbeben e basta! Echt informativ!
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