Rosenkrieg im Hause Berlusconi: Veronica Lario hat für ihre Scheidung eine berühmte Juristin engagiert, die ihrem Ehemann schon mal die Stirn bot. Von den Katholiken setzt es Kritik am Premier.

Im Rosenkrieg im Hause Berlusconi hat die Noch-Ehefrau des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi ihrem Mann einen weiteren Schlag versetzt: Als Anwältin im Scheidungsverfahren engagierte Veronica Lario eine Juristin, die für das Recht der berühmten Komapatientin Eluana Englaro auf Sterbehilfe gekämpft hatte - ein Recht, das Berlusconi der Patientin vehement abgesprochen hatte.

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Ihr Schicksal bewegte ganz Italien: die Komapatientin Eluana Englaro. Deren Anwältin wurde nun von Veronica Lario engagiert, um die Scheidung von Silvio Berlusconi durchzusetzen. (© Foto: dpa)

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Die Juristin Maria Cristina Morelli sei von Veronica Lario mit der Vertretung ihrer Interessen im Scheidungsfall betraut worden, bestätigte Morellis Sekretariat am Dienstag. Die Anwältin hatte zu Beginn des langen juristischen Kampfes um Eluana Englaro deren Familie vertreten.

Die 38-jährige Eluana war im Februar nach 17 Jahren im Koma gestorben, nachdem ein Gericht die Erlaubnis zur Einstellung der künstlichen Ernährung gegeben hatte. Die katholische Kirche und Regierungschef Berlusconi hatten erbittert gegen diese Entscheidung gekämpft. Berlusconi hatte Eluanas Tod als "Mord" gebrandmarkt und bis zuletzt versucht, die Wiederaufnahme der lebenserhaltenden Maßnahmen zu erzwingen.

"Tödliche Umarmung"

Berlusconi engagierte unterdessen die Juristin Ippolita Ghedini als seine Scheidungsanwältin, die Schwester seines Strafverteidigers und Parteikollegen Niccolo Ghedini, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete. Die 52-Jährige Veronica Lario hatte am Wochenende angekündigt, dass sie wegen der anhaltenden Schwäche ihres 20 Jahre älteren Mannes für hübsche, junge Frauen die Scheidung wolle.

Das Fass zum Überlaufen brachte laut Medienberichten Berlusconis Erscheinen bei der Geburtstagsfeier einer blonden 18-Jährigen in Neapel in der vergangenen Woche - während er bei den Feiern seiner eigenen Kinder zu deren 18. Geburtstagen durch Abwesenheit geglänzt hatte.

Wegen seines Verhaltens wird Berlusconi auch in einem Leitartikel von l'Avvenire, der Tageszeitung der katholischen Kirche, scharf angegriffen. "Wir wissen, dass ein Regierender nach seine politischen Erfolgen und nach den verabschiedeten Gesetzen beurteilt wird. Aber sein Verhalten, sein Stil und seine Werte können nicht gleichgültig sein. Wir werden weiter einen Ministerpräsidenten fordern, der nüchtern erkennt, dass er ein - möglichst wenig deformiertes - Spiegelbild der Gesellschaft sein sollte." Die von Berlusconi verschuldete Vermischung aus Politik und Unterhaltung brandmarkt das katholische Blatt als "tödliche Umarmung".

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(sueddeutsche.de/AFP/woja/mati)