Ist der Ruf erst ruiniert, wird er wieder aufpoliert: Silvio Berlusconi setzt eine Taskforce darauf an, die ausländische Presse mit guten Nachrichten über sich und sein Land zu bombardieren.
Es ist einer seiner Lieblingssprüche. Silvio Berlusconi sagt ihn gern, oft und laut: "Ghe pensi mi". Im Idiom seiner Heimat, der Lombardei, heißt das soviel wie "Ich mach' das schon", die Betonung liegt dabei auf dem Wort "ich".
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Schluss mit dem schlechtem Ruf: Silvio Berlusconi setzt eine Taskforce für gute Nachrichten über sich und sein Land ein. (© Foto: AP)
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Dieses "Ghe pensi mi" ist nun auch die Antwort des italienischen Premiers auf seine Probleme mit der Weltöffentlichkeit; um genauer zu sein, auf seinen regelrechten Disput mit der ausländischen Presse.
Vergangen sind die Zeiten des kleinen Aufruhrs, als die internationale Presse empört konstatierte, Berlusconi habe ein weiteres Showgirl zur Ministerin gemacht. Derlei internationales Naserümpfen ließ den italienischen Regierungschef stets eher kalt.
Spätestens seit ihm eine Affäre mit einer 18-Jährigen nachgesagt wurde; seit Fotos von festiven Nackten auf seinem Anwesen in Sardinien veröffentlicht wurden und er den Staatspräsidenten Giorgio Napolitano mitsamt der demokratischen Institutionen seines Landes beleidigt hat - spätestens jetzt scheint der Cavaliere ein kleines Publicity-Problem zu haben. Eines, das ihn tatsächlich anficht.
Nun aber scheint er gewillt zu sein, seinen schlechten Ruf im Ausland mit professioneller Hilfe aufzupolieren.
Gemeinsam mit seiner Tourismus-Ministerin Michela Vittoria Brambilla stellte Berlusconi gestern den Plan einer sogenannten "Taskforce gegen schlechte Presse" vor. Eine Gruppe von jungen Journalisten und Kommunikationsexperten sollen "böse" Meldungen über den italienischen Premier "ausmerzen".
Bella Italia als Zentrum der Kunst und des Designs
Brambilla, selbst einst erfolgreiche Teilnehmerin diverser Schönheitswettbewerbe, erklärte der italienischen Zeitung Corriere della Sera, dass es die Aufgabe der Taskforce sei, die ausländische Presse "von Japan bis Peru" zu überwachen - um sie dann mit den "wahren und natürlich guten Nachrichten" über Berlusconi und das bel paese zu "bombardieren", wie der Corriere della Sera zitiert. Brambilla denkt dabei an Bilder von einem Italien, einem Zentrum der Kunst, des Designs und der Lebensart.
Dass das Ansehen ihres Chefs und ihres Landes der Ministerin am Herzen liegt, ist klar: Keinesfalls sei es Berlusconis Schuld, sagt Brambilla, dass Italiens Ruf im Ausland immer schlechter werde. Sie sieht eine anti-italienische konspirative Gruppierung im Hintergrund neidvoll die Fäden ziehen. Einziges Ziel der Verschwörung: Silvio Berlusconi zu diskreditieren und damit "zu zerstören".
Ob es dem "Notfall-Kommando" gelingen wird, den Tenor der Berlusconi-Berichterstattung tatsächlich zu beeinflussen, ist fraglich. Abgesehen von den für einen Regierungschef mitunter sehr bizarr anmutenden Äußerungen, verhält sich der Cavaliere gegenüber der Presse auch nicht gerade versöhnlich. Klagen statt Kommunikationsoffensive war die bisherige Strategie vor der Brambilla-Taskforce.
Gegen die Zeitung La Repubblica hat Berlusconi eine Verleumdungsklage eingereicht. Eine Million Euro Schadensersatz verlangt er wegen "unangemessenen Fragen" zu seinem Privatleben von der Zeitung, die zwischenzeitlich sogar zu seinem eigenen Medienimperium gehörte. Die Zeitung L'Unità verklagte er gleich auf drei Millionen.
Berlusconi, Ahmadinedschad, Kim Jong Il
Ziel seiner juristischen Verfolgungswut war auch die spanische Zeitung El País, die als erste die "Orgien-Fotos" von Berlusconis Anwesen La Certosa veröffentlicht hatte. Auf den pikanten Bildern war auch der ehemalige tschechische Ministerpräsident Topolánek in recht erregtem Zustand zu sehen.
Dem französischen Wochenmagazin Le Nouvel Observateur hängte der italienische Medienmagnat ein Verfahren wegen Verleumdung an. Das Magazin hatte nicht nur die sardinischen Partyfotos veröffentlicht, sondern auch über mögliche Verbindungen der italienischen Regierung zur russischen Mafia spekuliert. Angeblich sollen weitere Klagen gegen einige englischsprachige Zeitungen des Murdoch-Konzerns folgen.
Berlusconis Einfluss auf die heimischen Medien ist riesig. Neben einem großen Netz an privaten Fernsehkanälen besitzt er auch Verlagshäuser, die Zeitschriften herausgeben. Als Ministerpräsident übt er zudem großen Einfluss auf die staatlichen Fernsehsender der RAI aus.
Nicht zuletzt wegen des Interessenkonflikts als Staatschef und Unternehmer ließ der Generalsekretär der NGO "Reporter ohne Grenzen", Jean-Francois Julliard, vor kurzem verlauten, dass Berlusconi der erste europäische Regierungschef sei, der kurz davor stehe, auf die "Liste der Feinde der Pressefreiheit" aufgenommen zu werden. Dort stünde der gewählte oberste Volksvertreter Italiens in einer Reihe mit dem iranischen Hardliner Mahmud Ahmadinedschad und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il.
Beinahe resigniert zeigen sich derweil Berlusconi-kritische Stimmen wie La Repubblica ob des Gebarens des Ministerpräsidenten: Eugenio Scalfari, prominenter Herausgeber der römischen Tageszeitung, widmete sich in einem ausführlichen Kommentar der "Guerra dei giornali", also dem Krieg Berlusconis mit der Presse.
Nach einem Appell an die italienischen Zeitungen, publizistische Courage gegen den "bestenfalls vereinnahmenden" Regierungschef zu zeigen, schreibt Scalfari konsterniert, dass dies wohl leider ein vergeblicher Wunsch von ihm bleiben werde.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(sueddeutsche.de/woja)
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Sehr geehrte Frau Heye,
es ist unkorrekt, davon zu schreiben, La Repubblica habe zum Medienimperium Berlusconis gehört, wie Sie das nun bereits das 2. Mal tun. Repubblica gehörte seit dem Verkauf durch seinen Begründer Scalfari und dem Geldgeber Caracciolo in den 80ern zur Mediengruppe Cir von Carlo de Benedetti (ua. Olivetti). Dieser brachte Repubblica bei der Verlagsgruppe Mondadori ein, um sich diese zum Verkauf stehende Mediengruppe sodann mit Berlusconi aufzuteilen. Der Plan scheiterte ("guerra di segrate"), und auf Initiative des ehemaligen Ministerpräsidenten Andreotti wurde Repubblica wieder aus Mondadori herausgelöst und von de Benedetti definitiv in seiner eigenen Mediengruppe Espresso-Repubblica untergebracht, wo die Zeitung sich heute noch befindet. Damit gehörte Repubblica nie zu Fininvest und befand sich erste recht nie unter der Kontrolle von Silvio Berlusconi, wie es Ihre Formulierung assozieeren läßt. Wenn man schon ironische Kontrapunkte herstellen wollte, dann den, dass die legendäre Zeitung des Begründers des modernen Journalismus in Italien, "Il Giornale" von Indro Montanelli heute das Kampfblatt der Familie Berlusconi ist. Kirchen sollten man schon im eigenen Dorf lassen.
Berlusconi ist fuer Italien sicherlich kein positives Aushaengeschild. Allerdings liegt die Wurzel allen Uebels in Italien an der Mentalitaet ihrer Bevoelkerung. In Italien wird das mit "Die Kunst sich selber zu arrangieren(helfen)" definiert. Dies resultiert aus jahrzehntelangen unzuverlasslichen Regierungen, die bis zu Berlusconi im Schnitt mindestens einmal pro Jahr zusammengebrochen sind und wieder neu gebildet werden mussten. Die Bevoelkerung konnte sich auf die Regierung nie richtig verlassen und musste sich individuell selber helfen. Daher ist jemand, der in Italien Steuern hinterzieht auch oft als toller Typ angesehen. Es gibt in Italien glaube ich als einziges Land eine Steuerpolizei, die auch auf der Strasse neben der normalen Polizei anzutreffen ist, und trotzdem gibt es Firmen, die Grossteile ihrer Umsaetze schwarz machen. Fuer die Schwarzgelder gibt es Transportsysteme, die bis zu vertrauten LKW Fahrer gehen, die die Schwarzgelder gegen einen kleinen Extralohn vom Kunden zum Lieferanten fahren. Berlusconi ist hierbei wahrscheinlich auch keine Ausnahme und verkoerpert geradezu diesen Individualismus der italienischen Bevoelkerung, und weiss die durch die Medien auf fuer sich selbst positive Weise zur Schau zu stellen. Er hat Gesetze eingefuehrt, mit denen man Gelder einfach waschen kann, und dafuer lieben ihn die Oportunisten. Es gibt also auf einen Seite die Bevoelkerung, die sich von ihm und seinen Medien einlullen laesst und dann diejenigen, die ihn sehr gut bewerten koennen, aber an seinen Gesetzen fuer sich selber viele Vorteile bewirken. Dazu kommt noch, dass es keine wirklich grosse und geschlossene Oposition gibt mit einer wirklich charismatischen Person, die Berlusconi entgegenwirken kann. Die Oposition ist, bis auf einige Ausnahmen, auch individualistisch, verdient gut mit dem Politikmachen, und laesst junge Leute mit neuen Ideen und anderen Wegvorschlaegen, nicht hochkommen. Hinzu kommt zu Allem, die kriminellen Organisationen, die im Staat mit verpflochten sind. Es ist geradezu unglaublich, wenn man Gomorra gelesen hat, dass der Staat hier nicht massiv mit dem Militaer eingreift. Das dies nicht geschied, spricht fuer sich.
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dafür, für wie dumm und berechenbar einige PolitikerInnen die, uns Menschen halten.
aber hoffentlich nicht mit dem Sick seinem Buch, diesem Standardouting intellektueller Troglodyten :-))
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