Der italienische Premier Silvio Berlusconi ist sauer, weil europäische Zeitungen zum G-8-Gipfel in Italien pikante Fotos aus seinem sardischen Luxus-Refugium drucken wollen.
Der italienische Premier muss zum G-8-Gipfel im Erdbebengebiet der Abruzzen mit einem Medienbeben rechnen. Die britische Sunday Times schreibt, mehrere europäische Blätter wollten pikante Fotos aus Berlusconis sardischem Luxus-Refugium Villa Certosa kaufen und pünktlich zum G-8-Gipfel drucken.
Der italienische Ministerpräsident Berlusconi ist verstimmt, weil die ausländische Presse angeblich einen "abgestimmten Angriff" auf ihn plant. (© Foto: dpa)
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Der Premier begegnete dem Bericht mit einem Präventivangriff. Er ließ sein Büro eine offizielle Erklärung veröffentlichen, die schwere Angriffe gegen die Auslandspresse enthält. "Eine gewisse ausländische Presse hört nicht auf, Lügen und Unterstellungen über Ministerpräsident Berlusconi zu veröffentlichen", heißt es in der Mitteilung des Palazzo Chigi, des Amtssitzes des Premiers.
Dabei handle es sich um einen "abgestimmten Angriff" und eine "krankhafte Kampagne". Zum einen gebe es keine peinlichen Fotos aus der Villa Certosa, zum anderen dürften Aufnahmen von dort nicht publiziert werden, weil das die Privatsphäre verletze. Sollten doch Schmuddelfotos auftauchen, seien diese "das Ergebnis von Manipulationen".
Die Note nennt ausdrücklich "die Sunday Times der Murdoch-Gruppe". Deren Verleger, der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, ist ein alter Widersacher Berlusconis. Der Premier suggeriert, Murdoch stecke mit hinter den Veröffentlichungen über mögliche Orgien in seinen Villen und über seinen Umgang mit Prostituierten und einer Minderjährigen, die seinem Ansehen zuletzt erheblich schadeten.
Die hochoffizielle, mit Drohungen garnierte Attacke aus dem Palazzo Chigi auf die Medien zeigt, wie nervös Berlusconi ist. Solche Angriffe einer Regierung auf die Auslandspresse sind für demokratische Staaten ungewöhnlich.
Dabei sind die von einem Paparazzo aufgenommen Fotos von Szenen aus der Villa Certosa politisch eigentlich irrelevant. Sie könnten jedoch den Eindruck verdichten, bei Berlusconi gehe es zu wie an einem dekadenten Renaissance-Fürstenhof.
Der 72-jährige Ministerpräsident muss sich ernstlich sorgen, dass ihn neue Veröffentlichungen im Kreis der Staats- und Regierungschefs der G-8-Staaten zur peinlichen Figur machen und die Frage aufwerfen, ob er geeignet ist, eines der wichtigsten Industrieländer der Erde zu führen. Noch mehr als um sein Ansehen im Ausland dürfte sich Berlusconi um sein Image zu Hause sorgen.
Dank seiner Macht als Medientycoon über das Privatfernsehen und als Premier über das Staats-TV konnte er viele Italiener glauben machen, er gelte international als wichtiger Staatsmann. Kritische Zeitungen wie die linksintellektuelle La Repubblica werden von der großen Mehrheit der Wähler ohnehin nicht gelesen. Auf die Auslandsmedien aber hat Berlusconi keinen Einfluss.
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(SZ vom 07.07.2009/bavo/af)
Bilder des Tages
Leider finde ich die aktuellen Fotos nicht auf the guardian online.
Dafür einen netten und sehr passenden Kommentar unter dem Artikel von Alexander Chancellor über Berlusconis Ausfälle den englischen Zeitungen gegenüber,
Zitat:" Italy has "news" papers? If they truly did, that would be news indeed. With respect to Mr. Burlesque-oni, his comments are noted but, as usual, not respected."
Etwas frei übersetzt: Italien hat Zeit-ungen? Wenn sie die wirklich hätten, das wären tatsächlich Neuigkeiten. Keine Beleidigung, Mr. Burlesque-coni , ihre Kommentare werden zur Kenntnis genommen, aber, wie gehabt, nicht respektiert.
Dem bleibt nichts hinzuzufügen.
ja stimmt, wo sind die neuen Fotos?
Wenn Berlusconi als offiziellen Beruf Schauspieler angeben würde, würde ja niemand was sagen. There s no business like showbusiness.
Aber hallo? Er bezeichnet sich als demokratischen Politiker. Auf jeden vernünftigen Menschen scheint er aber den Eindruck eines Diktators im Clownskostüm zu machen.
Woher wird das wohl kommen? Weil er immer so seriös auftritt?
Ich will keine heute keine Politiker mehr sehen, die sich wie Stalin mit eigenem Hofstaat aufführen. Stalin höchstpersönlich hat sich in jede einigermaßen wichtige Pressemitteilung eingemischt. Beim Treffen in Teheran hat der die anderen Teilnehmer abhören lassen.
Berlusconi tritt nicht seriös auf und ich befürchte, daß er die Fotos selber teilweise benützt hat um die an den Parties in Sardinien teilnehmenden Politiker ( tschechischer Ex Ministerpräsident) zu erpressen.
Er nimmt alles und jeden immer nur als Kulisse um sich selber in Szene zu setzen.
Berlusconi widert mich an. Seine Frauen muß er auch deshalb kaufen, weil er sie anders nicht herumkriegt.
dass Herrn B. als Pensionär zwar nicht mehr die Presse nachstellt, dafür aber die JUSTIZ, und das ist unter anderem der Grund, weshalb er bis zur Verjährung ausstehender Verfahren auch NICHT zurücktreten wird.
... Klar darf Berlusconi ein Mensch sein.
Verbietet ihm ja auch keiner. Evtl. sollte er besser auf das Öffentlichkeitsinteresse an seinem Privatleben denken. Oder an die Aufstellung der Europa-Abgeordneten, welche ja in erster Linie Italien nicht aussehenstechnisch zu vertreten haben sondern politisch.
Aber: Der Mann steht als Premier ganz vorne in der Schusslinie - er sollte, wenn ihm das zuviel wird, eher darüber nachdenken, von der Position als Premier zu weichen, als sich daran festzuklammern.... Als Pensionär wird ihm dann ja nicht so arg nachgestellt.
Im Moment stelle ich mir vor, wie es denn wohl wäre, wenn Dieter Bohlen Bundeskanzler wäre...
"Der Ruf ist doch eh versaut - was machen da ein paar Aufnahmen von Nackedeis"
Hehehe, ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s völlig ungeniert :o))
Gruß Balldieb
Paging