Berlusconi: Geheimplan zur G 8 Die Wunder des heiligen Silvio

Wein, Weib und Gesang: Ein Geheimdossier enthüllt, wie Silvio Berlusconi die G 8 im Jahr 2009 auf Vordermann bringen will. Der Clou: Italiens Regierungschef singt selbst.

Eine Beobachtung von Hans-Jürgen Jakobs

Manchmal haben Enthüllungsreporter einfach nur Glück. So wie jüngst in der italienischen Hauptstadt Rom, als einem jungen Journalisten auf der Eckbank eines Lokals im Viertel Trastevere eine mit lila Schutzpapier eingebundene Kladde auffiel, die überschrieben war mit dem Titel: "Amore Mio G 8-Forza Europa". Sie war hier versehentlich liegengelieben.

Ein kleiner Vorspann machte klar, dass hier eine Taskforce innerhalb der großen italienischen Regierungspartei "Volk der Freiheit" Grundgedanken für das neue Jahr 2009 zusammengetragen hatte. Offenbar hatte diese Gruppe in dem römischen Restaurant kurz zuvor getagt. Was in den Papieren besonders auffiel, war ein längeres Statement des Parteichefs und Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, 72.

Manches davon hatte man in dieser oder ähnlicher Form schon von ihm gehört oder gelesen, manches aber ist neu und entspricht einer höheren Form der Wahrheit.

Das Statement beginnt ("Liebe Freunde der Freiheit, liebe Mitkämpfer") mit einer Beschreibung des Status quo: "2009 muss das Jahr Italiens, muss unser Jahr, muss mein Jahr werden. Da unsere Nation die Führung der wichtigsten politischen Vereinigung der Welt, der G 8, übernimmt, haben wir die Chance, jede Woche in die großen Hauptnachrichtensendungen auf dem Globus zu kommen. Deshalb dürfen wir uns nicht auf die wenigen G-8-Treffen beschränken, sondern müssen immer wieder mit Vorschlägen und Initiativen aufwarten. So habe ich mich beispielsweise entschlossen, das Internet zu regulieren und von Kinderpornos und Ähnlichem zu befreien. Wir brauchen mehr Reformen solchen Kalibers."

Bitte nicht zu ernst

Zu ernst aber dürfe alles nicht geraten, führt Berlusconi aus, es würden "Injektionen der Seriosität" genügen. Denn: "Lachen ist die beste Medizin. Gegebenenfalls hilft ein lockerer Spruch von mir, so wie ich vor Wochen über meinen künftigen G-8-Freund Barack Obama sagte, er sei 'jung, ansehnlich und sogar gebräunt'. Solche Witze funktionieren in den Medien immer. Wer Lacher hat, hat keine Feinde." Was das G-8-Jahr unter italienischer Ägide angeht, so müssten die Leute immer fragen: "Wo steigt hier die Party? Wann kommt Silvio?"

Er scheue sich nicht, schreibt Berlusconi weiter, mit vollem Einsatz die eigene Person ins Scheinwerferlicht der internationalen Medien zu bringen: "Ich ziehe die Pfeile auf mich so wie Jesus Christus die Nägel am Kreuz ertragen hat." Schließlich habe er schon 1994 und 2001 die G-8-Präsidentschaft innegehabt ("ein absoluter Rekord, weil Kohl und Mitterrand nur zweimal Präsident waren"). Mit vielen Reisen in die G-8-Länder, aber auch in wichtige Staaten wie China, Indien, Brasilien, Mexiko oder Südafrika, die enger an die G 8 angebunden werden sollen, könne von dem Rekord verkündet werden: "Ich reise, also bin ich", führt der Autor einmal scherzhaft an.

Auch wisse er genau, wie Persönliches zu Politik werden kann, so Berlusconi weiter: "Jahrelang habe ich wertvolle Freundschaften aufgebaut, gerne auch in meiner Villa an der Costa Smeralda auf Sardinien. Das hat das Verhältnis Italiens zu einem Tony Blair oder einem Wladimir Putin enorm gestärkt. Mein Haus steht allen offen! Der heilige Silvio kann noch viele Wunder vollbringen."

Besser ein Lied

In einer längeren Fußnote nennt Autor Berlusconi dann noch einige weitere seiner "Aphorismen", die angeblich zu den weltweit am meisten zitierten Politikerweisheiten gehörten. Dann beschreibt er in einem längeren Absatz, worauf es seiner Meinung nach in Italiens G-8-Jahr ankomme: "Das Wichtigste ist: Atmosphäre, Atmosphäre und noch einmal Atmosphäre. Ein nettes Gesprächsklima, mit Amüsement und Animation, bügelt auch schwere diplomatische Krisen aus. Deshalb habe ich Anweisung gegeben, dass unser G-8-Gipfeltreffen Anfang Juli auf der kleinen Inselgruppe La Maddalena im Norden Sardiniens heitere Spiele des freien Worts werden."

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