Von Julius Müller-Meiningen, Rom

Italiens Oppositionsführer Silvio Berlusconi hat sich bei der Neugründung einer neofaschistischen Partei in Rom feiern lassen - und sich nicht von den faschistischen Äußerungen der anwesenden Politiker distanziert.

Es passierte ausgerechnet, als der römische Bürgermeister und Vorsitzende der Demokratischen Partei, Walter Veltroni, den israelischen Botschafter zusammen mit Schülern zu einer Reise in das ehemalige Konzentrationslager nach Auschwitz eingeladen hatte: Zu Hause zerlegten rechtsradikale Fußballfans ein ganzes Stadtviertel.

In der Kritik: Silvio Berlusconi

Abermals in der Kritik: Silvio Berlusconi (© Foto: dpa)

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Und im Schatten der offenen Gewalt trug sich ein anderes Ereignis zu, das jetzt den Protest der jüdischen Gemeinden in Italien hervorgerufen hat. Oppositionsführer Silvio Berlusconi hatte sich am Wochenende bei der Neugründung der neofaschistischen Partei La Destra (Die Rechte) in Rom feiern lassen und sich nicht von den faschistischen Äußerungen der anwesenden Politiker distanziert.

Berlusconi sagte am Dienstag zwar, er warne davor, an seiner "Unterstützung des jüdischen Volkes und des Staates Israel zu zweifeln". In den jüdischen Gemeinden Italiens will daran aber niemand mehr so recht glauben.

"Wir sind enttäuscht und verbittert", wird der Vorsitzende der Union jüdischer Gemeinden in Italien, Renzo Gattegna, von der Zeitung La Repubblica zitiert. Am vergangenen Samstag war Berlusconi auf der Gründungsveranstaltung der Partei des ehemaligen Gesundheitsministers Francesco Storace mit "Duce"-Rufen begrüßt worden.

"Mein Herz schlägt für euch", rief Berlusconi dem Publikum zu. Storace, der sich mit der Neugründung von der heute zumeist als postfaschistisch eingestuften Partei Alleanza Nazionale (AN) abgespalten hat, griff in seiner Gründungsrede den ehemaligen Außenminister und Vorsitzenden der AN, Gianfranco Fini, an.

Beunruhigendes Schweigen

Fini hatte sich im November 2003 auf einer Reise nach Jerusalem vom Faschismus distanziert. Den Faschismus verdammen, das käme für seine neue Partei nicht in Frage, sagte Storace. Berlusconi lud die neue Partei bei seinem dreistündigen Besuch auf dem Kongress in Rom zur Bildung einer gemeinsamen Koalition ein.

Es ist aber vor allem das Schweigen Berlusconis zum unverhüllt zur Schau getragenen Faschismus, das die jüdischen Gemeinden beunruhigt. Leone Paserman, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Rom, warf dem ehemaligen Ministerpräsidenten vor, anscheinend um jeden Preis nach Mehrheiten zu suchen.

Vorsichtig kommentiert der israelische Botschafter in Italien, Gideon Meir, die Vorfälle. Er wolle sich nicht in die Innenpolitik Italiens einmischen und werde persönlich mit Berlusconi sprechen. Zwar verweist Meir auf die Deportationen italienischer Juden während des Zweiten Weltkriegs. Er habe aber keine Zweifel an Berlusconis Freundschaft gegenüber Israel.

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(SZ vom 15.11.2007/plin)