Berlusconi auf Wahlkampftour Versuch des Stimmenkaufs

Berlusconi, der Populist, schürt die Wut über die IMU, und das bringt ihm Zustimmung. Und nicht nur hier im Theater redet er von ihr, sondern auch bei seinen täglichen Fernseh- und Radioauftritten. Rastlos eilt er seit Wochen von Studio zu Studio, monologisiert möglichst, ist aber schlagfertig nach Bedarf, hat immer eine Pointe auf dem Zettel.

Er stellt die Dinge so einfach dar, dass sie auch der Dümmste versteht; er erzählt, was mancher hören will, und sei es noch so märchenhaft. Im Falle eines Wahlsiegs werde er die IMU gleich auf der ersten Kabinettssitzung wieder abschaffen, verspricht Berlusconi seit Wochen, und jetzt hat er auch noch einen "Schockvorschlag" präsentiert: Schon bezahlte IMU auf den Erstwohnsitz werde er den Bürgern zurückerstatten. Vier Milliarden Euro wären das.

Das schlug Wellen in dieser Woche. Mario Monti sprach spöttisch von einem Versuch des Stimmenkaufs, den die Leute aber selbst bezahlen müssten. Sozialdemokraten-Chef Pierluigi Bersani nannte es einen Witz. So sehen das laut Umfragen auch 70 Prozent der Italiener, die das für nicht finanzierbar halten.

Premier, das weiß er, wird er nicht mehr

Auf einer Facebook-Seite reihten Witzbolde auf, was Berlusconi wem noch alles zurückgeben könnte: Sharon Stone ihre Unterhose, den Mayas die Glaubwürdigkeit. Viele lachen nur noch über Berlusconi, der im Fernsehen darauf bestand, dass man ihn Julius Cäsar nennen dürfe, wenn er das nicht umsetze.

Berlusconi erlaubt sich offenbar alles, weil er nichts mehr zu verlieren hat. Trotz all der Märchen, die er erzählt hat, und obwohl die Partei ihn aufs Altenteil setzen wollte, ist er doch wieder der Spitzenmann der PDL. Und jeder noch so absurde Vorschlag bringt ihm wieder große Medienaufmerksamkeit ein.

Premier, das weiß er, wird er nicht mehr: weil seine Partei dafür nicht genügend Stimmen gewinnen wird, und weil ihm die Lega Nord als Bedingung für eine Koalition schon einen Verzicht abgepresst hat. Dann werde er eben Wirtschaftsminister, hat Berlusconi angekündigt, ja er schwadroniert, als Superminister für Finanzen und Wirtschaft werde er mächtiger sein, als er es als Premier je war. Nach seiner anderthalbstündigen Rede im Teatro Capranica hatte er allerdings erst mal einen kleinen Schwächeanfall.