Die große Koalition hat sich auf ein Konzept zur Reform der Kfz-Steuer geeinigt. Damit ist der Weg frei für die Kabinetts-Entscheidung über das zweite Konjunkturpaket.
Nach zähem Ringen bis zur letzten Minute hat sich die große Koalition am Montagabend auf ein Konzept zur Reform der Kfz-Steuer geeinigt.
Bild vergrößern
Jahrelang war ergebnislos debattiert worden: Nun hat die Koalition eine Einigung über die Kfz-Steuerreform erzielt. (© Foto: AP)
Anzeige
Dies sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Hans-Peter Friedrich (CSU), in Berlin. Damit ist der Weg frei für die Kabinetts-Entscheidung über das zweite Konjunkturpaket am Dienstag. Noch diese Woche soll sich auch der Bundestag damit befassen.
Die Kfz-Steuer soll sich bereits von Juli an zum Teil am Kohlendioxid-Ausstoß der Autos ausrichten. Bis zuletzt hatten Union und SPD heftig darüber gestritten, wie hoch die Steuer für klimaschädliche Luxusautos mit hohem Verbrauch sein soll. Umweltminister Sigmar Gabriel hatte sein Veto gegen Pläne eingelegt, die solche Wagen begünstigt hätten. Friedrich sagte, nun habe man sich darauf geeinigt, die Besteuerung des Hubraums bei PS-starken Diesel-Fahrzeugen nicht auf 300 Euro zu deckeln.
Im Gegenzug sollen die Mehreinnahmen, die dadurch bei großen Autos anfallen, zur Senkung der Steuersätze verwendet werden. Pro 100 Kubikzentimeter Hubraum sollen nur noch 9,50 Euro erhoben werden, und nicht wie geplant zehn Euro. Friedrich hatte schon vor der letzten Verhandlungsrunde vorgerechnet, dass eine vollständige Umstellung der Steuer auf CO2-Ausstoß zu viel Steuereinnahmen gekostet hätte. Das sei nicht zu bezahlen, sagte Friedrich.
"Sparsame Fahrzeuge müssen billiger sein"
Auch die SPD-Fraktion hatte heftigen Widerstand gegen das ursprüngliche Konzept geleistet. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber sagte im Deutschlandfunk, die klimapolitisch falsche Begünstigung großer Spritschlucker sei erst auf Druck der Unionsfraktion sowie von Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in den Gesetzentwurf gekommen. Eine Kfz-Steuerreform müsse zwei Elemente enthalten, verlangte er: "Die sparsamen Fahrzeuge müssen billiger sein als heute und die Spritschlucker müssen mindestens so teuer wie heute sein, eher teurer."
Die Reform war jahrelang ergebnislos debattiert worden. Die Koalition hat sie nun als Teil des zweiten Konjunkturpakets erneut in Angriff genommen und will sie im Eiltempo bis 1. Juli 2009 in Kraft setzen. Sie soll den Autoabsatz ankurbeln und gleichzeitig Anreize für klimafreundliche Wagen bieten.
Dem Plan zufolge bleibt 2010 und 2011 die Basismenge von 120 Gramm pro Kilometer steuerfrei, 2012 und 2013 sollen es 110 Gramm sein. Die Erträge fließen künftig komplett dem Bund zu, die Länder bekommen einen Festbetrag als Ausgleich. Die FDP forderte die Abschaffung der Kfz-Steuer anstelle einer Reform. Die Steuer solle gestrichen und stattdessen im gleichen Umfang - rund neun Milliarden Euro - die Mineralölsteuer erhöht werden, sagte Generalsekretär Dirk Niebel. Das sei "sowohl öko als auch logisch", weil nicht der Besitz eines Autos, sondern die Kilometerleistung zähle. "Wer viel verbraucht, zahlt auch mehr", sagte Niebel.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Die neue Kfz-Steuer Wie teuer wird's? 27.01.2009
- 26. Januar 2009 Eine einfache Lösung 26.01.2009
- Streit über Kfz-Steuer Union lenkt ein 26.01.2009
- Ab in die Schrottpresse Wie funktioniert die Abwrackprämie? 23.01.2009
- Automobil Koalition kämpft mit der Kfz-Steuer 23.01.2009
(AP/gba)
Sparpaket
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
de.wikipedia.org/wiki/Kraftstoffverbrauch#Berechnung_der_CO2-Emission_auf_Basis_des_Kraftstoffverbrauchs
Deshalb kosten Dieselfahrzeuge das 5fache pro 100ccm?
Auszug Wikipedia:
"Neben Wasser und geringen Mengen anderer Verbrennungsprodukte entsteht bei der Verbrennung aus
* 1 l Diesel etwa 2,65 kg CO2[3]
* 1 l Benzin etwa 2,32 kg CO2[3]
(...)
Man erkennt, dass bei der Verbrennung von 1 l Diesel 13 % mehr CO2 entsteht als bei 1 l Benzin, d. h. wenn ein Ottomotor einen Mehrverbrauch von 13 % gegenüber einem Dieselmotor hat, sind die Motoren hinsichtlich CO2-Ausstoß gleichwertig. Daher können Benzin- und Dieselfahrzeuge nicht nur über den Kraftstoffverbrauch gemessen in Litern verglichen werden. Die Ursache sind Unterschiede im spezifischen Gewicht sowie im Verhältnis zwischen Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen in den Molekülen beider Kraftstoffe. Der von der Europäischen Kommission vorgeschlagene Richtwert von 130 g CO2 pro km entspricht einem Verbrauch von 5,0 l/100 km Diesel bzw. 5,6 l/100 km Benzin." Wobei die Kraftstoffersparnis gegenüber Ottomotoren m.A.n. deutlich über 13% liegen dürfte... .
Ich vermute dass es nicht lange dauern wird, bis jemand wegen dem grundgesetzlichen Gleichbehandlungsgrundsatz dagegen klagen wird, dass bereits zugelassene Fahrzeuge, die genauso Euro 4 erfüllen wie Neuwagen anders besteuert werden.
Im Grundsatz handeln wir uns mit diesem großen Wurf doch nur ein weiteres kompliziertes Steuermodell ein. In diesem Fall halte ich es mit der FDP (natürlich bereits vorher schon ohne diese): aufkommensneutrale Umlegung der Kfz-Steuer auf die Spritpreise. Folge: wer viel oder Spritschlucker fährt zahlt viel, wer wenig oder sparsame Fahrzeuge fährt zahlt wenig !
Das wäre einfach und effektiv, aber vielleicht müssen ja die Finanzbeamten gerechtfertigt werden (ich gehe davon aus, dass diese bei entsprechendem Einsatz im Bereich der Steuerprüfung weitaus mehr erwirtschaften können).
Bisher musste man mehr Kfz-Steuer bezahlen, wenn das Auto mehr Schadstoffe (CO, NOx, HC, Partikel) erzeugte. Das fällt in Zukunft ganz weg.
Die neue Kfz-Steuer gilt zwar nur für Neuwagen. Euro-1 bis Euro-3 und bereits zugelassene Euro-4-Autos sind von der Steuer nicht betroffen. Aber aktuell werden Wagen mit Euro-4, Euro-5 und Euro-6 verkauft. Sie werden von der neuen Steuer gleich behandelt.
Ob das eine gute Lösung ist?
Es ist zwar schön, dass sich die SZ die 'Mühe' macht, für einige Alltagsautos (5er BMW mit 5l Hubraum ...) die Steuer schon mal zu berechnen, aber bitte schreibt nicht solchen Mist wie Mercedes A170, berechnet dazu die Steuer vom Benziner und bringt dazu ein Bild vom alten 170CDI. Was ist das bitte für ein Opel Agila, der 200Stuer kosten soll? ein 2,5l V6 Agila ?
Paging