Brandenburg Gate, Berlin, Germany: Während der US-Kandidat eine Kulisse mit Wiedererkennungseffekt will, sehnen sich die Deutschen nach dem guten Amerikaner.
Das Brandenburger Tor wäre schön gewesen, nicht nur aus der Sicht von Obamas Leuten. Die wollten das Tor vor allem, weil es einen Neuschwanstein-Effekt hat. Es ist eben wie Mad Ludwig's Castle oder die Beer Steins höchst fernsehtauglich, da schnell zuzuordnen: ah, Brandenburg Gate, Berlin, Germany.
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Das Brandenburger Tor - ein Ort mit Neuschwanstein-Effekt. (© Foto: ddp)
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Natürlich geht es in erster Linie um die richtige Kulisse für den Kandidaten. Aber, so deutsch sind wir eben: Was Michael Ballack darf, nämlich mit den Seinen vor dem Brandenburger Tor herumhampeln, soll der mutmaßliche nächste Präsident der Vereinigten Staaten nicht dürfen. Zumindest da ist sich Deutschlands Hausmeisterin Angela Merkel sicher.
Obamas Auftritt in Berlin, ja seine ganze Weltreise, ist Wahlkampf, nichts anderes. Das macht aber auch nichts. Sie stößt in den USA und in weiten Teilen der Welt auf größtes Interesse, was den Wahlkämpfer sehr freut.
Jeder deutsche Kanzlerkandidat fährt im Wahlkampf einmal nach Amerika und hofft dort inständig auf eine zwölfminütige Audienz beim Präsidenten. Hätten Schröder, Stoiber oder Merkel zu ihrer jeweiligen Kandidatenzeit bei diesen Aufmerksamkeits-Bittgängen die Idee ventiliert, eine öffentliche Rede, sagen wir, vor dem Lincoln Memorial in Washington zu halten, wären sie aus dem Land gelacht worden.
Amerika ist zur Zeit der bestgehasste Freund der Deutschen. Nur noch ein knappes Drittel der Hiesigen hat nach acht Jahren Bush ein positives Bild von den USA.
Allerdings ist fast niemandem Amerika egal. Nahezu jeder Deutsche hat Meinungen zu allen Dingen, die amerikanisch sind - von Guantanamo über McDonalds bis hin zu Barack Obama.
Über kein anderes Großthema, nicht einmal über Hartz IV, streiten Stammtischler, Blogger und Talkshow-Bewohner so intensiv und vorhersehbar wie über die USA. Auch das ist ein Indiz für die Faszination, die Amerika auf uns ausübt.
Unsere Gesellschaft ist durch und durch amerikanisiert. Wir kaufen in Malls und Outlet Centern ein, wir tragen Jeans und T-Shirts, unsere Fernsehserien und -formate stammen überwiegend aus den USA, wir hören Amerikas Musik, lesen seine Bücher, sehen sein Kino.
Wir arbeiten mit Microsoft-Programmen im amerikanisch dominierten Internet und bedienen uns im Berufsleben oft einer deutsch-englischen Mischsprache. Politisch mögen die USA ihren Vorbildcharakter hierzulande verloren haben. In der (populären) Kultur und im Alltagsleben aber ist Amerika in Deutschland Sieger auf der ganzen Linie.
Wird dieses Land, das unseren Alltag so sehr prägt, von einem Präsidenten wie George W. Bush regiert, dann löst es heftige Reaktionen aus, wenn deutsche Erwartung und die US-Realität auseinanderklaffen. Ein Kandidat wie Obama, unbekannt und gleichzeitig kennedyesk, ist auch in Deutschland eine menschgewordene Projektionsfläche. Jeder kann in ihm aus sehr verschiedenem Blickwinkel seine Sehnsucht erkennen. Die Sehnsucht nach dem guten Amerikaner.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 23.07.2008/hai)
Russland unter Putin
Etwas Off-Topic und gleich den Disclaimer vorangeschickt: Ich möchte nicht zuuu idealistisch klingen...:-)
Aber der halbe Kenianer Obama 'könnte' auch ein gutes Zeichen setzen für die Beziehungen Industrienationen mit Afrika.
Well, abwarten...
@querschläger: Stimmt, leider. Obwohl auch McCain ausgemachterweise kein Wirtschaftsfachmann ist.
Da bräuchten beide sehr gute Teams.
Beidesmal Unwägbarkeiten gegeben.
Die Aussenpolitik spielt gewiss eine Rolle im amerikanischen Wahlkampf.Aber nicht sie wird wahlentscheidend sein, sondern die Einschaetzung der Waehler,welcher Kandidat die Wirtschaftskrise mit Immobiliencrash,Rezession, Explosion der Energiepreise,Abbau von Sozialleistungen besser wird bewaeltigen koennen. Die Amerikaner sorgen sich vor allem und zuerst um ihren gefaehrdeten Wohlstand und auch die Aussenpolitik wird vornehmlich unter diesem Aspekt bewertet.
Man kann annehmen,dass je prekaerer,krisenhafter und ungewisser die wirtschaftlichen Umstaende von den Waehlern wahrgenommen werden,diese gerade den als erfahren ,bedaechtig und zuverlaessig wahrgenommen McCain beguenstigen werden. In Krisenzeiten schart man sich lieber um eine bekannte Vaterfigur - dazu noch ein Held mit erwiesener Standhaftigkeit - als um einen jungen,unerprobten, wenn auch charismatischen Heissporn.
Sollte beispielsweise der in den letzten Tagen zurueckgegangene Oelpreis und der leicht gestiegene Dollar eine beginnende Trendwende markieren - wer weiss ? - die sich bis zu den Wahlen fortsetzt, so kaeme das wiederum klar Obama zugute.
Der Zusammenhang zwischen der palästinensischen Frage und den Kernwaffen sieht m.E. so aus, dass die Anerkennung Israels durch mehrere Staaten in der Region nur erfolgen wird, wenn die Zweistaatenlösung umgesetzt wurde. Die Anerkennung wiederum öffnet die Chance auf bessere Beziehungen zwischen Tel Aviv und der Arabischen Liga sowie Iran, was schließlich Israels Kernwaffen überflüssig machen kann. Der Verbindung ist also eine indirekte.
Auf der Konferenz von Taba, ganz am Ende von Clintons Amtszeit, war schon eine im Wesentlichen tragfähige Lösung ausgehandelt worden, zu deren Grundsätzen Obama nur zurückkehren müsste, von seiner Jerusalemäußerung ist er ja bereits zurückgerudert. Mit etwas mehr Zeit und einer stabileren Mehrheit Ehud Baraks in der Knesset hätte vielleicht damals schon ein Abkommen ausgehandelt werden können. Zum Teil wird auch Arafat für den Misserfolg verantwortlich gemacht, sollte das stimmen wäre mit Abbas jetzt aber auch ein besserer Verhandlungspartner vorhanden. Wichtig wäre in erster Linie, dass sich die USA einer Einheitsregierung aus Fatah und Hamas nicht mehr widersetzen. Da Hamas Obama unklugerweise zu ihrem Wunschkandidaten ausgerufen hatte und dann noch die Muslimdiskussion läuft ist eine solche Festlegung im Wahlkampf freilich nicht zu erwarten.
Es ist zweifellos richtig, dass die USA sich auch in Zukunft Einfluss auf Irak sichern wollen. M.E. sind sich die US-Politiker aber mehrheitlich der Tatsache bewusst, dass eine reine Marionettenregierung keinen gangbaren Weg darstellt. Die Aufträge beim Wiederaufbau werden weniger einseitig verteilt werden, wenn Irak sie zu einem größeren Teil selbst finanziert. Und in Fragen wie dem Kampf gegen die PKK werden die USA weiter erhebliche Macht ausüben, so lange Iraks Armee nicht selbst von Angriffen auf das Land abschrecken kann. Zudem würde auch eine längerfristige Truppenpräsenz, vom Umfang her vergleichbar mit der in Südkorea und ohne übermäßige Sichtbarkeit in Bevölkerungszentren, ein gewisses Gegengewicht zu dem unvermeidlichen iranischen Einfluss darstellen.
Ich verstehe nicht, warum Israel wegen der palaestinensischen Frage nicht auf Atomwaffen verzichten kann. Grundsaetzlichmuessten die USA uebrigens auch hier ihre Haltung wesentlich aendern. Sprich: Keine Unterstuetzung israelischer Militaerschlaege in den besetzten Zonen oder sonstwo, Aufloesen der Veto-Blockade auf UN-Ebene. Israel ist sehr von den USA abhaengig. Hier koennte eine Regierung, die sich ernsthaft fuer eine Verbesserung der Bedingungen einsetzt, mehr leisten.
Wir unterscheiden uns darin, dass ich die Praesenz der US-Truppen als Destabilisierungsfaktor ansehe und ich nicht daran glaube, dass die Staaten ein unabhaengiges Irak wollen. Dafuer gibt es etliche Anzeichen. Zum Beispiel bestimmen immer noch die USA im Wesentlichen wer sich am Wiederaufbau beteidigen darf, wie Militaeroperationen auszusehen haben, und auch ob die Tuerkei den Norden des Landes bombardieren darf. Der Grund fuer diese Unterdrueckung nationaler Freiheiten liegt sicherlich daran, dass ein unabhaengiges Irak auf Dauer eng an den Iran heranruecken koennte, so zumindest die Meinung vieler Experten.
Welche Rolle das Oel im Afghanistaneinsatz gespielt hat, kann ich nicht einschaetzen. Ich hatte mich eher auf den Irak bezogen. Was nicht bedeutet, dass ich den derzeitigen Einsatz in Afghanistan befuerworte.
Wir sehen die unmittelbare Zukunft der amerikanischen Politik aehnlich realistisch, denke ich. Ich verspreche mir nicht, dass es realistische Hoffnungen auf einen echten und baldigen Wechsel gibt. Es ist eine andere Art der Perspektive, die uns unterscheidet. Ich moechte herausstellen, dass das politische Spektrum in den Staaten aeusserst schmal ist, und wir deshalb nicht viel erwarten koennen, was von Bush abweicht. Nur innerhalb dieses schmalen Spektrums sind Obama und Bush einigermassen deutlich voneinander zu unterscheiden.
Was Israel angeht so halte ich einen Verzicht des Landes auf seine Kernwaffen frühestens dann für realistisch, wenn eine erfolgreiche Zweistaatenlösung implementiert wurde und alle Staaten der Region das Land anerkennen. Für eine kernwaffenfreie Zone in Nahost ist es daher zu früh. Es muss also darum gehen Iran so lange an der Entwicklung von Kernwaffen zu hindern, bis die Voraussetzungen für ein solches Abkommen erfüllt sind. In den nächsten vier Jahren wird das sicher noch nicht der Fall sein.
Das Argument der Sicherung des Öls war nicht als Rechtfertigung für den Irakkrieg gemeint. Vielmehr ist es wie Sie richtig sagen ein Teil der Erklärung. Es kann aber zumindest die Präsenz der USA dort rechtfertigen, wo sie ohne Gewaltanwendung Basen etabliert haben, z.B. in Katar. Wie Obama war ich im Übrigen von Anfang an gegen den Irakkrieg, glaube aber auch, dass nun, wo der Schaden einmal angerichtet ist, ein überstürzter Abzug die humanitäre Lage nicht verbessern würde, im Gegenteil. Eine Schrittweise Abtretung der Sicherheitsverantwortung an Irak sollte aber dort erfolgen, wo dessen Sicherheitskräfte dies bewältigen können. Eie gesagt kann dieser Übergang m.E. in der ersten Amtszeit des nächsten Präsidenten abgeschlossen werden.
Was Afghanistan angeht so vertrete ich nicht die These, dass Öl bei diesem Krieg eine entscheidende Rolle gespielt hat, das war allenfalls am Rande so. Vielmehr sehe ich hier ein Selbstverteidigungsrecht der USA als gegeben an. Deshalb teile ich auch Obamas Kritik, dass durch den Irakkrieg unnötigerweise wertvolle zivile wie militärische Ressourcen von Afghanistan abgezogen wurden.
Insgesamt haben Sie und ich aber auch recht unterschiedliche Erwartungen an die Politik der USA, so dass die Frage, ab wann ein Unterschied zwischen Bush und Obama relevant ist, sich aus jeder Perspektive anders beantworten mag.
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