Bericht der Bundesregierung Armut auch bei langjähriger Erwerbsbiografie

Derzeit müssen nur 2,5 Prozent der mehr als 65-Jährigen von dieser staatlichen Hilfe leben. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fürchtet, dass diese Quote deutlich wächst, wenn die Bundesregierung nichts unternimmt. Sie will deshalb Geringverdiener und Selbständige in Zukunft besser absichern. Wie dies am besten geschehen soll, ist in der schwarz-gelben Koalition umstritten. Am Wochenende wollen Spitzenpolitiker von Union und FDP versuchen, eine Lösung zu finden.

"Selbst Geringverdiener, die jahrzehntelang in das Rentensystem eingezahlt haben, werden am Ende ihres Erwerbslebens kein auskömmliches Einkommen aus der Rente haben", steht im Bericht der Bundesregierung.

(Foto: dapd)

In dem Bericht lässt von der Leyen erneut vor einer zunehmenden Altersarmut warnen. Die Senkung des Rentenniveaus von derzeit 51 auf 43 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns im Jahr 2030 führe "insbesondere bei Geringverdienern zu einem steigenden Altersarmutsrisiko, auch für Personen mit langjährigen Erwerbsbiografien", schreiben die Beamten. Und weiter heißt es: "Selbst Geringverdiener, die jahrzehntelang in das Rentensystem eingezahlt haben, werden am Ende ihres Erwerbslebens kein auskömmliches Einkommen aus der Rente haben."

Gerade diese Gruppe sorgt laut der Studie bislang zu wenig vor: So haben von den gut 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro 1,8 Millionen weder eine betriebliche Altersversorgung noch einen Riester-Vertrag. Mehr als zwei Drittel von ihnen sind Frauen.

Geringeres Interesse an betrieblicher Altersversorgung

Das Arbeitsministerium sieht es daher mit Sorge, dass das Interesse an einer Zusatzversorgung nicht mehr so stark wächst. Die Bereitschaft der Arbeitnehmer, eine betriebliche Altersversorgung abzuschließen, habe "deutlich an Schwung verloren". Bei den neu abgeschlossenen Riester-Verträgen habe sich der Zuwachs mit nur noch 200.000 neuen Verträgen im ersten Halbjahr 2012 ebenfalls "abgeflacht". Auch sei in kleinen Betrieben mit bis zu zehn Mitarbeitern die betriebliche Vorsorge nur halb so gut verbreitet wie im Durchschnitt aller Betriebe.

Trotzdem wagt das Ministerium einen optimistischen Ausblick: Es rechnet damit, dass das Netto-Versorgungsniveau der zukünftigen Rentner langfristig leicht steigen wird. Dies gelte besonders für Versicherte mit Kindern. Sie profitierten von den Kinderzulagen bei der Riester-Rente und der besseren Anerkennung von Kindererziehungszeiten in der Rentenversicherung. Ohne zusätzliche Altersvorsorge werde das Versorgungsniveau in den kommenden Jahren jedoch "deutlich zurückgehen".