Bericht der Atomenergiebehörde IAEA Iran soll an Atomwaffen gearbeitet haben

Es sind die bisher klarsten Aussagen der Internationalen Atomenergiebehörde zur Existenz eines iranischen Atomwaffenprogramms: In einem Bericht zeigt die IAEA sich "ernsthaft besorgt". Es gebe "glaubwürdige" Informationen, wonach Teheran an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet habe.

Von Hubert Wetzel

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat Iran deutlicher als je zuvor beschuldigt, heimlich den Bau von Nuklearwaffen voranzutreiben. In einem neuen Bericht, den die Behörde am Dienstag an die wichtigsten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sandte, heißt es, das Regime in Teheran habe mindestens noch im Jahr 2009 zahlreiche "Tätigkeiten ausgeführt, die relevant sind für die Entwicklung eines nuklearen" Sprengsatzes. Dazu gehörten Arbeiten an Computermodellen für atomare Explosionen, vor allem aber Experimente mit Zündern für Nuklearbomben. Der Bericht geht auch auf Irans Bemühungen ein, Raketen zu entwickeln.

Die IAEA und westliche Regierungen werfen Iran seit Jahren vor, Atomwaffen entwickeln zu wollen. Viele der Hinweise, die der neue Bericht aufführt, sind schon bekannt. Nach Angaben von Diplomaten ist der Report jedoch insgesamt detaillierter als alle vorhergehenden Berichte. Zudem seien die Schlussfolgerungen klarer formuliert als früher. Der Bericht soll an diesem Mittwoch veröffentlicht werden.

Iran bestreitet, an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Man wolle die Kernkraft nur friedlich zur Stromerzeugung nutzen, so Teheran. Alle von der IAEA vorgelegte Dokumente, die auf ein militärisches Programm hinweisen, bezeichnet Iran rundweg als Fälschungen der USA oder Israels. Den Inspektoren der IAEA verweigert Iran den Zutritt zu seinen Anlagen.

Die IAEA widerspricht dem Vorwurf, gefälschtes Propagandamaterial zu verbreiten, in dem neuen Bericht deutlich. Die Behörde verfügt nach eigenen Angaben über Geheimdienstinformationen aus mehr als zehn Ländern sowie über eigene Erkenntnisse. Die Hinweise auf den Bombenbau seien "glaubhaft". Viele der verdächtigen Experimente und Forschungsarbeiten hätten keine andere praktische Anwendungsmöglichkeit als den Bau von Nuklearwaffen. Diese Arbeiten seien daher "starke Hinweise auf eine mögliche Waffenentwicklung". Iran verheimliche viele Arbeiten nach wie vor.

Die USA, Europa und Israel werden den neuen Bericht voraussichtlich nutzen, um schärfere Wirtschaftssanktionen gehen Iran zu fordern. Dagegen sperren sich derzeit noch Russland und China. Das russische Außenministerium kritisierte am Dienstagabend, die angekündigte Veröffentlichung des Berichts habe bereits in den vergangenen Tagen zu "Spannungen" geführt. Die Regierung in Moskau sei "tief enttäuscht und verblüfft". Die Veröffentlichung gefährde eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Weltmächten und Iran.

Der Iran wies den Bericht als "politisch motiviert" zurück. Der Report sei unausgewogen und unfachmännisch, sagte der iranische IAEA-Botschafter Ali Asghar Soltanieh der Nachrichtenagentur Fars. Zuvor hatte sich schon Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad geäußert. Den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukia Amano, nannte er nach einem Bericht des Staatsfernsehens einen Handlanger Washingtons. Iran plane nicht den Bau einer Atombombe und werde seine Nuklearaktivitäten fortsetzen. Die Kontrolle der USA über die Welt könne die islamische Republik auch ohne Bomben auflösen: "Wir verlassen uns auf unsere Gedanken, unsere Kultur und Logik."

Israels Oppositionsführerin Zipi Livni zeigte sich alarmiert. "Jetzt, wo die Wahrheit vor den Augen der Welt aufgedeckt wurde, muss Israel die freie Welt mobilisieren, um Iran zu stoppen."