Benedikt XVI. und Afrika Papst: Kondome verschlimmern Aids-Problem

Papst Benedikt hat seine erste Afrika-Reise begonnen. Bereits vor der Landung in Kamerun erklärte der Pontifex, was er von Kondomen als Schutz vor Aids hält: Gar nichts.

Der Papst ist zu seiner ersten Afrika-Reise seit seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt aufgebrochen. Sie wird ihn zunächst nach Kamerun führen, am Freitag will er nach Angola weiterfliegen.

Papst Benedikt XVI. vor seinem Abflug nach Afrika

(Foto: Foto: Reuters)

Während der Visite wird der als Joseph Ratzinger geborene Kirchenführer begeistert empfangen werden.

Ziel der Reise ist es dem Vatikan zufolge, dem von Kriegen, Krankheit und Hunger gequälten Kontinent eine Botschaft der Hoffnung und Versöhnung zu bringen - Kritik ist trotz dieser guten Vorsätze programmiert.

Es geht um Aids, die Seuche, die auf dem Kontinent verheerend grassiert. An der Immunschwächekrankheit sind in Afrika seit den achtziger Jahren mehr als 25 Millionen Menschen gestorben.

Dennoch lehnt die römisch-katholischen Kirche den Einsatz von Kondomen kategorisch ab. Diese Haltung ändert sich auch unter dem deutschen Papst nicht, wie er zu Beginn seiner Reise deutlich machte.

"Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln", erklärte Benedikt an Bord seines Flugzeugs auf dem Weg nach Kamerun. "Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", behauptete der Papst. Die Lösung liege vielmehr in einem "spirituellen und menschlichen Erwachen" und der "Freundschaft für die Leidenden".

Harte Kritk von Grünen

Die katholische Kirche propagiert bei der Aids-Bekämpfung die Treue in der heterosexuellen Ehe. Ansonsten setzt sie auf Keuschheit und Enthaltsamkeit.

Die deutsche Sektion des UN-Kinderhilfswerks Unicef regierte inzwischen mit Unverständnis auf die Äußerungen des Pontifex zur Aids-Problematik. "Erwachsene und Jugendliche müssen über die Ansteckungswege Bescheid wissen - und darüber, wie man sich vor Aids schützen kann", sagte Unicef-Geschäftsführerin Regine Stachelhaus dem Kölner Stadt- Anzeiger.

Kondome seien Teil der weltweiten Aufklärungskampagnen nach dem "ABC-Ansatz". Dabei stehe A für Abstinenz, B für "Bleib treu" und C für die Benutzung von Kondomen (englisch: "Condoms"). "Das ist unsere klare Botschaft an die Jugendlichen auf der Welt", so Stachelhaus.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, sagte in Berlin, angesichts der Ausbreitung von Aids im südlichen Afrika seien die Worte des Papstes "zynisch und menschenverachtend". Warum Kondome die Situation angeblich sogar noch verschlimmerten, erkläre der Papst nicht.

Papst: Ich bin nicht einsam

Neben einer "Freundschaft mit den Leidenden" sollten sich alle Bemühungen auf eine Absenkung der Infektionsraten richten, so Beck. Dazu bleibe der Zugang zu Kondomen ein entscheidender Faktor.

Während des Besuchs in Kamerun wollte sich der Papst über die Arbeit von Hilfsorganisationen informieren und Vertreter der Muslime treffen. Angesichts sinkender Gläubigen-Zahlen in den Industrieländern ist Afrika besonders wichtig für die weitere Ausbreitung der katholischen Kirche geworden.

Auch zu seiner eigenen Person äußerte sich Benedikt. In den vergangenen Wochen, als die Debatte um den Holocaust-Leugner und Traditionalisten-Bischof Richard Williamson zu mitunter harscher Kritik am Pontifex führte, wurde der Vorwurf laut, der Papst sei von der Außenwelt weitgehend abgeschirmt und isoliert.

Nun wandte sich Benedikt XVI. entschieden gegen solche Medienbehauptungen. Er fühle sich in keiner Weise einsam, erklärte der gebürtige Bayer. Jeden Tag treffe er mit Freunden, Mitarbeitern und Bischöfen zusammen. "Ehrlich gesagt: Ich muss über diesen Mythos der Einsamkeit lachen."