Benedikt XVI. in Spanien Realitätsferner Papst

Benedikt XVI. prangert auf seiner Spanien-Reise den "aggressiven Laizismus" an - und versteigt sich zu einem hanebüchenen und verantwortungslosen Vergleich.

Ein Kommentar von Javier Cáceres

Wer immer Papst Benedikt XVI. vor der Reise nach Spanien beraten hat: Er hat ihm einen Bärendienst erwiesen. Von "aggressivem Laizismus" und "Antiklerikalismus" sprach der Papst beim Anflug auf Spanien - und verstieg sich zum Vergleich mit den unseligen dreißiger Jahren.

Papst Benedikt XVI. versteigt sich auf seiner Spanien-Reise zu einem verantwortungslosen Vergleich.

(Foto: dpa)

Damals gab es in kirchenfeindlichen Lagern tatsächlich Haltungen, die über bloßen Laizismus hinausgingen, sehr wohl aggressiv, schließlich sogar mörderisch. Abgesehen davon, dass die heutige Realität mit dem damaligen Spanien nichts zu tun hat: Der unsägliche Vergleich ruft in Erinnerung, dass der Vatikan manches gern unter den Teppich kehrt. Zum Beispiel, wie aggressiv, mitunter sogar mörderisch der spanische Klerus seinerzeit war. Er hielt dem im Bürgerkrieg (1936-39) schließlich siegreichen Franco-Faschismus die Steigbügel und war diesem in der folgenden, 40 Jahre währenden Diktatur ideologisch fundamental zu Diensten.

Warum Benedikt dies heraufbeschwört? Weil Spanien in sozialen Fragen in der Gegenwart angekommen ist. Homo-Ehen, Scheidungen in erträglichen Fristen, Abtreibung, Sexualkunde - das ist der Katalog der Sünden, die aus Sicht des Vatikans nicht dadurch gesühnt werden, dass Spaniens sozialistische Regierung die Säckel der Kirche gefüllt hat wie keine andere vor ihr.

Selbst wer der Ansicht sein sollte, dass Spaniens Regierung im Kleingedruckten ihrer Reformen übers Ziel hinausgeschossen ist, der Vergleich zur II. Republik ist wirklich hanebüchen und verantwortungslos. Wahr ist, dass die katholische Kirche auch in Spanien einen zunehmend schweren Stand hat - wegen einer Realitätsferne, von der Benedikt XVI. nun wieder ein beeindruckendes Zeugnis abgelegt hat.