Benedikt XVI. in Nahost Unverhoffte Geschenke des Pilgers aus Rom

Papst Benedikt XVI. wird in Bethlehem wie ein Held bejubelt, weil er mehr Rechte und eine Heimstatt für die Palästinenser fordert.

Von Stefan Ulrich

"Viva il Papa! Viva Palestina", "Es lebe der Papst, es lebe Palästina!" - dieser Ruf von Tausenden auf dem Krippenplatz brachte die Stimmung zum Ausdruck, die am Mittwoch in Bethlehem herrschte. Die Palästinenser, von denen nur ein Bruchteil Christen sind, hatten sich viel erwartet von Benedikt XVI. Und der Papst brachte ihnen noch mehr mit.

Einen eigenen Palästinenserstaat, Benedikt nannte ihn "souveränes Heimatland"; mehr Bewegungsfreiheit und weniger israelische Mauern; Hilfe für die zerstörten Orte im Gaza-Streifen und ein Ende der israelischen Blockade; internationaler Einsatz für einen gerechten Frieden. Das alles verlangte der Pontifex. Wer wollte, konnte sogar die Forderung nach einem Rückkehrrecht für die aus ihrer Heimat vertriebenen Palästinenser ins heutige Israel aus seinen Worten heraushören.

Von goldfarbenen Messgewändern umhüllt, eine prunkvolle Mitra auf dem Kopf, so thronte Benedikt über der Menschenmenge. Viele palästinensische Christen waren bereits am Vorabend angereist, da die Israelis am Mittwochmorgen um vier Uhr die Checkpoints schlossen. Von den 200 Menschen aus dem Gaza-Streifen, deren Einreise nach Bethlehem die israelische Regierung zugestanden hatte, schafften es nach Vatikanangaben nur die Hälfte. Dafür mischten sich Besucher aus aller Welt unter die Palästinenser. Der Papst wurde mit Sprechchören und Applaus gefeiert, als sei er einer der Heiligen Drei Könige, der reiche Geschenke bringe.

Entspannter als in den vergangenen beiden Tagen in Jerusalem versicherte der Papst in seiner Predigt, er sei nicht nur als Pilger zum Geburtsort Christi gekommen, sondern auch, "um Euch, liebe Brüder und Schwestern im Glauben, in diesen palästinensischen Gebieten zur Seite zu stehen". Ohne Umschweife sprach er die widersprüchliche Situation des Städtchens in den Hügeln südlich von Jerusalem an: "Überall verbinden Menschen Bethlehem mit der frohen Botschaft von der Auferstehung, Erneuerung, Licht und Freiheit."

Doch tatsächlich scheine die Erfüllung dieser Verheißung fern zu sein. "Hier in Bethlehem wird den Jüngern Christi eine besondere Ausdauer abverlangt", räumte der Papst ein. Das Tor zur Geburtskirche sei im Laufe der Jahrhunderte immer enger geworden. Dennoch werde aus Bethlehem auch künftig die frohe Botschaft erschallen. Nach der Messe wurde der Papst wie ein Held gefeiert.

Nur mühsam konnten ihm die Ordner einen Weg durch die Menge bahnen. Wer ihn aus der Nähe beobachtete, wie er im Gebäude des Bethlehem Peace Center verschwand, der bemerkte: Freude und Erleichterung spiegelten sich diesmal stärker als die Erschöpfung in Benedikts Gesicht.

Er fühlte sich wohl in Bethlehem, das war schon morgens zu sehen, als er vor dem Regierungspalast von Palästinenserpräsident Machmud Abbas vorfuhr. Unterwegs begrüßten ihn Plakate, auf denen er lesen konnte: "Bethlehem liebt Benedikt XVI." Vor Abbas hielt der Papst eine pointierte Rede, die Verständnis für die Lage der Palästinenser verriet, aber so formuliert war, dass sich Israels Regierung nicht angegriffen fühlen musste.

Am Abend besuchte er das Flüchtlingslager "Aida". Benedikt nahm sich Zeit für die Bewohner, sprach mit muslimischen und christlichen Eltern, deren Söhne in israelischer Gefangenschaft sitzen. Er spendete 50 000 Euro für den Bau von Klassenzimmern. Und er sprach den Familien sein Mitleid aus, die durch Gefangenschaft und Mauern auseinandergerissen sind. "Seien Sie versichert, dass ich ständig für alle palästinensischen Flüchtlinge auf der ganzen Welt bete, besonders für diejenigen, die während des jüngsten Konflikts im Gaza-Streifen ihre Häuser und geliebten Menschen verloren haben." Ein bisschen mehr von dieser Emphase hätten sich die Israelis wohl auch von Benedikt gewünscht.

Die Mauer, die die Israelis um die Palästinensergebiete errichtet haben und die auch das Flüchtlingslager umschließt, nannte Benedikt ein Symbol für das Patt in den Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern. "Es ist tragisch, zu sehen, dass noch Mauern errichtet werden", sagte Benedikt. Auf beiden Seiten brauche es "Großmut, um nach Jahren des Kampfes Versöhnung zu finden". Natürlich hofft der Papst dabei auch auf äußeren Beistand. In Bethlehem sagte er: "Ich bete innig, dass der Gesang, den die Engel hier anstimmten, in Erfüllung gehe: Friede auf Erden, guter Wille unter den Menschen. Möge Gott mit Euch sein."

Benedikt im Gelobten Land

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