Die Kritik an der katholischen Kirche wird in England mit keifendem Eifer vorgetragen. Papst Benedikt tat gut daran, während seines Besuchs Demut zu zeigen. Fast unterwürfig verlangte er nur, gehört zu werden. Allein das war sensationell.
Selbstgerechtigkeit, Heuchelei, Scheinheiligkeit - es war zu erwarten, dass der Besuch Papst Benedikts in Großbritannien einige der schlechteren menschlichen Charakterzüge zum Vorschein bringen würde, wenn auch eher bei seinen säkularen Gegnern. Denn deren Kritik an diesem Pontifex lässt sich letztlich auf einen einzigen gleisnerischen Kernvorwurf reduzieren: Wie erdreistet sich dieser Mann, für seinen Glauben und für seine Kirche zu werben? Und: Für wen spricht er eigentlich?
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Die Kritik in Großbritannien an Papst Benedikt lässt letztlich auf einen einzigen gleisnerischen Kernvorwurf reduzieren: Wie erdreistet sich dieser Mann, für seinen Glauben und für seine Kirche zu werben? (© REUTERS)
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Nun, man muss nicht daran glauben, dass das Oberhaupt der Kirche von Rom Stellvertreter Gottes auf Erden ist und hier unten für ihn spricht. Unbestritten ist jedoch, dass der Papst mehr als eine Milliarde Gläubige repräsentiert, ein Fünftel der Menschheit. Und viele würden es ihm sehr wohl übelnehmen, wenn er sich nicht für sie und ihre tiefsten Überzeugungen einsetzen würde.
Es war klar, dass Benedikts Besuch in Britannien schwieriger sein würde als eine Visite in vielen anderen Ländern. Immerhin ist dies das Land, in dem antikatholische Sentiments Teil der nationalen Folklore geworden sind wie Tee mit Milch, Cricket und gerollte Regenschirme. Dies ist das Land, in dem ein Katholik noch immer weder Staatsoberhaupt noch Regierungschef werden darf, in dem es erwähnenswert ist, wenn der Chef der BBC katholisch ist, und in dem bei Fußballspielen nicht nur der Schiedsrichter oder der gegnerische Mittelstürmer geschmäht wird, sondern gern auch mal die Jungfrau Maria.
Doch abgesehen von einigen Fossilien aus dem politischen Paläolithikum wie dem nordirischen Pastor Ian Paisley gab es von protestantischer Seite keine nennenswerten Proteste. Gewiss: Das Werben Roms um konservative Anglikaner hat die Kirchenführung um den Erzbischof von Canterbury verstimmt. Doch die verbindenden Elemente beider Glaubensgemeinschaften überwiegen bei weitem das Trennende, ganz zu schweigen von der persönlichen Freundschaft, die den Anglikaner Rowan Williams mit Benedikt verbindet.
Kein Schisma spaltet die Denominationen; der Riss verläuft zwischen Gläubigen auf der einen und Säkularen auf der anderen Seite. Mitunter wird ihr Konflikt mit der lodernden Inbrunst eines geradezu mittelalterlichen Glaubenskampfes ausgetragen - wobei die vermeintlich aufgeklärte, rationale Seite es oft an Vernunft mangeln lässt. Ob es in Großbritannien mehr Säkulare gibt als in vergleichbaren Ländern, sei dahingestellt; sicher ist, dass laizistische Stimmen hier prominenter und vernehmbarer sind als anderswo. Angeführt werden sie von dem Oxforder Biologen und Bestsellerautor Richard Dawkins, der seinen Atheismus zuweilen mit einem fast schon päpstlich anmutenden Unfehlbarkeitsanspruch vorträgt. Sein Urteil über Papst und Kirche lässt sich knapp zusammenfassen: arrogant, intolerant und ignorant.
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Protest gegen dritte Startbahn
Ups, abgeschnitten...
Gleich noch eine Korrektur:
und zumindest EINE war atheistisch
Damit meine ich den Kommunismus/ Sozialismus. Über den Nationalsozialismus können wir gerne streiten, auch wenn ich das für wenig ergiebig halte. Eine atheistische Ideologie war der Nationalsozialismus jedenfalls nicht - wenn man "Mein Kampf" oder den "Mythus" von Rosenberg liest, dann wird einem das relativ schnell klar. Wieviel hiervon war Propagandageklingel? Was glaubten die Chef-Nazis privat? Schwer zu sagen..nach Quellenlage wohl sehr, sehr Unterschiedliches.
Ich weiß nur, dass mein gläubiger protestantischer Großvater väterlicherseits Parteimitglied der ersten Stunde war, während mein ungläubiger "linker" Urgroßvater mütterlicherseits seit 1933 Berufsverbot hatte. Dass es Christen im Widerstand ebenso gab wie unter den schlimmsten Tätern. Dass meine bis zu Ihrem Tode atheistische Schwieger-Oma im serbischen Widerstand kämpfte. Die Grausamkeiten des 20. Jahrhunderts zwischen Gläubigen und Ungläubigen aufzurechnen ist zutiefst absurd. Wichtig sind die komplexen Einflussfaktoren, die einzelne Personen dazu brachten, so zu handeln, wie sie es taten. Und in einem Falle mag der persönliche christliche Glauben den Ausschlag zum Widerstand gegeben haben, im anderen Falle zum Mittun. Und eine Sicht der Religion als "Gefahr" für den kommunistischen "Heilsplan" mag manchen kommunistischen Atheisten zur Verfolgung von Gläubigen bewogen haben - der bloße Nicht-Glaube hätte dies sicher nicht getan.
Wie schrieb ein Kommentator auf den Seiten des Guardian: Wenn der Papst den Säkularismus angreift sollte er bedenken, dass es ohne diesen in Großbritannien wohl keine Katholiken gäbe, die er besuchen könnte.
@Reibeisen
Zu den Anti-Papst-Demonstranten:
"Vielleicht wurden auch dort kluge, bedenkenswerte Worte geäußert...Möglich wäre es immerhin. Ich habe es leider nicht hören können, mir taten die Ohren weh."
Vielleicht versuchen Sie es noch einmal? Seien Sie versichert, beide Seiten zu hören schadet nicht.
Zum Papst:
"Ja, wie konnte ich nur die Hasstiraden vergessen? Vielleicht, weil es keine gab ?"
Ich gebe es Ihnen offen zu, Ratzinger ist persönlich kein Mann des Hasses und die meisten Katholiken die ich kenne ebenfalls nicht.
Aber seine Haltung, dass es "Gottlosigkeit" gewesen sei, die zu den großen Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts führte ist in subtiler Weise extrem abwertend gegenüber allen "Ungläubigen". Ja, es gab mörderische Ideologien, und zumindest war atheistisch (andere waren offen katholisch - wie manche Ausprägungen des Faschismus! Wer Stalin erinnert, sollte Franco nicht vergessen..). Aber nicht der Atheismus führte zu Gewalt und Mord - dies kann nur denken, wer meint, ohne Gottesglauben gäbe es keine Ethik. Gläubige wie Ungläubige sind anfällig für politische Ideologien - und kein Glauben hat Menschen je davon abgehalten, andere zu ermorden, zu foltern, zu diskriminieren... !
Jene Meinungen, die sich über Homosexuelle und Frauen, die in schlimmen Lebenslagen abgetrieben haben, bspw. bei kath.net oder, schlimmer noch, kreuz.net finden, können sich leider zumindest in Teilen auf den katholischen Katechismus berufen. Auch hier tun einem manchmal die Ohren weh..denn hier werden wirklich Hasstiraden geäußert - gegen Menschen, auch gegen Atheisten (denen man gerne Mal vorwirft "aus den Pforten der Hölle" zu kommen - und dies ist ernst gemeint!). Meine katholischen Freunde (darunter Schwule!) finden dies übrigens ebenso schlimm wie ich..
Die Redner auf der Anti-Papst-Demo jedoch haben, teils in sehr scharfen Tönen, aber nicht hasserfüllt, Meinungen, die Haltungen, die Politik der Kirche und des Papstes kritisiert, nicht Menschen in ihrem Menschsein angegriffen. Suchen sie bei youtube oder beim Guardian mal Compton, Goldenacre, Tattchel, Namazie, ja sogar die Rede von Dawkins (O-Töne: "We defend the equal human rights of everyone, including Catholics";"..they say we are anti-Catholic, that we are anti-Christian...We are here to stand up positively in support of equality and diversity"; (zum Kampf gegen die Scharia): "that´s not moral imperialism, that´s a moral imperative").
Klug und bed
Ja, wie konnte ich nur die Hasstiraden vergessen? Vielleicht, weil es keine gab ?
Grenzen jedoch, die müssen klar gesetzt werden. So wie bei Prof. Küng, der so gerne seine eigene Etikkirche gründen möchte, aber dann doch diesen Schritt nicht geht. Immer noch röm. katholisch ist, immer noch Priester ist, immer noch sehr erfolgreich Bücher schreibt und Vorträge hält. "Ketzer" und von "Rom verfolgt" , das klingt eben gut in manchen Ohren, verkaufsfördernd.
Nur eben als Theologieprofessor durfte er ,im Auftrag der Kirche, nicht mehr tätig sein. Er wurde nicht mit Hass verfolgt. Er wurde sogar von Benedikt XVI. in den Vatikan eingeladen zu einem freundlichen Gespräch unter alten Kollegen. Wo sehen Sie denn da Hass? Ich sehe mildes Verständnis für so einen Feuergeist, keinen Hass!
Missionieren möchte ich übrigens nicht. Ich möchte nur meine Meinung darlegen, so wie Sie auch und das in aller Freundlichkeit :)
"Diese leise, ruhige Stimme bringt den Menschen dazu, hinzuhören. Jedenfalls, wenn es auch nur ein wenig an den Worten des Redners interessiert ist. Wer so aufmerksam zuhört, hört besser und genauer hin. Und dann fallen die Worte des Redners auf fruchtbaren Boden."
Meinen SIe damit die Hasstriaden auf Homosexuelle, das Absägen seiner Glaubensbrüder Küng & Co.?
Und Schreie: DIe der Verbrannten? Außgestossenen? Der Millionen Menschen, die seit Jahrhunderten wegen Religionskriegen bluten mußten?
Lassen Sie doch endlich das Missionieren bleiben!
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