Für die Rede in Jad Vaschem erntet der Papst vom Zentralrat der Juden Kritik: Charlotte Knobloch vemisst "deutliche Worte". Doch aus Israel kommen auch positive Reaktionen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisiert Papst Benedikt XVI. wegen seiner Rede an der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel. Der Papst habe mit seinem Aufruf zum Kampf gegen Antisemitismus zwar "ein positives Signal" in Richtung Judentum ausgesandt, sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, der Bild-Zeitung.

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Besuch in Israel: Papst Benedikt XVI. und Israels Präsident Shimon Peres. (© Foto: AP)

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Die Geste sei jedoch "halbherzig" angesichts der noch ausstehenden klaren Distanzierung des Vatikans von der antisemitischen Piusbruderschaft, die "jüdische Menschen als Gottesmörder" bezeichne.

Sie habe in Jad Vaschem "deutliche Worte vom Papst" erwartet, fuhr Knobloch fort. Weitere Konfliktpunkte wie die Karfreitagsfürbitte, die zur Judenmissionierung auffordere, seien ebenfalls "ausgespart" worden. "Es bleibt zu hoffen, dass diese Themen baldmöglichst klargestellt werden", sagte Knobloch.

Der Vatikan hatte Anfang des Jahres mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen, zu denen auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson gehört, für Empörung gesorgt und das Verhältnis zu Israel schwer belastet.

In den ARD-Tagesthemen am Montagabend sagte Knobloch: "Es ist ein Graben zwischen den Juden und dem Vatikan." Sie forderte den Papst auf, die Archive des Vatikans zu öffnen, damit das Verhältnis von Papst Pius XII. in der Nazizeit zu den Juden geklärt werden könne.

Nötig ist aus ihrer Sicht zudem eine generelle Entschuldigung für die Verfolgung der Juden auch durch die katholische Kirche in früheren Jahrhunderten.

Untererwartete Rückendeckung

Unterdessen erhält der Papst aus Israel unerwartete Unterstützung: Der Vorsitzende des israelischen Holocaust-Dachverbands, Noach Flug, nahm Papst Benedikt XVI. vor Kritik in Schutz. Flug sagte dem israelischen Online-Dienst ynet, er verstehe die Vorwürfe gegen den deutschen Papst nicht.

"Er ist nicht Präsident einer zionistischen Organisation", sagte Flug, der auch Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees ist. Daher könne man auch nicht erwarten, dass er wie ein Rabbiner spreche. "Er ist hergekommen, um eine Annäherung zwischen der Kirche und dem Judentum zu bewirken und daher ist sein Besuch als positiv und wichtig einzustufen."

In Israel war bereits am ersten Besuchstag Kritik aufgekommen. In der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem ging der Papst - anders als von vielen Juden erhofft - nicht auf die Rolle der Kirche während der Judenvernichtung zur NS-Zeit ein.

Benedikt hatte sich gleichwohl mit klaren Worten gegen das Leugnen, Verharmlosen oder Vergessen des Holocausts gewandt und das tiefe Mitleid der katholischen Kirche mit den Opfern des Holocausts ausgedrückt. Der Vorsitzende des Jad-Vaschem-Rates und Holocaust-Überlebende, Israel Meir Lau, kritisierte die Rede Benedikts. Es hätten Mitgefühl, jegliches Bedauern und jeglicher Schmerz angesichts der Tragödie der sechs Millionen Opfer gefehlt, sagte der Oberrabbiner von Tel Aviv.

Der Besuch in Jad Vaschem zählte von Anfang an zu den heiklen Momenten der einwöchigen Reise ins Heilige Land. Ein für Israel bislang einmaliges Aufgebot von 80.000 Polizisten und Sicherheitskräften soll das Kirchenoberhaupt in den fünf Tagen seines Besuchs schützen. Zuletzt hatte Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. Israel im März 2000 besucht.

Zwischenfall in Jerusalem

Am Abend kam es während eines interreligiösen Dialogs in Jerusalem zu einem Zwischenfall. Obwohl er nicht auf der Rednerliste stand, ergriff Scheich Taisir Tamimi das Mikrofon und forderte Muslime wie Christen dazu auf, gemeinsam gegen Israel zu arbeiten.

Der Vorsitzende der palästinensischen Religionsgerichte warf Israel vor, die Palästinensergebiete in ein riesiges Gefängnis verwandelt zu haben. Er forderte Benedikt auf, "diese Verbrechen" zu verurteilen und Druck auf die israelische Regierung auszuüben.

Ein Sprecher des Vatikans wies die Äußerungen des Scheichs zurück. Diese stünden der Idee eines Dialogs diametral entgegen. "Wir hoffen, dass dieser Zwischenfall der Reise des Heiligen Vaters, die Frieden und interreligiösen Dialog fördern soll, keinen Schaden zufügt", sagte er.

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(Reuters/dpa/gdo/ihe)