Nach der Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadžić sind Hunderte seiner Anhänger in Belgrad auf die Straße gegangen - und warfen mit Fackeln, Flaschen und Stühlen.

Nach der Verhaftung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadžić haben seine Sympathisanten am Dienstagabend in der serbischen Hauptstadt Belgrad für Unruhe gesorgt.

Gewaltsame Proteste in Belgrad; dpa

Die Polizei drängt die Anhänger Karadžic im Zentrum Belgrads zurück. (© Foto: dpa)

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Etwa 250 meist junge Demonstranten versammelten sich trotz Verbots am Platz der Republik in der Innenstadt und griffen die Polizei mit Fackeln, Flaschen und Stühlen aus nahen Restaurants an. Einige Randalierer wurden dabei festgenommen.

Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Gräueltaten während des Bosnien-Kriegs angeklagte Karadžić war am Montagabend nach zwölfjähriger Flucht festgenommen worden. Ein serbischer Richter ordnete seine Überstellung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag an. Dort soll dem 63-Jährigen wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Prozess gemacht werden. Am schwersten wiegen dabei die Belagerung von Sarajevo und das Massaker von Srebrenica. Nach der Eroberung der UN-Schutzzone hatten im Juli 1995 bosnisch-serbische Soldaten fast 8000 Muslime ermordet.

Karadžić hatte sich nach Darstellung der serbischen Behörden fast perfekt getarnt. Mit seinem Vollbart, der Brille und den schulterlangen weißen Haaren sei er kaum zu erkennen gewesen. Die Zeitung Danas berichtete, Karadžić habe in seinem Wohnviertel in Neu-Belgrad oft in einem Café unter einem seiner alten Porträt-Fotos gesessen, ohne erkannt zu werden. Der frühere bosnische Serbenführer habe bis zuletzt unter dem Namen Dragan Dabic in einer privaten Arztpraxis in Belgrad gearbeitet und sich dort mit "alternativer Medizin" befasst.

Die Europäische Union begrüßte die Verhaftung von Karadžić, die Serbien etwas näher an die EU rückt. Die Außenminister der 27 EU-Staaten ließen bei einem Treffen am Dienstag in Brüssel jedoch offen, wann ein Abkommen über engere Zusammenarbeit offiziell in Kraft gesetzt wird. Die Außenminister forderten auch, Serbien dürfe bei der Suche nach anderen mutmaßlichen Kriegsverbrechern nicht nachlassen.

"Eine Festnahme genügt nicht", sagte der französische Außenminister und derzeitige Vorsitzende des EU-Ministerrates, Bernard Kouchner, nach den Beratungen. Er bezog sich auf Ex-Serbengeneral Ratko Mladic und den früheren kroatischen Serbenführer Goran Hadzic.

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(dpa/cag)