Belgien Sechs Festnahmen im Zusammenhang mit den Anschlägen

Sicherheitskräfte patrouillieren am 22.03.2016 in Brüssel vor der Metrostation Maelbeek.

(Foto: dpa)
  • Belgische Sicherheitskräfte haben am Donnerstagabend sechs Menschen im Zusammenhang mit dem Terror-Anschlag festgenommen.
  • Die Staatsanwaltschaft will sich am Freitag äußern.
  • Nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehren sich die Hinweise auf Verbindungen zwischen Anschlägen in Paris und Brüssel.

Im Zusammenhang mit den Anschlägen in Brüssel sind am Donnerstagabend im Stadtteil Schaarbeek sechs Menschen festgenommen worden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. Bei den Anschlägen waren am Dienstag mindestens 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden.

Im Laufe des Freitags solle entschieden werden, ob gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen werde. Erst dann will sich die Staatsanwaltschaft äußern. Über die Identität der Festgenommenen wurde zunächst nichts bekannt.

Die Polizeiaktionen betrafen die Brüsseler Innenstadt und die Gemeinden Schaerbeek und Jette. Wie die Nachrichtenagentur Belga berichtet, waren Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei im Einsatz. Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren.

Bei einer früheren Durchsuchung im Bezirk Schaerbeek hatte die Polizei nach den Anschlägen vom Dienstag mit mindestens 31 Toten in einer Wohnung eine Bombenwerkstatt gefunden. Dort sollen Terrorverdächtige Sprengsätze gebaut haben.

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Hinweise auf Verbindungen zwischen Anschlägen in Paris und Brüssel

Unterdessen mehren sich die Hinweise auf enge Verbindungen zwischen den Attentätern von Paris und Brüssel. Die belgischen Ermittler hätten bereits im Dezember einen internationalen Haftbefehl zur Fahndung nach Khalid El Bakraoui ausgestellt, der den Selbstmordanschlag in der Brüsseler Metro verübt haben soll, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 27-Jährige stehe im Verdacht, unter falschem Namen eine Wohnung in Charleroi für die Attentäter von Paris gemietet zu haben.

Regierungschef lehnt Rücktrittsangebote ab

Nach den Terrorattacken von Brüssel hatten der Innen- und der Justizminister Belgiens am Donnerstag ihren Rücktritt angeboten. Hintergrund sind Fragen, warum die Regierung die tödlichen Anschläge vom Dienstag trotz Hinweisen auf eine Bedrohung nicht verhindern konnte. Regierungschef Charles Michel bat seine Minister Jan Jambon und Koen Geens aber, im Amt zu bleiben.

Innenminister Jambon sagte nach einer Kabinettssitzung: "Wenn man alle Dinge in eine Reihe legt, kann man sich große Fragen stellen", wie die Regierung mit der Bedrohung durch islamistische Extremisten umgegangen sei.

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Details zur Wiedereinreise El Brakouis

Der niederländische Justizminister Ard van der Steur teilte am Donnerstagabend mit, einer der Attentäter, Ibrahim El Bakraoui, sei am 14. Juli 2015 von der Türkei ausgewiesen und per Flugzeug nach Amsterdam gebracht worden. Da er zu diesem Zeitpunkt nicht in den Datenbanken der niederländischen und internationalen Ermittler registriert gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, ihn festzunehmen.

El Bakraoui war im Juni an der syrisch-tärkischen Grenze aufgegriffen worden. Laut Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Türkei damals davor, dass es sich bei ihm um einen "terroristischen Kämpfer" handele.

Am Dienstag war die Abflughalle des Flughafens Brüssel-Zaventem durch zwei Explosionen erschüttert worden, die von Selbstmordattentätern ausgelöst wurden. Etwa eine Stunde später zündete ein weiterer Selbstmordattentäter einen Sprengsatz in einer U-Bahn-Station im Europaviertel.