Belgien Offenbar Anschlag in Brüssel vereitelt

  • Am Dienstagabend gab es im Brüsseler Zentralbahnhof offenbar eine Explosion.
  • Ein Verdächtiger, der Sprengstoff bei sich getragen haben soll, wurde von einem Soldaten ausgeschaltet.
  • Die belgische Staatsanwaltschaft geht von einem Terrorangriff aus. Dem Bahnhofsmanager zufolge murmelte der Mann "Allahu akbar".
Von Thomas Kirchner, Brüssel

In Brüssel ist am Dienstagabend offenbar ein Terroranschlag verhindert worden. Im Zentralbahnhof tötete ein Soldat nach Angaben der belgischen Polizei einen Verdächtigen. Es habe eine kleine Explosion in der Nähe der angeschossenen Person gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft stufte den Vorfall als terroristischen Angriff ein.

Weil Spezialisten eines Bombenräumkommandos den angeschossenen Mann zunächst auf mögliche Sprengsätze an seinem Körper untersuchten, konnten Ärzte den angeschossenen Angreifer nicht sofort behandeln. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden jedoch keine weiteren Sprengladungen gefunden.

Mutmaßlicher Angreifer murmelte offenbar "Allahu akbar"

In sozialen Medien war ein Bild zu sehen, das einen Feuerblitz in der unterirdischen Bahnhofshalle zeigte. Augenzeugen, die in der Nähe standen, berichteten von einer eher kleinen Explosion. Weil am Körper des Mannes Kabel zu sehen waren, wurden Sprengstoff-Experten hinzugezogen. Wie die Polizei bestätigte, hatte der Mann "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen, bevor auf ihn geschossen wurde. Allerdings berichtete der Bahnhofsmanager Jean Michel, der unmittelbar daneben stand, der Nachrichtenagentur dpa, der etwa 30-Jährige habe dies eher gemurmelt.

Belgischen Medienberichten zufolge wurde das Gebiet um den Bahnhof Gare Central und den nahe gelegenen Grand Place in der Brüsseler Altstadt teilweise geräumt. Zunächst wurde nur der Zugverkehr im Zentralbahnhof eingestellt, der regionale Verbindungen bedient. Dabei entstand eine Panik, die sich bis auf die nahe gelegene Grand Place fortsetzte, die Hauptsehenswürdigkeit in der Brüsseler Innenstadt. Viele Menschen rannten in Restaurants und andere Gebäude. Später sperrten die Behörden auch die beiden großen Bahnhöfe im Norden und Süden der Stadt komplett.

Soldaten patrouillierten durch die Stadt

Der belgische Ministerpräsident Charles Michel kündigte für den Mittwochvormittag eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an. Die Terrorwarnstufe im Land wurde zunächst aber nicht auf das höchste Niveau angehoben. Dies solle nur dann geschehen, wenn es Hinweise geben sollte, dass es ein weiterer Terroranschlag unmittelbar bevorsteht, hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen sei dies nicht der Fall.

Im März 2016 verübten islamische Extremisten, die Verbindungen zu der Pariser Gruppe hatten, zwei Bombenanschläge am Flughafen von Brüssel sowie in einer Metrostation im Europaviertel. Dabei starben Dutzende Menschen. Am kommenden Donnerstag und Freitag findet in Brüssel der EU-Gipfel statt.

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