Belgien Brüssel sagt Silvesterfeuerwerk ab

  • Saïd S. und Mohamed K. sollen Terroranschläge geplant haben, an Silvester werden sie dem Haftrichter vorgeführt.
  • S. ist der Gründer der Biker-Gang "Kamikaze-Klub", der Islamisten nahe stehen soll.
  • Ob die Terrorgefahr für Silvester nun gebannt ist, bleibt unklar.
Von Alexander Mühlauer, Brüssel

An diesem letzten Tag im Jahr müssen Saïd S. und Mohamed K. vor dem Haftrichter erscheinen. Sie sollen Stellung nehmen zu den Taten, die ihnen die Ermittler vorwerfen. Die beiden Verdächtigen sollen Terroranschläge geplant haben, in der Silvesternacht, mitten in Brüssel. Es liegt nun am Richter zu entscheiden, ob die jungen Männer für einen Monat in Polizeigewahrsam bleiben. Oder ob sie, wie bereits vier andere Festgenommene, freigelassen werden.

Dem belgischen Rundfunk zufolge sollen beide Verdächtige aus der Brüsseler Stadtgemeinde Anderlecht kommen. Saïd S., 30 Jahre alt, gilt als Drahtzieher der geplanten Anschläge. Er ist der Gründer des Brüsseler Motorradfahrer-Klubs "Kamikaze Riders", der immer wieder mit belgischen Islamisten in Verbindung gebracht wurde. Ansonsten sind die Kamikaze-Mitglieder in der Hauptstadt vor allem für ihre waghalsigen Motorrad-Aktionen auf öffentlichen Straßen bekannt. Mit Klub-Kollegen hat Saïd S. in den Jahren 2008 und 2009 mehrere Raubüberfälle auf Bistrots und Restaurants begangen. Der Polizei ist er außerdem als radikaler Prediger aufgefallen. Es gibt offenbar Hinweise, dass Saïd S. mit der islamistischen Organisation Sharia4Belgium sympathisiert haben soll.

Der andere Verdächtige, Mohamed K., 27 Jahre alt, ließ am Mittwoch über seinen Anwalt verlauten, dass er jedwede Absicht, einen Anschlag in Brüssel zu verüben, abstreite. Auch er war Mitglied bei den "Kamikaze Riders". Der Anwalt sagte zwar, dass sein Mandant in keiner Weise radikalisiert sei.

Ob die Gefahr von Anschlägen in der Silvesternacht gebannt ist, blieb zunächst unklar

Die Facebook-Seite von Mohamed K. lässt allerdings daran zweifeln. Sie zeigt ein Bild von Osama bin Laden sowie das Foto eines Straßenschilds mit dem Namen der syrischen Provinz Deir Ezzor, wo die Terrormiliz des Islamischen Staats (IS) kämpft. K. war in seiner Wohnung festgenommen worden. Bei ihm fand die Polizei IS-Propaganda-Material, Militärkleidung und Ausrüstungsgegenstände für das Kampfspiel Airsoft. Dabei treten Spieler mit nachgemachten Waffen und Plastik- oder Farbkugeln gegeneinander an. Weder bei Saïd S. noch bei Mohamed K. fanden die Ermittler Waffen oder Sprengstoff.

Ludovic A., ein langjähriges Mitglied der "Kamikaze Riders", bedauerte, dass manche Medien den Namen des Motorrad-Klubs in den Schmutz ziehen würden. Dieser sei keine Bande und keine Terrorgruppe, sondern eine Familie, die die Leidenschaft für Motorräder teile. "Ich kenne Mohamed und Saïd seit Jahren und bin von ihrer Festnahme überrascht", sagte A. Beide seien sicherlich fest in ihrer Religion verwurzelt, aber sie seien nie durch extremistische Gesten oder Worte aufgefallen. "Ich war nie Zeuge islamistischer Propaganda", sagte das Kamikaze-Mitglied.

In jedem Fall wird es in Brüssel intensive Kontrollen geben

Ob die Gefahr von Anschlägen in der Brüsseler Silvesternacht gebannt ist, blieb unklar. Die Stadtverwaltung entschied sich am Mittwochabend nach langer Debatte dafür, das Silvester-Feuerwerk in der Innenstadt und andere öffentliche Feierlichkeiten zum Jahreswechsel abzusagen. Nach Ansicht der belgischen Behörden haben die Ergebnisse der jüngsten Polizeieinsätze gezeigt, wie ernsthaft die Gefahr von Anschlägen auf Polizisten, Soldaten und berühmte Orte in Brüssel sei. Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur sagte: "Es ist besser, wenn wir keine Risiken eingehen." Premierminister Charles Michel sagte die "unsichere Situation" rechtfertige die Absage der Feiern.