Verdient es der verstorbene Präsident, in einer Reihe mit den Größten der polnischen Geschichte zu stehen? Eine Kontroverse spaltet Polen - Schuld ist die Kirche.
Das Flugzeugunglück, bei dem der polnische Staatspräsident Lech Kaczynski an der Spitze einer Delegation wichtiger Politiker und höchster Militärs umgekommen ist, schien in den letzten Tagen die ganze Nation in Trauer zu einen.
Drei Tage nach dem verheerenden Flugzeugabsturz spaltet eine Kontroverse um den angemessenen Begräbnisort Polen. In der Franciscanska-Straße in Warschau demonstrieren Anhänger des verstorbenen Präsidenten. Mehrere hundert Menschen demonstrierten allerdings ebenfalls in Warschau dagegen, den zu Lebzeiten durchaus umstrittenen Staatschef im Dom der Wawel-Burg zu bestatten. (© Foto: AP)
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Die überwältigende Mehrheit seiner Landsleute sah es Kaczynski nach, dass er als Präsident oft ungeschickt gehandelt hatte und auch bei den europäischen Nachbarn nicht gut angesehen war. Denn der Tod hatte ihn auf dem Weg nach Katyn ereilt, dem Ort polnischen Martyriums, wo im Zweiten Weltkrieg Tausende ermordet worden waren.
Doch schon drei Tage später spaltet die Kontroverse um den angemessenen Begräbnisort das Land. Der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz, einst Privatsekretär des polnischen Papstes, ist offenbar ohne Absprache vorgeprescht und hat die Wawel-Kathedrale als letzte Ruhestätte bestimmt. Dort liegen die größten Könige sowie die bedeutendsten Freiheitskämpfer des Landes begraben.
Die Regierung befindet sich in einem Dilemma. Sie wird einerseits von den Gegnern Kaczynskis gestellt, andererseits würden ihr Einwände gegen den Wawel als Mangel an Patriotismus angekreidet.
Doch auch Intellektuelle und Künstler, allen voran der Regisseur des Katyn-Films, Andrzej Wajda, sind strikt dagegen, den als Präsidenten glücklos agierenden Kaczynski in eine Reihe mit den Größten der polnischen Geschichte zu stellen.
Dies würde die Leistung aller anderen schmälern, die in der Wawel-Krypta ruhen. So spricht nun alles dafür, dass ausgerechnet ein Kardinal, der nach eigenen Worten die "Erziehung zum Patriotismus" als Aufgabe der Kirche sieht, in der Woche der großen Trauer Unfrieden unter den Polen gesät hat.
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(SZ vom 15.04.2010/woja)
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liebe süddeutsche, allmählich wird's langweilig ... wir haben's kapiert: die kirche ist der sündenbock und für jedwede größere und kleinere verfehlung zur Rechenschaft zu ziehen. Es stimmt: Die Beisetzung des Ehepaares Kaczynski auf dem Wawel ist irritierend und die Hochstilisierung des umstrittenen Präsidenten zum nationalen Volkshelden unangemessen. Richtig ist, dass Kard. Dziwisz die letzte Entscheidungsbefugnis hatte, aber es wäre falsch, allein Kard. Dziwisz den Miesepeter zuzuschieben. Wer die gestrige polnische Berichterstattung verfolgt hat, dem sollte nicht entgangen sein, dass sich Dziwisz zunächst zurückhaltend über den Vorschlag geäußert hat. Während sämtliche politische Vertreter Krakaus und der Wojewodschaft bereits am frühen Nachmittag die triumphale Beisetzung des verunglückten Präsidenten verkündigt hatten, ließ Dziwisz verlauten, man habe über dieses Ansinnen noch ernsthafte Diskussionen zu führen. Am Abend ließ die polnische Presse verlauten, der Vorschlag, den Präsidenten auf dem Wawel beizusetzen, sei zuallerst die Idee der Familie Kaczynski und einiger besonders präsidententreuer PiS-Mitglieder gewesen. Fatal an dieser Entscheidung ist also nicht so sehr die Rolle der Kirche, sondern der Umstand, dass der Wawel und auch der Tod des Präsidenten parteipolitisch missbraucht werden. Die Zeit der Trauer und des berechtigten Mitgefühls für die Familie Kaczynski hat dazu geführt, dass sich weder die politische noch die kirchliche Führung traut, eine distanzierte Haltung zum Präsidenten einzunehmen und diesen Wunsch der Familie öffentlich in Frage zu stellen. Allein diese Haltung ist Kard. Dziwisz vorzuwerfen, der übrigens in den Regierungsjahren der PiS eine sehr zurückhaltende Rolle gegenüber deren parteipolitischen Verbandelung mit der Kirche eingenommen hat. Alles in allem sollte man dem Aufruf sämtlicher polnischer Presseorganen (darunter auch dem der linksliberalen Gazeta Wyborcza) folgen und derartige Diskussionen bis zum Ende der Staatstrauer ruhen lassen.
an der Seite von polnischen Königen verloren? Es ist bis dato
nicht geklärt, warum sein Flugzeug solange gegen Landewarnungen verstossen hat, bis es abgestürzt ist. Sollte dies
auf Druck des Präsidenten geschehen sein, hätte dieser 95 Menschen auf dem Gewissen. Solange das alles nicht geklärt ist,
Ball flachhalten und lieber auf Familienfriedhof als auf Königsgräber bestatten.
Bei viermaligen Landeversuch des Präsidentenflugzeuges, sollte erst mal geklärt werden, ob Lech Kaczynski Mitschuld an dem tragischen Ereignis hat. Sonst bleibt es wieder am Piloten hängen oder wird vertuscht.
So tragisch dieser Flugzeugabsturz auch war - mit allen Konsequenzen für das polnische Volk: Außer Präsident Kaczynski und seiner im Volk beliebten Frau starben viele andere wichtige Träger von Staatsämtern, deren bisher nur pauschal gedacht wird, während der durchaus umstrittene Staatspräsident nun plötzlich wie ein Heiliger hochstilisiert wird.
Ihn nun mit den historisch Größten der polnischen Nation gleichzustellen, indem man ihn neben Polens Königen bestattet,
kommt mir vor wie ein makabrer Treppenwitz. Die katholische Kirche Polens, die immer noch viel zu viel Einfluss auf den Staat hat, ist hier weit übers Ziel hinausgeschossen.
Man möchte wohl dem überlebenden Zwillingsbruder ein warmes Staatsbett bereit halten...
Um Schauspielern zu höchster Entfaltung zu verhelfen, fragt Eric Morris standardmäßig "How do feel?" = "Wie fühlst du dich?". Der Erfolg gibt ihm und seinen Schülern Recht.
Politiker wecken und pflegen Emotionen, nicht nur vor Wahlen. Die Fakten werden vergessen, die Gefühle bleiben unauslöschlich erhalten. Sie erzeugen sogar den Kadavergehorsam von Soldaten und die unsinnige Loyalität von Parteigenossen durch sämtliche Sümpfe voller Lügen, Täuschung und Korruptionen bei voller Ausbeutung des Steuerzahlers und dem umfassenden Machtmißbrauch an Soldaten und Polizisten durch Regierungen und Mandatsträger.
Wer also als Politiker dauerhaft durchschlagenden Erfolg haben will, muß kein Bilderberger sein. Es genügt, Schauspielunterricht bei Eric Morris zu nehmen und das Gelernte anzuwenden. Bestes aktuelles Beispiel ist Arnold Schwarzenegger, der Gouverneur von Kalifornien, der fünftgrößten Volkswirtschaft. Er schrieb das Vorwort des Buches von Eric Morris "The Diary of a Professional Experiencer".
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