Bedrohung durch Krieger-Islam Was fehlt: ein Staat

Ägyptens Muslimbrüder mögen keine Demokraten sein. Aber sie folgen einer politischen Logik, erwägen Argumente. Isis will und kann das nicht. Das Kalifat muss erkämpft werden, heute. Je mehr Blut, desto besser.

Der Feind wird "geschlachtet": Nicht nur westliche Ungläubige oder die korrupten Vertreter arabischer Regime, nein, gewöhnliche Muslime kann es treffen, die ketzerischen Schiiten oder verweltlicht-moderate Sunniten. Die Kalifats-Kämpfer ermorden Schiiten aus Überzeugung, schießen auf weniger radikale Gotteskrieger, verjagen Christen: Ihr Pseudo-Islam lebt von Gewalt, grenzt sich ab wie eine Sekte.

Experten mögen darüber streiten, ob der "Islamische Staat" al-Qaida den Rang abläuft als globaler Terrormotor oder ob das krude Kalifat zusammenbrechen wird, weil die Sunniten-Stämme im Irak sich gegen sein drakonisches Regime erheben. Doch das ist nicht entscheidend. Ibrahim kann Kalifat spielen, weil kein echter Staat mehr da ist im Irak.

Dschihad-Phänomen bedroht Deutschland

Ein Stammeskrieg kostet bestenfalls den Kalifen den Kopf. Er bringt aber den Staat nicht zurück. In den Freiraum stoßen andere Kräfte. Auch al-Qaida, aufgestellt von Asien bis Nordafrika, hat sich längst als fast unzerstörbar erwiesen. Das Terror-Netzwerk führt Krieg in Pakistan, Saudi-Arabien oder Algerien, weil dort der Staat nicht dem Bürger dient, sondern Futtertrog korrupter Politiker, Könige, Generale und Landbesitzer bleibt.

Das Dschihad-Phänomen bedroht auch die nicht-islamische Welt. Nicht, weil der geistig im Mittelalter feststeckende Kalif kläfft, er werde "Rom erobern". Als ob die Kirche eine Rolle spielte im 21. Jahrhundert. Gefährlich ist er, weil Muslime aus Deutschland und Frankreich in wachsender Zahl in Ibrahims Heiligen Krieg ziehen.

Sie kehren zurück, im Kopf die Al-Qaida-Ideologie und das Isis-Kriegskino: Wer das Schlachten gesehen hat, vergisst es nicht. Einige werden sich dem Terror in Europa widmen. Andere könnten denen geistige Heimat bieten, die keine haben: jungen Muslimen, die sich als Auswuchs einer falsch aufgezäumten Integrationspolitik gegen die Gesellschaften ihrer neuen Heimat stellen. Dann landet der Dschihad im sozialen Brennpunkt.