Kurz bevor Bundesinnenminister Schäuble die erste Islam-Konferenz in Deutschland eröffnet, hat sein bayerischer Amtskollege die Muslime aufgerufen, den Islamismus zu bekämpfen.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) forderte von den Muslimen in Deutschland einen aktiven Beitrag zur Bekämpfung des Terrorismus. Muslime sollten die Polizei bei Ermittlungen gegen islamistische Aktivitäten unterstützen, sagte er der Financial Times Deutschland. Beckstein forderte die heute beginnende Islam-Konferenz auf, einen entsprechenden Aufruf zu publizieren und auch in die Gemeinden zu tragen.

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Der Minister zeigte sich enttäuscht, dass die Behörden in der Vergangenheit "praktisch keine Hinweise über Islamisten" aus der muslimischen Gemeinschaft selbst bekommen hätten. Das müsse besser werden, auch im Interesse der Muslime.

Es müsse dazu kommen, dass Muslime, die für Selbstmordanschläge einträten, nicht als Kämpfer für den Islam, sondern als Kriminelle angesehen würden. "Wir müssen das Milieu austrocknen, in dem sich Fanatiker geborgen fühlen können", sagte Beckstein. Zugleich verlangte der Minister aber auch von den Nichtmuslimen in Deutschland eine größere Bereitschaft zum Dialog der Religionen.

Am Auftakt der Islam-Konferenz im Berliner Schloss Charlottenburg nehmen jeweils 15 Vertreter des deutschen Staates und der in Deutschland lebenden Muslime teil. Die Zusammensetzung des Gremiums wurde bereits im Vorfeld von den Verbänden kritisiert, weil sie nicht die Selbstorganisation der Muslime berücksichtige.

Diese Kritik könne sie nicht nachvollziehen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Neuen Presse aus Hannover. Der Konferenz sieht die Regierungschefin "mit Spannung" entgegen.

Konferenz überschattet von "Idomeneo"-Absetzung

Die Konferenz ist als langfristiger Verhandlungs- und Kommunikationsprozess angelegt, der zwei bis drei Jahre dauern soll. Ziel soll sein, "das Verhältnis zwischen der nichtmuslimischen deutschen Mehrheitsgesellschaft und den hier lebenden Muslimen auf eine tragfähige Grundlage zu stellen".

Dazu sollen Themen wie Islamunterricht, Moscheebau oder Gleichberechtigung von Frauen in Arbeitsgruppen behandelt werden und halbjährlich von der Konferenz evaluiert werden.

Überschattet wird die Konferenz von den heftigen Reaktionen, die die Absetzung einer Mozart-Oper in Berlin aus Angst vor islamistischen Anschlägen ausgelöst hat.

Die Deutsche Oper nahm die für den 5. November geplante Wiederaufnahme von "Idomeneo" in der Inszenierung von Hans Neuenfels aus dem Spielplan. Der für einen Hang zur Provokation bekannte Regisseur lässt in der Inszenierung König Idomeneo die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed präsentieren. Die Inszenierung und ihre Absetzung sollen auf der Konferenz zur Sprache kommen.

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(dpa/AP/AFP)