Von Annette Ramelsberger

Der designierte bayerische Ministerpräsident Beckstein kündigt an, dass die CSU den Kompromiss zum Bleiberecht platzen lassen will - was eine schmerzhafte Niederlage für Bundesinnenminister Schäuble wäre.

Die CSU will den zwischen SPD und Union mühselig ausgehandelten Kompromiss über ein Bleiberecht für langjährig in Deutschland geduldete Ausländer bei der Koalitionsrunde an diesem Montag platzen lassen. "Dieses Thema kann eine entscheidende Bedeutung dafür erlangen, ob die CSU in Bayern die absolute Mehrheit verteidigen kann", sagte der bayerische Innenminister Günther Beckstein der Süddeutschen Zeitung. "Mit der CSU ist eine solch weitgehende Zuwanderungsregelung wie sie in Berlin vereinbart wurde nicht machbar."

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In Sachen Bleiberecht unterschiedlicher Meinung: Bayerns Innenminister Beckstein (li.) und sein Amtskollege im Bund, Schäuble (© Foto: ddp)

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Offensichtlich will die CSU am Thema Bleiberecht beweisen, dass sie trotz des parteiinternen Führungsstreits handlungsfähig ist und auch nach der Rückzugsankündigung von Ministerpräsident und CSU-Chef Edmund Stoiber keine Nachgiebigkeit in der Ausländerpolitik zu erwarten ist. "Bei uns zieht auch nach Stoiber nicht die neue Milde ein", sagte Beckstein.

Bei diesem Thema spüre er eine "tiefe innere Übereinstimmung" mit dem amtierenden Ministerpräsidenten. Gleichzeitig aber machte der designierte Nachfolger Stoibers deutlich, dass er in Zukunft seine Politik nicht allein an den Vorgaben Stoibers ausrichten werde. "Mir wird oft gesagt, ich sei nur ein Mann des Übergangs. Aber in der Demokratie ist jeder Übergang, und wer meint, er sei kein Übergang, also unersetzbar, hat ein Problem."

Am Montag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Stoiber, SPD-Chef Kurt Beck und Vizekanzler Franz Müntefering, um die Finanzierung der Familienpolitik und die Frage der Mindestlöhne zu klären. Aber auch die Hängepartie beim Ausländerrecht soll beendet werden. Da im Koalitionsausschuss das Einstimmigkeitsprinzip gilt, kann die CSU eine Einigung blockieren.

"Giftiges" Klima beim Ministertreffen

Ein Scheitern des Bleiberechts-Kompromisses wäre auch die erste große politische Niederlage für Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der sich ausdrücklich für eine liberalere Lösung ausgesprochen hatte. Ihm warf Beckstein vor, die Länder mit der Verkündung einer Einigungen auf Bundesebene überrumpelt zu haben.

"Schäuble ist sonst um ausgezeichnete Beziehungen zu den Ländern bemüht. Aber in dieser Sache hat die Zusammenarbeit mit den Ländern nicht funktioniert", kritisierte Beckstein. Auch die CDU-geführten Länder Niedersachsen, Hessen und das Saarland stünden hier an der Seite Bayerns.

Bereits auf der Innenministerkonferenz in Nürnberg im November war aufgefallen, wie harsch die Länderminister mit Schäuble umgegangen waren. Auch eine Sonderkonferenz der Unions-Innenminister an Weiberfastnacht sei "giftig" abgelaufen, berichten Teilnehmer.

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