Warum der SPD-Chef Beck sich plötzlich heftig aufregt, wie Hans-Jochen Vogel für den demokratischen Sozialismus kämpft und Roland Koch beinahe Ludwig Erhard mit der SPD versöhnt.
Wer sagt, Wörter könnten tödlich sein wie Gewehrschüsse, der übertreibt möglicherweise ein wenig.
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Dass aber Wörter geeignet sind, die SPD wenige Wochen vor ihrem Programmparteitag in Hamburg in einen offen Flügelstreit zu führen, beweist gerade ein Buch, das Matthias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier am Montagabend in Berlin vorgestellt haben.
Das Buch - in Anlehnung an ein Zitat von Willy Brandt mit dem Titel "Auf der Höhe der Zeit" versehen, hat schon für Murren gesorgt, als Teile davon vorab in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Gestern aber haben die Kritiker nicht mehr an sich halten können.
Die Parteilinke Andrea Nahles, die auf dem Hamburger SPD-Parteitag Ende Oktober neben Steinbrück und Steinmeier zur dritten SPD-Vize gewählt werden soll, sprach den Herausgebern ab, mit ihren Positionen mehrheitsfähig zu sein. Juso-Chef Böhning warnte die "drei Herren sehr stark davor, jetzt neue Spaltungslinien innerhalb der SPD aufzumachen". Fehlte nur das Wörtchen "alten" zwischen "drei" und "Herren".
Parteichef Beck scheint das Genöle zunehmend auf die Nerven zu gehen. "So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten", zitierte ihn die Berliner Zeitung. Er habe "eine klare Vorstellung, wie die Sozialdemokratie ihre Aufgabe wahrzunehmen hat". Und das Buch sei ein wichtiger Beitrag zur Programmdebatte.
Vorsorgender Sozialstaat
In dem Buch geht es über weite Strecken um den Begriff "vorsorgender Sozialstaat". 50 Autoren haben die Herausgeber dafür in dem Werk versammelt. Platzeck erklärte den gut 300 Zuhörern im Foyer des Willy-Brandt-Hauses, was es damit auf sich hat.
Das Geld, sagt Platzeck, solle nicht mehr nur "hinten" ausgegeben werden, sondern vielmehr auch "vorne". Damit gar nicht so viele Menschen in die Situation kommen, "hinten" auf das Geld des Staates angewiesen zu sein.
Das mit dem Hinten und dem Vorne aber scheint in der Parteilinken nicht sonderlich gut anzukommen. Nahles Satz von den fehlenden Mehrheiten konterte Steinbrück mit dem Verweis auf wichtigere Mehrheiten. Die Mehrheitsfähigkeit in der SPD sei schon ziemlich wichtig. Die entscheidende Frage müsse aber erlaubt sein, ob denn auch die SPD mehrheitsfähig ist.
Einen Freund des vorsorgenden Sozialstaates jedenfalls haben Steinbrück und Co. in Roland Koch gefunden. Im Sinne Ludwig Erhards sei das zwar nicht die "Zielerreichung", aber doch etwas näher dran, sagte er vor zwei Dutzend Journalisten in einem Nebengebäude der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auch er hatte ein Buch vorzustellen. "Was würde Ludwig Erhard heute sagen?", heißt es.
Koch sehnt sich nach der Zeit zurück, da die Menschen noch glaubten: Wenn es der Wirtschaft gutgeht, gehe es auch ihnen gut. Der Herausgeber des Buches, Kurt Lauk, Chef des CDU-Wirtschaftsrates, zitierte Erhard mit dem Satz: "Der Markt an sich ist sozial. Er muss nicht sozial gemacht werden."
"Der demokratische Sozialismus erfüllt sich in der sozialen Demokratie"
Wahren Sozialdemokraten dürften sich da die Nackenhaare sträuben. Wohl auch Hans-Jochen Vogel, der gestern das Buch seiner drei Parteifreude vorzustellen hatte. Mit erstaunlich linken Positionen übrigens. Der Markt, sagte er im Willy-Brandt-Haus, sei ein wichtiges Instrument. Aber eben nur ein Instrument. Mehr nicht.
Ansonsten sei das Buch "ganz brauchbar", sagte er. Zumindest das, was er gelesen habe. Viel war das nicht. Für die Überschriften hat es gereicht - einige davon gefielen ihm ganz gut - und für den gemeinsamen Text der Herausgeber.
Vogel hatte offenbar wenig Lust, sich lange mit dem Buch aufzuhalten. Das Werk soll ja die Programmdebatte in der SPD anregen. Vogel bemängelte an dem Programmentwurf, dass der Begriff "demokratischer Sozialismus" nicht mehr auftauche.
Steinmeier war es, der antwortete. Der neue Begriff "soziale Demokratie" sei einfach "näher an den Menschen". Die SPD-Traditionen würden nicht verraten, wenn das Wort Sozialismus nicht mehr im Programm auftauche.
Vogel sieht das anders: Man könne einen 140 Jahre alten Begriff nicht einfach wegwerfen und hat gleich einen Formulierungsvorschlag mitgebracht: "Der demokratische Sozialismus erfüllt sich in der sozialen Demokratie". Platzeck versprach am Ende, den Satz in einem Antrag für den Parteitag aufzunehmen. So leicht legen Sozialdemokraten zuweilen Meinungsverschiedenheiten bei.
Vogel mahnte noch an, sich öfter die Frage zu stellen: "Was hätte Willy Brandt heute gesagt?" Womöglich hat Vogel einen ganz guten Titel für ein Buch zur nächsten Programmdebatte gefunden.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(sueddeutsche.de)
Stockender Kita-Ausbau
@Solitaire 100:Wir sind uns durchaus einig.Mein "zu Ende gedacht" hiess,dass diese Leute in Kenntnis (oder in Unkenntnis,was den Dreien dann auch egal ist) der von Ihnen genannten Fakten aufgehört haben ,zu denken.Für diese Knaben ist das Thema damit beendet ,findet Euch damit ab,basta.
Dass es in anderen Parteien reichlich aufgebortes Mittelmass gibt (s.Profana,Blöder u.a.),habe ich natürlich auch zur Kenntnis genommen.Mir geht es aber um die politische Richtung,von der ich mir aufgrund ihrer Zielsetzung und Geschichte Abhilfe erhoffe - und auch da finde ich nur (allenfalls) Taktiker,keine Vertreter inhaltlicher Aussagen von Gewicht (ich meine nicht das Körper-).
Ich will mich aber nicht damit abfinden,dass die Gerechtigkeitslücke weiterhin existiert,immerhin -das klingt banal,ist es aber nicht- geht es um das tägliche Leben von Menschen.
Neue Mitte ??
Entschuldigung ist vdas da ,wo Frau Merkel steht? Oder hier nur 7 Milliardäre Deutschlands ist das die n e u e Mitte???
Name Vermögen in Millionen Dollar
Haupteinnahmequelle
Karl und Theo Albrecht 26 800 Aldi
Johanna Quandt und Familie 18 400 BMW
Michael Otto und Familie 6 500 Otto-Versand
Curt Engelhorn 5 600 Pharma
Friedrich Karl Flick 5 500 Beteiligungen
August von Finck 4 800 Beteiligungen
Schickedanz-Töchter 4 500 Quelle
Also ich bin nicht dabei, aber das ist sicher nur die Mitte, zu der die CDU steht.
Walter Wasilewski
@ Parisien:
Leider muss ich Ihnen in weiten Teilen recht geben. Trotzdem werfe ich weiterhin die Frage auf, ob dieses " Konzept" zu Ende gedacht ist. Schließlich stellen wir fest, dass Tarifverträge gleich reihenweise unterlaufen werde. Sogenannte 1,00 Euro - Jobs werden gesetzeswidrig der Privatwirtschaft zugeteilt. Praktikantenstellen werden missbraucht und die Betroffenen angelogen und dann, wenn es zur Einstellung kommt, werden die Leute fristlos entlassen. Zu Gunsten der "Riester-Rente" werden die Einnahmen zu den Sozialversicherungen per Gesetz reduziert. Damit wurde die Parität faktisch aufgehoben. Ich könnte so fortfahren mit meinen Bemerkungen, will es aber bei diesen wenigen Beispielen bewenden lassen!
Dies alles sind Forderungen der INSM und der Verbände BDI/BDA und des DIHT. Selbstverständlich unter Mithilfe div "Unabhängiger" Experten, die bei genauerem Hinsehen in div. involvierten Unternehmen tätig sind, oder von dort Leistungen für Vorträge erhalten.
Und zu welchen Themen halten sie die Vorträge? Sie haben es erraten.
Nicht zu vergessen, die "Netzwerker" in der SPD. Es ist bekannt, dass diese farblosen Damen und Herren Berufspolitiker gleich Reihenweise von der Industrie bearbeitet werden, ihren Ideologien zu folgen!
Von welchem Personenkreis die Buchautoren beeinflusst werden kann man im Augenblick nur vermuten.
Die so genannte" Parteilinke" hat man mangels Masse und wegen der Koalitionstreue mundtot gemacht. Intellektuell brillante Personen sind dort zur Zeit fast nicht zu sehen, aber eine ganze Reihe von Mitläufern, die auf ihre Chance warten auch mitreden zu dürfen. Getreu dem Zeitgeist: Man muss nicht unbedingt hoch qualifiziert sein, sondern man muss sich nur gut verkaufen. Daher gerät die Auseinandersetzung mehr und mehr zur Polit-Show gespickt mit Worthülsen, Sprechblasen und substanzlosem Gewürge und nur dem Ziel der Interessengruppen verpflichtet.
Weshalb div Politiker einen Amtseid auf die Verfassung abgelegt haben, bleibt deren Geheimnis.
Aber, um dass Fass voll zu machen, dem fassungslosen Beobachter fällt auf, dass es bei verschiedenen anderen Parteien leider auch nicht viel besser ist.
Brand hatte wohl Visionen, die zum Beispiel die Ostpolitik ermöglicht haben, aber Schmidt hatte Verstand, Wissen und Durchsetzungskraft, um 8 Jahre eine gute Politik auf allen Feldern durchzusetzen, bis ihn seine Partei hat fallen lassen.
@Solitaire100: Sie fragen,"Hat dieses Kleeblatt überhaupt seine Thesen zu Ende gedacht? "
Ich fürchte,die Antwort ist positiv ,und die Botschaft an all diejenigen,die unter der gegenwärtigen Politik und den Folgen der Agenda 2010 leiden, ist: Gebt Ruhe,es geht nicht anders.
Man erwartet nun gegenüber dieser Bankrotterklärung eine Reaktion aus der Partei,insbes. von dem Flügel,der sich links nennt und dessen besonderes Augenmerk auf der Sozialpolitik liegen sollte.Gerade in diesem Bereich,in dem es um die Grundbedürfnisse der aus welchem Grund auch immer schwachen Menschen geht, braucht man Parteimitglieder,die nicht nur intellektuelle Fingerübungen veranstalten,sondern aufgrund ihrer Erfahrungen,Integrität und Persönlichkeit sozialpolitische Lösungen aufzeigen und durchsetzen können.
Diese Fragen werden aber leider führend von Nahles bearbeitet,die zwar ebenso starke wie erfolglose Sprüche bringt ("Zeigen,wo der Hammer hängt", "Pfoten weg von den Tarifen"-bei der Telekom,das Ergebnis ist bekannt),die aber die oben genannten Charakteristika nicht mitbringt.
Ideen einer Partei werden nicht aus sich heraus geboren und fallen auch nicht vom Himmel (das war nur im Absolutismus so).Man muss das richtige Personal dafür haben.Solange die SPD sich nicht mit Kompetenzen bestückt, die die an die SPD gestellten Ansprüche erfüllen können,solange werden wir den Niedergang der SPD betrauern (jedenfalls diejenigen,die noch trauern) müssen .Irgendwann reicht es allerdings auch dem treuesten Anhänger.
Paging