Von Thorsten Denkler, Berlin

Die angebliche Rücktrittsdrohung von Beck will hinterher keiner gehört haben. Auf dem SPD-Hoffest herrscht große Einigkeit: Schuld haben die Medien.

Auf der Bühne singt der Frontmann der Simon-and-Garfunkel-Cover-Band vom "Sound of Silence". An einer Stelle in dem Song heißt es übersetzt: "Doch meine Worte fielen wie lautlose Regentropfen/Und verhallten in der Stille." Es klingt wie der Wunschtraum eines Sozialdemokraten in diesen Tagen. Nur, dass es Parteichef Beck sein soll, dessen Worte besser wie lautlose Regentropfen verhallt wären.

Kurt Beck, SPD, ddp

SPD-Parteichef Kurt Beck. (© Foto: ddp)

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Hoffest der SPD-Bundestagsfraktion. Es ist ein schöner Hof. In der Mitte ein lichtes Birkenwäldchen umkreist von einem Pflastersteinweg. Wer als Abgeordneter ein Fenster zum Hof hinaus hat, der darf sich glücklich schätzen.

Es sind viele gekommen an diesem Abend. Auffallend viele Grüne. Renate Künast etwa oder Bärbel Höhn. Vom Koalitionspartner wurde nur Kanzleramtsminister Thomas de Maizière gesichtet. Möglicherweise haben sich die anderen vom Motto des Hoffestes abschrecken lassen: "40 Jahre 68er".

Es könnte ein fröhlicher Abend sein. Aber es ist wieder so ein Beck-Tag. Das sind Tage, an denen Beck etwas sagt, was er zwar tatsächlich so gesagt hat, aber nicht so interpretiert sehen will, wie es alle interpretieren, die es gehört haben. Von engen Parteifreunden einmal abgesehen.

Parteichef Kurt Beck war gestern Nachmittag zu Gast in der Fraktionssitzung der SPD. Er hat ein Rede gehalten. Kämpferisch sei die gewesen, sagen Teilnehmer. Und dass er sehr klare Linien vorgegeben habe. Und dass es viel spontanen Applaus gegeben habe, aus allen Lagern.

Journalisten dürfen nicht dabei sein, wenn die Fraktion im dritten Stock des Reichstages zusammenkommt. Sie dürfen nur vor den Türen warten und hoffen, dass irgendjemand herauskommt und sagt, was drinnen geschieht. Einer ist rausgekommen und hat gesagt, Beck habe gesagt: "Ich klebe nicht an meinem Stuhl." Es ist ein Satz, der eigentlich wenig Interpretationsspielraum zulässt.

Die Nachrichtenagenturen haben den Satz aufgenommen und ihren alten Reflexen vertraut: "Beck bietet rhetorisch Rücktritt an", ist eine Meldung überschrieben.

Nichts davon soll wahr sein.

Auf dem Hoffest treffen kaum zwei Stunden nach der Fraktionssitzung die Abgeordneten, die dabei waren, auf die Journalisten, die nicht dabei waren. Alles beherrschende Frage: Was hat Beck denn nun gesagt? Und wie hat er es gemeint?

Lesen Sie, was in der Debatte bislang vergessen wurde.

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