Die Seelenmassage nach den Intrigen: In Mainz fährt der alte und neue SPD-Landesvorsitzende Kurt Beck ein sozialistisches Ergebnis ein. Doch die Erwartungen an den Ministerpräsidenten sind hoch.
Es kam wie erwartet: Einmarsch des Ministerpräsidenten und Nicht-mehr-SPD-Vorsitzenden, stehende Ovationen, einstündige Rede, wieder Ovationen, Wahl zum Landesvorsitzenden mit 99,5 Prozent, abermals Ovationen. Kurt Beck hat am Samstag beim SPD-Landsparteitag jene große Seelenmassage bekommen, die seine rheinland-pfälzischen Parteifreunde seit einer Woche angekündigt hatten. So wie in Berlin darf mit ihrem Kurt keiner umgehen, hier wissen sie genau, was sie an ihm haben. Mit der eindrucksvollen politischen Wiederbelebung Becks auf Landesebene aber fängt für ihn sowie seine Mainzer Weggefährten die Arbeit erst an.
Kurt Beck - der alte und neue SPD-Landeschef. (© Foto: AP)
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Allzu oft haben sie seit dem vergangenen Sonntag verlauten lassen, dass Beck sich nun endlich wieder ganz auf Rheinland-Pfalz konzentrieren könne, das Scheitern als Bundesvorsitzender mithin auch sein Gutes habe. Nun aber erwarten die Menschen an Rhein und Mosel, dass von seinem Einsatz, von den Ergebnissen seiner Arbeit auch tatsächlich etwas zu spüren ist.
Erfolgreich hat Beck hier bislang regiert, er ist in seinem Bundesland vollkommen unangefochten die Nummer eins, was in der Vergangenheit zu mancherlei politischen Unaufmerksamkeiten und Stillosigkeiten seiner Regierung führte, die sich zu kleinen bis mittleren Affären auswuchsen. Hinzu kommt der Abwärtssog der Bundespartei: Die Landes-CDU ist zwischenzeitlich in der Wählergunst an der mit absoluter Mehrheit regierenden SPD vorbeigezogen. Angesichts des schwachen Erscheinungsbilds der Christdemokraten ist das mehr als nur ein Alarmzeichen.
Beck darf deshalb zwar die Streicheleinheiten dieses Samstags auskosten, er darf auch erst einmal zur Ruhe kommen nach seinem zweieinhalbjährigen Ausflug in die Bundespolitik. Triumphe wie der seiner Wiederwahl aber haben auch ihre Schattenseiten: Sie verführen dazu, sich allzu sicher zu fühlen.
In Mainz weht nicht der scharfe Wind Berlins. Das muss Beck jetzt nutzen, statt es allzu lange zu genießen.
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(sueddeutsche.de/mel)