Baustelle Bundeswehr Galliges gegen Guttenberg - auch aus der CSU

Wie weit sich auch die CSU-Spitze inzwischen von ihrem früheren Zugpferd entfernt hat, wird an den Wortmeldung aus München deutlich: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sieht sich in alten Bedenken bestätigt und fordert eine "Gesamtanalyse", wie sich die Wehrreform auf "tangierte Bereiche" auswirkt. Guttenbergs Sparziele seien "viel zu hoch gesteckt".

Kritik an der Arbeit des Vorgängers: Verteidigungsminister de Maizière (CDU) hat Mühe mit der von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) begonnenen Reform der Streitkräfte.

(Foto: dapd)

Ministerpräsident Horst Seehofer versichert sogar, dass nicht mehr die Atomwende, sondern die Zukunft der Bundeswehr "mit Abstand die größte Sorge" sei: "Soldaten, Arbeitsplätze, Standorte - die Fragen sind ungelöst", so der CSU-Chef vergangene Woche zur Augsburger Allgemeinen. Unausgesprochen schwingt mit: Die Antworten darauf konnte Guttenberg nicht geben. Bei anderer Gelegenheit lobt er demonstrativ Guttenbergs Nachfolger: "Der Thomas de Maizière macht das wirklich gut", pries Seehofer zuletzt den Minister.

Es sind deutliche Duftmarken, die der CSU-Chef setzt. Womöglich gibt es noch eine weitere Facette, warum sich der oberste Christsoziale von seinem einstigen Zugpferd distanziert: Seehofer, heißt es aus der CSU, sei "irritiert", dass sich Guttenberg als Delegierter für den anstehenden CSU-Parteitag habe nominieren lassen.

Kritisch äußerte sich stets der Christdemokrat Ernst Reinhard Beck. Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag stand dem Guttenberg'schen Reformeifer von Beginn an skeptisch gegenüber. Heute schweigt er lieber - "er will nicht nachtreten", heißt es aus seinem Umfeld.

Dafür reden andere über den gewesenen Minister - wenn der Name anonym bleibt: "Stückwerk", nennt einer mit CDU-Parteibuch Guttenbergs Hinterlassenschaft, der habe es "leider übers Knie gebrochen." Zuvor hat bereits die Augsburger Allgemeine krachende Kritik namenloser Herkunft aus dem bayerischen Kabinett kolportiert: Guttenberg habe ein "militär- und strukturpolitisches Desaster" hinterlassen. Und eine Stimme aus dem CSU-Vorstand ätzte: Der Freiherr habe freiwillig Sparzusagen gemacht, "nur um sich von der Bild-Zeitung als 'Spargott' feiern zu lassen."

Nicht minder hart fällt die Kritik der Opposition aus: Rainer Arnold, der sicherheitspolitische Sprecher der SPD, spricht von einer "Reformruine ohne Fundament". Guttenberg habe in seiner kurzen Amtszeit der Truppe "schweren Schaden" zugefügt, sagt der Sozialdemokrat im Gespräch mit sueddeutsche.de. Arnolds Kollege von den Grünen, Omid Nouripour, meint, Guttenberg habe nach der Aussetzung der Wehrpflicht einfach "nichts mehr getan."

Guttenbergs Nachfolger de Maizière genießt sowohl bei der SPD als auch bei den Grünen durchaus Sympathien. "De Maizière denkt zuerst und handelt dann", sagt Arnold und Nouripour sekundiert: "Er ist nicht so schrill wie Guttenberg, sondern auf Substanz bedacht. De Maizière macht einen guten Eindruck", sagt der Grüne, "allerdings bislang nur in der B-Note."

Nouripour erinnert daran, dass de Maiziere seinerzeit als Innenminister die Guttenberg'schen Pläne abgesegnet habe. Wenn der Minister die überarbeitete Bundeswehrreform vorgelegt habe, so Nouripour, dann zeige sich, ob auch "de Maizières A-Note" lobenswert sei.

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