Barack Obama im Internet Der Wandel bleibt

Ein Slogan wird Regierungssache: Change.gov ist der zaghafte Versuch zu einer transparenteren Regierungsarbeit und aktiver Bürgerbeteiligung - mehr aber auch nicht.

Von Lilith Volkert

Der Wahlsieg von Barack Obama ist noch keine drei Tage alt, da ist unter www.change.gov eine neue Webseite des Demokraten im Internet abrufbar. Als erster amerikanischer Präsidentschaftskandidat hatte Obama mit seinem Wahlkampfteam eine hochprofessionelle Internetkampagne auf die Beine gestellt, auch weiterhin will er das interaktive Medium nutzen.

Damit wird ein Slogan zur Regierungssache: "Change" - die Botschaft, mit der Barack Obama die Sehnsucht von Millionen Amerikaner nach Wandel und Erneuerung angesprochen hat - verbindet sich mit ".gov". Diese Endung wird nur an Institutionen der US-Regierung vergeben.

Noch 73 Tage bis zur Amtseinführung

Change.gov ist eine Plattform für die Übergangszeit, in der wie bei einem Staffellauf zwei Politiker eine Weile nebeneinander herlaufen. George W. Bush schleppt sich über die letzten Meter seiner Präsidentschaft, Barack Obama ist voller Ungeduld, den Stab endlich zu übernehmen. So ist in der linken oberen Ecke von change.gov zu lesen, wie viele Tage noch bis zu Obamas Amtseinführung am 20. Januar 2009 vergehen müssen: "73 Days until Inauguration".

Mit aktuellen Nachrichten, Informationen über den zukünftigen Präsidenten und sein Team sowie einem Blog will change.gov das amerikanische Volk an diesem Übergangsprozess teilhaben lassen. Die Site ist die logische Fortsetzung von barackobama.com, mit deren Hilfe die Demokraten Obamas Wahlkampf organisiert, zahlreiche Freiwillige rekrutiert und Spenden gesammelt haben.

In vielem - wie der Seiteneinteilung und der weiß-dunkelblauen Farbgebung - ähnelt change.gov der Wahlkampfseite. Doch links oben, wo vorher das runde Symbol von Obamas Kampagne stand, prangt jetzt der Weißkopfseeadler - das Wappentier der USA.

Ideen statt Geld sammeln

Ein weiterer Unterschied: Statt Geld sollen Ideen gesammelt werden, wie der neue Präsident Amerika voranbringen kann. Obamas Mannschaft hat früh erkannt, wie wichtig es ist, breiten Bevölkerungsschichten das Gefühl zu geben, mit ihren Alltagssorgen ernst genommen zu werden.

Nur weil Barack Obama zum Präsidenten gewählt wurde, soll sich das nicht ändern, suggeriert die Seite. User sind auf change.gov aufgerufen, ihre Meinung zu sagen und Vorschläge zu machen.

Unter dem Stichpunkt "American Moment" können sie außerdem loswerden, wie sie persönlich den Wahlabend erlebt haben - auf dass die Begeisterung über den gemeinsam erreichten Sieg nicht so schnell verpufft.

Dass es keine weiteren interaktiven Elemente gibt - Blogkommentare sind zum Beispiel nicht möglich - mag an dem erwarteten Ansturm liegen. Auf barackobama.com hatten sich mehr als eine Million Menschen angemeldet.

Wenig Inhalt bietet bisher der Blog - hier findet man bisher nur das Video von Obamas Siegesrede; auch hinter "Obamas Nationalem Service Plan", der zeigen soll, wie jeder einzelne Amerika dienen kann, verbirgt sich noch eine weiße Seite. Sehr ausführlich ist dafür der Punkt "Agenda": Von Bürgerrechten über Irak und Steuern bis zur Situation von Frauen in den USA werden in einer langen Liste die Dinge aufgezählt, die Obama in Angriff nehmen will.

Barack Obama ließ sich von 90 New Media-Experten im Wahlkampf unterstützen, er plant, einen Blog zu schreiben und will Gesetzesentwürfe vor der Verabschiedung im Internet veröffentlichen. Change.gov ist der zaghafte Beginn dieses Wandels hin zu transparenterer Regierungsarbeit und aktiver Bürgerbeteiligung - mehr aber auch nicht.