Bankgeheimnis und Datenklau "Totaler Frontzusammenbruch"

Kaum war dieser Streit beigelegt, folgte weiteres Ungemach: Frankreich hatte delikate Informationen über Landsleute mit Schweizer Konto, die 3000 Kundendaten fanden ihren Weg ähnlich nach Paris, wie nun die 1500 Sätze nach Berlin.

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Reiche kamen bislang nicht nur wegen des Alpenpanoramas in die Schweiz - aber bleibt das auch so? Diese Aufnahme entstand am Ufer des Vierwaldstättersees

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Es folgten die Italiener, die Landsleute beim Übertritt in die Schweiz fotografierten, später führten sie Razzien bei eidgenössischen Bankfilialen in Italien durch. Etliche Steuersünder bekamen es mit der Angst zu tun - und nutzten eilig eine Amnestie, die 80 Millarden Euro in die Staatskasse Roms spülte.

Bretterhütte statt Festung

Und da wäre noch Washington, das die helvetische Großbank UBS dazu nötigte, die Daten amerikanischer Kunden zu offenbaren - ein großes Loch im Schweizer Bankgeheimnis.

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Fluss unzähliger Milliarden in das Alpenland nicht zu enden schien. Von allen Seiten drücken nun die um die Steuereinnahmen geprellten Staaten auf die Schweiz.

"Die vermeintlich einsturzsichere Alpengranitfestung", kommentiert die Zeitung 20 Minuten, sie habe sich zur "lotternden Bretterhütte" entwickelt. Fassungslos sei man über den "totalen Frontzusammenbruch". Der helvetische Schlachtruf, keine Amtshilfe leisten zu wollen, ist für 20 Minuten ein zahnloser Tiger, ein "überholtes Ritual".

Retten, was zu retten ist

Genau dies dämmert manchen Eidgenossen wie Merz, der sich bewusst zurückhält - der Minister weiß zu gut, was der Lärm mit den USA auslöste: einen Exodus amerikanischer Anleger. Innerhalb von 18 Monaten floßen 124 Milliarden Euro aus der UBS ab, oft nach Singapur und in andere asiatische Destinationen.

Schadensbegrenzung ist also angesagt: Nicht weiter das Image des lädierten Finanzstandortes schädigen, Abnutzungskämpfe vermeiden, kurzum: Retten, was zu retten ist.

Dementsprechend milde Töne kommen von den Schweizer Sozialdemokraten (SP). Die Affäre zeige, "in welch unmöglicher Situation sich die Schweiz mit ihrer Differenzierung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug" befinde, heißt es selbstkritisch. Man brauche endlich eine deutliche Absage an Steuerhinterzieher.

Selbst in der rechtspopulistischen SVP scheint man auf eine Verständigung mit den Deutschen zu setzen. SVP-Ständerat Maximilian Reimann kündigte ein Treffen von Schweizer Parlamentariern und Bundestagsabgeordneten an, freilich ohne den motzenden Unterton zu verlieren: "Diese Hehlerei mit Deutschland beschäftigt uns."