In Bangladesch gewinnt die säkulare, linke Partei von Sheikh Hasina eine Dreiviertelmehrheit im Parlament. Lupenrein ist Hasinas Image jedoch nicht - auch aufgrund vergangener Fehden.
Von einem erstaunlichen Wahlausgang, ja von einem "Schockresultat" ist die Rede in Bangladeschs Medien. Bei den ersten Parlamentswahlen seit 2001 hat eines der beiden rivalisierenden Lager nach der Auszählung von fast allen Stimmen rund 250 von insgesamt 300 Sitzen gewonnen.
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Kein sonderlich sauberes Image: Hoffnungsträgerin Sheikh Hasina Wajed hat mit einem Erdrutschsieg die Wahl in Bangladesch gewonnen. (© Foto: AFP)
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Nie zuvor in der Geschichte des jungen Landes, das erst seit 1971 unabhängig ist, fiel ein Wahlerfolg deutlicher aus als dieser. Die siegreiche säkulare und linke Awami League verfügt auch ohne ihre 13 Bündnispartner über eine Dreiviertelmehrheit.
Die Partei wird ihre Anführerin, Sheikh Hasina Wajed, zur neuen Regierungschefin berufen. Hasina hatte Bangladesch von 1996 bis 2001 schon einmal regiert. Mit einer vergleichsweise modernen Kampagne über die sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen des armen Landes profilierte sich die alteingesessene Politikerin als Hoffnungsträgerin vor allem junger Menschen.
Ein Drittel der 81 Millionen Wahlberechtigten hat am Montag zum ersten Mal das Parlament gewählt, offenbar in großer Zahl. Nationale und internationale Wahlbeobachter bescheinigten überdies, dass es sich um einen fairen und freien Urnengang gehandelt habe.
Die vom Militär berufene Übergangsregierung hatte zwar den Ausnahmezustand nur einige Wochen vor der Wahl aufgehoben, sie sorgte jedoch mit einem Großaufgebot der Sicherheitskräfte für einen fast reibungs- und gewaltlosen Ablauf.
Absage an Islamisten
Als große Verliererin geht Hasinas Erzrivalin, die zweifache Premierministerin Khaleda Zia, aus der Wahl hervor. Deren rechte, moderat islamistische und einst mächtige Bangladesh Nationalist Party (BNP) bringt es nur noch auf etwa 25 Sitze. Regelrecht weggeschwemmt wurde Khaleda Zia' s wichtigste Partnerpartei, die radikale Jamaat-e-Islami.
2001 hatten die Fundamentalisten noch 17 Sitze gewonnen, nun bleiben ihnen zwei. Alle Prominenten von Jamaat-e-Islami verloren ihr Mandat, was erneut belegt, dass eine überwältigende Mehrheit der Muslime Bangladeschs den politischen Islam ablehnen.
Die Ablehnung dürfte zudem so groß sein wie noch nie, nachdem in den vergangenen Jahren extremistische Gruppen mit Verbindungen zu internationalen Terrororganisationen gewachsen waren. Khaleda Zia wird vorgeworfen, sie habe sich aus Rücksicht auf ihre Verbündeten nicht entschieden genug gegen diese Kräfte gewehrt.
Im Wahlkampf versuchte sie, die Debatte mit religiösen Parolen anzuheizen und von wirtschaftlichen und sozialen Themen abzulenken: "Rettet den Islam, rettet das Vaterland!", hieß einer ihrer Wahlslogans. Der Daily Star, Bangladeshs größte englischsprachige Zeitung, schrieb in ihrem Kommentar, die unterlegene Politikerin ernte nun, was sie während ihrer Herrschaft zwischen 2001 und 2006 gesät habe: "Diese Wahl ist eine totale, komplette und umfassende Missbilligung der BNP, die das Land mit Korruption, politischer Gewalt und Vetternwirtschaft regiert hatte."
Tendenz zu Korruption und Bestechung
Doch auch Wahlsiegerin Sheikh Hasina hat kein sonderlich sauberes Image. Ihr Lager steht im Ruch korrupt zu sein. Seit vielen Jahren besetzt Bangladesch immer einen der letzten Plätze in der Rangliste von Transparency International, der Organisation, die alljährlich Länder nach ihrer Tendenz zu Korruption und Bestechung auflistet. Auch während der Regierungszeit Hasinas änderte sich daran nichts.
Die persönliche Fehde zwischen den beiden dominanten Persönlichkeiten der bengalischen Politik verhinderte jede Reform. Aus diesem Grund schritt das Militär im Januar 2007 ein, sagte die geplanten Wahlen ab und setzte eine Übergangsregierung ein, die die nötigen Reformen vorantreiben sollte.
Zu Beginn war die Übergangsregierung beliebt im Volk, so überdrüssig waren die Bangladescher der alten Rivalität der zwei Frauen. Die Menschen klatschten auch noch, als Politiker und ehemalige Minister, Unternehmer und Richter wegen Korruption verhaftet wurden. Inhaftiert wurden zwischenzeitlich auch Sheikh Hasina und Khaleda Zia, von denen sich die Militärs erhofften, dass sie die politische Bühne endgültig verlassen würden.
Die demokratischen Wahlen haben eine von den beiden Damen zurück an die Macht gebracht - mit einem Erdrutschsieg. Auch diese strapazierte Metapher wird gerne gebraucht in Bangladeschs Medien. Sie ist diesmal nicht übertrieben.
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(SZ vom 31.12.2008/cag)
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