UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kommt zu einem zweitägigen Besuch nach Deutschland. Bislang wirkte er eher farblos. Doch genau das scheint seine Taktik zu sein.
Glanzlos, langweilig und leise - mit diesen Attributen wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eher in der internationalen Presse häufig belegt. Vom "Teflon-Diplomaten" oder "schlüpfrigen Aal" ist zu lesen. Mit aufsehenerregenden politischen Initiativen macht er dagegen weniger von sich reden. Die Reform der Weltorganisation vollzieht der 64-Jährige genauso im Stillen wie die persönlichen Kontakte zu Staats- und Regierungschefs.
Ban Ki Moon mit seiner Ehefrau Yoo Soon Taek in Paris. (© Foto: AFP)
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Sein Vorgänger Kofi Annan, der dem Amt als eine Art weltlicher Papst Glanz und Bedeutung verlieh, hatte seine Aufgabe als "unmöglichsten Posten der Welt" bezeichnet. Und Ban stolperte nach seiner Ernennung am 13.10.2006 auch gehörig in einige Fettnäpfchen. So rechtfertigte er die Hinrichtung des irakischen Diktators Saddam Hussein mit dessen Verbrechen und bemerkte, es sei die Angelegenheit jedes einzelnen Staates, die Todesstrafe anzuwenden.
Kritiker warfen ihm zudem mangelnde Transparenz bei der Wahl seiner engsten Mitarbeiter und der Umstrukturierung des Generalsekretariats vor. So wurde Ban langsam der Ruf eines Strippenziehers ohne Charisma zuteil. Immerhin kann er sein Engagement um den Klimagipfel im vergangenen Jahr in New York als klaren Erfolg verbuchen. Damals hatte er die Welt zum Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen.
Als erster Asiate seit mehr als 30 Jahren führt Ban nun die Weltorganisation. Wirklich aufgefallen ist er in seiner zweijährigen Amtszeit nicht. Nie würde der zurückhaltende und leise Ban wie sein Vorgänger Annan den Irakkrieg lauthals verurteilen. Im Falle Darfur trifft sich Ban lieber auf seiner ersten großen Auslandsreise im stillen Kämmerchen mit dem sudanesischen Staatschef Omar al-Bashir und vergisst auch hier nicht, höflich zu lächeln.
In diesen persönlichen Kontakten liegt Bans Stärke. Er soll nie den Namen eines Gesprächpartners vergessen. Auf große Gesten und lose Floskeln kann er gut verzichten. Angesichts einer möglichen Anklage al-Bashirs zeigte sich Ban jedoch besorgt über den Fortgang des Friedensprozesses im Sudan und rief das Land auf, die Sicherheit für Blauhelmsoldaten und andere UN-Mitarbeiter zu erhöhen.
Ban Ki Moon gilt als Freund der USA, wo er sich bereits als Botschafter seines Landes in den achtziger Jahren um gute Beziehungen bemühte. Seine vornehme Zurückhaltung und Gewogenheit qualifizierte ihn schließlich in den Augen der USA als passenden Nachfolger Kofi Annans.
Es wäre allerdings voreilig, Ban seine asiatische Zurückhaltung als Unfähigkeit vorzuwerfen. Hinter seinen blassen Auftritten verbirgt sich eine beharrliche Taktik des Understatements. Er wolle mehr Sekretär denn General sein, verkündete der ehemalige südkoreanische Außenminister zu Beginn seiner Amtszeit auf dem UN-Chefsessel. Und wenn es notwendig ist, "habe ich innere Stärke". Die Show überlässt er anderen.
Seine Beharrlichkeit zeigt sich auch in seinem Werdegang: Als Student durfte er einmal John F. Kennedy die Hand schütteln. Seitdem "festigte sich die Überzeugung aus meiner Kindheit, dass ich Diplomat werden wollte". Inzwischen kann er auf 38 Dienstjahre zurückblicken, davon zwölf bei den Vereinten Nationen. Ban spricht Französisch, Japanisch, Englisch und aus seiner Zeit als Botschafter in Österreich auch Deutsch.
Bei seinem am Dienstag beginnenden Deutschlandbesuch soll es um die internationale Lage, die Reform der Vereinten Nationen sowie - mit Blick auf den jüngst zu Ende gegangenen G-8-Gipfel - die Klima- und Energiepolitik gehen. Der UN-Generalsekretär riet Deutschland bereits in der Vergangenheit, sich stärker für einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu engagieren. Eine schmetternde Rede Bans ist wohl nicht zu erwarten. Aber er setzt ja auch auf die Arbeit hinter den Kulissen.
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(sueddeutsche.de/plin)
Staatsbesuch in Israel
Nur ein "schlüpfriger Aal" kann heute noch mit dem Hornissennest namens UN fertig werden. Im September wird sich erweisen, wie Ban mit dem soeben angekündigten Besuch von Herrn Ahmadinedschad in New York fertig wird. Nur gut, dass der Iraner nicht auch noch nach Berlin kommt, wo man bereits vor Obamas Besuch zittert.