Bahnprojekt Stuttgart 21 Wer abstimmt, haftet

Blick auf die Baustelle zum unterirdischen Technikgebäude für den Bahnhof Stuttgart 21, aufgenommen am 5. Februar 2013.

(Foto: dpa)

Glücklich ist mit Stuttgart 21 kaum jemand mehr, und es kommt, wie es kommen musste: Die Kosten steigen weiter. Am Dienstag trifft sich deshalb der Aufsichtsrat der Bahn, der das Projekt noch stoppen könnte. Da reden viele mit. Aber wer will was erreichen? Und aus welchen Motiven? Eine Betrachtung der Beteiligten, von Bahnchef Grube bis zum Juchtenkäfer.

Von Roman Deininger, Max Hägler und Daniela Kuhr

Dieser Dienstag wird der Tag der Entscheidung. Der Aufsichtsrat der Bahn berät über die Zukunft von Stuttgart 21. Bis zu 6,8 Milliarden Euro könnte das Projekt laut Bahn kosten, nur 4,5 Milliarden Euro sind finanziert. Stadt, Land und Bund wollen nichts mehr zuschießen. Soll die Bahn weiterbauen auf die Gefahr hin, dass sie die Kosten allein schultern muss? Darauf werden die Aufsichtsräte antworten müssen - im Bewusstsein, dass sie für die Folgen persönlich zur Verantwortung gezogen werden könnten.

Der Vorstandsvorsitzende der Bahn, Rüdiger Grube.

(Foto: dpa)

Rüdiger Grube, 61, lässt sich nichts anmerken. Wann immer sich der Bahn-Chef zu Stuttgart 21 äußert, tritt er energisch für das Projekt ein. Dabei wurmen ihn mehrere Dinge: Zum Beispiel, dass die Verträge kurz vor seinem Amtsantritt im Mai 2009 unterzeichnet wurden. "So etwas macht man nicht", sagte Grube einmal: "Einen derart folgenschweren Vertrag zu unterzeichnen, obwohl man weiß, dass bald ein neuer Vorstandschef kommt." Zwar hält er das Projekt für sinnvoll, aber nicht um jeden Preis. Hätte er gewusst, was er heute weiß, nämlich dass der Bahnhof 6,8 Milliarden Euro kosten könnte, er hätte den Bau abgeblasen. Jetzt aber ist es zu spät für einen Abbruch, da ist er sich mit seinem Infrastrukturvorstand Volker Kefer einig. "Wir müssten zwei Milliarden Euro abschreiben", sagte Grube im Verkehrsausschuss des Bundestags. Statt eines Rekordgewinns würde die Bahn jahrelang Verlust schreiben. Und deshalb sind Grube und Kefer entschlossen, die Sache durchzuziehen. Lust auf das Bauwerk haben sie beide nicht mehr. Zumal sie genau wissen, dass die Kosten weiter steigen könnten, und die Gegner nicht lockerlassen werden.