Endlich mal positive Nachrichten im Zusammenhang mit dem SPD-Chef: Für sein Verhandlungsgeschick in Sachen Bahnprivatisierung gibt es für Kurt Beck viel Lob.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, hat Parteichef Kurt Beck für dessen Geschick bei den Verhandlungen über die Bahnprivatisierung gelobt. "Er hat sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen, und sein Vorschlag ist angenommen worden auch von schwersten Kritikern dieser Teilprivatisierung. Insofern hat er alles richtig gemacht", sagte Struck am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

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SPD-Chef Kurt Beck freut sich, dass sein Vorschlag angenommen wurde (© Foto: ddp)

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Die angestrebte Begrenzung privater Anteile auf maximal 24,9 Prozent am Personen- und Güterverkehr sei ein "guter Beschluss", sagte Struck. Bahnaktien seien als strategische Investition trotzdem attraktiv und lukrativ.

Es würden sich sicher Investoren finden, "um Geld zu verdienen". Weiter sei er überzeugt, dass die Beschränkungs-Regelung auch nach der Bundestagswahl 2009 bestehen bleibe.

Die Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft, sagte der Berliner Zeitung: "Mit dem jetzt vorgestellten Modell ist sicher gestellt, dass der Einfluss privater Investoren auf die Unternehmenspolitik der Bahn sehr gering ist. Der Staat wird in der Verantwortung bleiben."

Kritik kam indes von den Jusos. "Wir fürchten, dass private Investoren Einfluss auf die Unternehmenspolitik der Bahn bekommen. Und das Gegenteil hat die SPD auf ihrem Hamburger Parteitag ja beschlossen", sagte die Vorsitzende Franziska Drohsel der taz. Sie hoffe, dass die Entscheidung noch revidiert werde. Ein Sonderparteitag sei dabei ein mögliches Instrument.

Scharfe Kritik kam der taz zufolge auch vom langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Peter Conradi, der beim Hamburger Parteitag eine umjubelte Rede gegen die Privatisierung gehalten hatte. "Die Befürworter des Börsengangs haben gesiegt", sagte er. "Das ist der erste Schritt zur Vollprivatisierung." Conradi will sich für einen Sonderparteitag einsetzen.

Der Chef der Eisenbahnergewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, forderte den Konzern auf, die Obergrenze von 24,9 Prozent tarifvertraglich festzuschreiben. "Diesen Tarifvertrag brauchen wir als Absicherung", sagte Hansen der Frankfurter Rundschau.

Im Tagesspiegel warnte er die Union davor, diese Grenze zu durchbrechen: "Wir werden der Union kein weiteres Feld für eine Privatisierung eröffnen."

Auch der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, warnte: "Es darf niemals zu einer Vollprivatisierung oder einer Zerschlagung des Konzerns kommen. Und was jetzt beschlossen wird, darf auch nicht der Einstieg sein", sagte Hommel den Ruhr Nachrichten. Um dies zu verhindern, forderte auch die GDBA eine tarifvertragliche Absicherung der Konzernstruktur.

Der Chef der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, kritisierte das SPD-Modell jedoch bereits als nicht ausreichend. Schlarmann sagte der Berliner Zeitung, es werde schwierig, für einen Anteil von 25 Prozent einen Investor zu finden, da dieser kaum Chancen habe, den Konzern entscheidend mitzugestalten.

"Der Bahn gehen damit auf jeden Fall Finanzmittel verloren, die sie dringend für Investitionen braucht", meinte Schlarmann. Dennoch sprach er sich dafür aus, dem SPD-Vorschlag zuzustimmen: "Wenn die Bahn Investitionsbedarf hat, werden aus 25 Prozent schnell 49 oder 51 Prozent."

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(AP/bavo/bosw)