Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer liegt sicher nicht falsch, wenn er den Sparkurs vor dem jahrelang avisierten, dann aber abgesagten Börsengang als Teil des Problems sieht. Zwar hat die Bahn nicht bewusst an Klimaanlagen und Achsen gespart; dass aber nun bei Pannen zu wenig Ersatzzüge bereitstehen, ist eindeutig eine Folge des Kostendrucks der vergangenen Jahre. Grube hat versprochen, das zu korrigieren. Neue Züge müssen her, eine bessere Technik und mehr Personal. Doch damit ist es nicht getan. Die Bahn hat ein weiteres Problem, und das darf Grube nicht unterschätzen: Es ist die Kommunikation innerhalb des Konzerns.

Anzeige

Grube muss zeigen, ob er seine Ankündigungen ernst meinte

Wenn er sagt, die Probleme mit den Klimaanlagen seien überraschend aufgetreten, muss man sich schon sehr wundern. Wer öfter mit der Bahn fährt, weiß: Es ist keine Seltenheit, dass die Kühlung ausfällt. Das wissen die Fahrgäste, und das weiß das Zugpersonal. Wieso weiß es nicht die Konzernleitung? Und warum wurde erst jetzt bekannt, dass die Klimaanlagen nur auf Außentemperaturen von 32 Grad ausgerichtet sind? Wieso haben Techniker nicht Alarm gegeben, als mit dem Juli auch die hohen Temperaturen kamen?

Unter Mehdorn war Kritik nicht erwünscht. Mitarbeiter hatten zu funktionieren, statt eigenständig zu denken. Grube hat immer gesagt, dass er das ändern will. Nun muss er zeigen, wie ernst es ihm damit ist. Wer Missstände erkennt, muss sie sofort melden. Zugbegleiter müssen in der Lage sein, auch mal eigenmächtig in einer Notsituation etwas zu entscheiden, und sei es nur, Getränke zu reichen. Die Bahn muss zu einem Konzern werden, in dem jeder einzelne sich verantwortlich fühlt - für den Betrieb und die Kunden. Nur dann wird es der Bahn gelingen, ihre Fahrgäste nicht dauerhaft zu verprellen.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Lieber Bahnchef Grube: Es nervt!
  2. Sie lesen jetzt Der Sparkurs ist Teil des Problems
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(SZ vom 23.07.2010/mob)