Iraks Al-Qaida-Ableger nimmt in einer katholischen Kirche in Bagdad Geiseln. Die Polizei stürmt das Gebäude. Am Ende der Schießerei sind mindestens 50 Menschen tot.
Blutiges Ende einer Geiselnahme in Bagdad: Die irakische Polizei hat am Sonntagabend eine katholische Kirche gestürmt, in der sich mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerks al-Qaida mit zahlreichen Geiseln verschanzt hatten. Mindestens 39 Menschen starben. Nach anderen Angaben wurden mehr als 50 Gläubige und mehrere Sicherheitskräfte getötet. Auch fünf Geiselnehmer sollen tot, acht Verdächtige festgenommen worden sein.
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Ein irakischer Jugendlicher kurz nach der blutigen Befreiungsaktion vor der syrisch-katholischen Kirche in Bagdad. (© AFP)
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Ein bewaffnetes Kommando war am Sonntagabend während des Gottesdienstes in die Sajedat al-Nadschah-Kirche des Bagdader Stadtteils Karrada eingedrungen und hatte die dort versammelten mehr als 100 Gläubigen in seine Gewalt gebracht. Zuvor hatten die Angreifer bereits zwei Wächter der nahegelegenen Börse umgebracht.
Irakische Sicherheitskräfte beendeten schließlich mit amerikanischer Hilfe gewaltsam die Geiselnahme. Die irakischen Behörden und Augenzeugen hatten zunächst von mindestens sieben toten Geiseln gesprochen und gesagt, auch alle neun Angreifer seien umgekommen. Mittlerweile wurde die Zahl der toten Geiseln deutlich nach oben korrigiert - Dutzende von ihnen überlebten die Schießerei nicht.
Kurz vor dem Polizeieinsatz hatten die Geiselnehmer nach Verhandlungen mit den Behörden 19 Nonnen freigelassen. Die Männer hatten am Spätnachmittag versucht, die Börse von Bagdad zu überfallen. Dabei setzten die Angreifer auch Blendgranaten ein. Sie wurden aber vom Sicherheitspersonal in einem kurzen Feuergefecht zurückgeschlagen. Dabei starben zwei Menschen. Auf ihrer Flucht zündeten die Terroristen mindestens zwei Sprengsätze vor der Kirche. Dabei wurden vier Menschen verletzt. Schon bei ihrem Eindringen in die Kirche während einer Abendmesse hätten die Angreifer mehrere Menschen getötet, hieß es.
Aus der Kirche riefen die Männer bei irakischen Fernsehstationen an und gaben sich als Mitglieder des irakischen Ablegers der al-Qaida aus. Über die Medien forderten sie von den Behörden die sofortige Freilassung von Al-Qaida-Angehörigen, die im Irak und in Ägypten inhaftiert sind.
Auch im Internet bekannte sich der al-Qaida-Ableger "Islamischer Staat Irak" zu der Aktion - und erläuiterte seine Motive. Wie das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, erklärte die radikalislamische Bewegung, eine "Gruppe wütender Gotteskrieger" habe die syrisch-katholischen Kirche in der irakischen Hauptstadt überfallen, die "schon immer von den Christen im Irak als Hauptquartier für den Kampf gegen den Islam" genutzt worden sei. Auch mit zwei ursprünglich koptisch-christlichen Frauen, die nach ihrer Konversion zum Islam in einer ägyptischen Kirche festgehalten werden, rechtfertigte die Gruppe die Geiselnahme.
Papst Benedikt XVI. zeigte sich entsetzt über das Massaker an Christen und verlangte verstärkte internationale Bemühungen gegen jede Gewalt im Nahen Osten. Benedikt sprach am Montag in Rom von absurder und grausamer Gewalt gegen wehrlose Menschen, "die in einem Haus Gottes versammelt waren, das ein Haus der Liebe und Versöhnung ist".
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch forderte den Irak und die internationale Staatengemeinschaft auf, "der kontinuierlichen Bedrohung des Christentums im Irak entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen". Vor allem die USA seien in der Pflicht, demmörderischen Fanatismus Einhalt zu gebieten und Christen zu schützen.
Die Bundesregierung äußerte sich schockiert über die blutige Geiselnahme. Die Regierung sei "entsetzt und traurig" sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.
Christen im Irak werden immer wieder Ziel von Gewalttaten. Ende 2008 wurden bei einer Anschlagsserie 40 Christen getötet; die nun betroffene Kirche war bereits 2004 zusammen mit weiteren christlichen Einrichtungen in Bagdad Ziel von Angriffen gewesen.
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(dpa/AFP/Reuters/wolf/jab)
ist eine gute Gelegenheit, beim Friedhofsgang auch der christlichen Märtyrer zu gedenken, die vor wenigen Tagen im Irak von muslimischen Fanatikern ermordet wurden.
Wir werden durch dieses grauenhafte Massaker, das fanatische Muslime an wehrlosen christlichen Kirchgängern verübt haben, daran erinnert, dass - im Widerspruch zur stets lautstarken Larmoyanz islamischer Verbände - es Christen sind, die heute zur am meisten verfolgten relgiösen Gruppe weltweit gehören.
"Terror gegen die christliche Minderheit"
Es geht nicht um Religion. Schon vergessen, wie oft es Muslime selbst getroffen hat, etwa in Menschenschlangen vor Polzeirekrutierungsämtern oder Pilgergruppen? Ist auch der Überfall auf die Börse kurz vorher ein religiös motivierter Akt?
Es geht um die Destabilisierung des Landes. Die Amerikaner haben voraussehbar einen Bürgerkrieg evoziert. Und dieser findet nicht zwischen Religionen statt, sondern zwischen Unterdrückten und Unterdrückern. Kann schon sein, dass die Grenze zwischen beiden zwischen zwei Religionensgruppen verläuft, aber nicht zwangsläufig. Der Kampf geht gegen Leute, die als Kollaborateure mit dem westfreundlichen Regime angesehen werden. So schrecklich das Ereignis auch ist, aber es als weiteres Beispiel christlicher Unterdrückung oder Gewalt in muslimischen Ländern hervorzuheben, ignoriert den politischen und historischen Kontext.
von den muslimischen Verbänden eine absolute Verurteilung aller Gewalt gegen Mit- und Andersgläubige zu fordern. Aber wenigstens thematisiert die SZ einmal dieses Thema. Der Imperialismus dieser Religion gerade im pazifischen Raum, unerträglich für den Weltfrieden
Wesentlich mehr als 2000 Jahre sind die Religionen unteinander im Kampf mit Mord, Totschlag und allen möglichen anderen Grausamkeiten, ihr suggerierter Gott hilft allerdings keiner Seite. Warum wohl?
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