Um das Chaos etwas in den Griff zu bekommen, kauft sich die US-Armee die Loyalität von Saddams alter Garde. Den meisten Irakern hilft das wenig, sie hassen die Besetzer "von Herzen."
Die Nargileh blubbert, süßlicher Tabakgeruch hängt über dem Tisch, gemütliche Rauchwölkchen schweben in Kopfhöhe. Die Wasserpfeifen-Runde kennt sich, der Schlauch mit dem Mundstück geht reihum, alle reden ungezwungen. "Wir brauchen eine starke Regierung. Eine, die rücksichtslos durchgreift", sagt Abu Yussuf. Wenn Abu Yussuf etwas am Herzen liegt, dann fährt seine Faust beim Sprechen durch die Luft, setzt einen unübersehbaren Punkt hinter jeden einzelnen Satz.
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"Auch das ist Tiel der Versöhnung": Amerikanische Soldaten im Bagdader Stadtteil al-Hadar. (© Foto: Getty Images)
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Jetzt hämmert der Iraker den Zuhörern seine Botschaft ein, aus einzelnen Hieben wird eine volle Salve: "Wir brauchen einen Führer, der stark ist. Einen, der noch viel, viel härter ist als Saddam Hussein." Abu Yussuf weiß, wovon er spricht. Bis zum Fall der Diktatur war er Sicherheitschef von Saddams Palastwache. Lauthals lachend sagt er: "Manche nennen mich den Schlächter."
Auch sein Freund Abu Tarik stand dem irakischen Gewaltherrscher nahe - er war in den achtziger Jahren einer der persönlichen Leibwächter Saddams, arbeitete später als Geheimdienstler an irakischen Botschaften quer durch Europa. "Als ich im Fernsehen sehen musste, wie sie unseren Präsidenten aufhängen - das war einer der schlimmsten Momente in meinem Leben."
"Ja, wir waren al-Qaida"
Abu Tarik neigt nicht zu Gefühligkeiten. Aber in diesem Moment sieht er aus, als würden ihm im nächsten Moment Tränen in die Augen treten. "Saddam Hussein war ein großer Mann, und er war ein guter Mann. Es gab keinen Besseren." Die drei US-Soldaten am Tisch ziehen an der Wasserpfeife, zucken mit den Schultern.
Amerikaner an einem Tisch mit Saddam Husseins Männern fürs Grobe? US-Offiziere im vertrauten Gespräch mit Vertretern des gestürzten Blutsäufers? Saddams alte Garde als Helfer der Supermacht? Auch wenn keiner der Generäle oder Diplomaten in Bagdad es zugeben würde: Die informelle Wasserpfeifenrunde im US-Stützpunkt "Black Foot" im Süden Bagdads spiegelt die amerikanische Irak-Politik im Kleinen ziemlich gut wider.
Fünf Jahre nach Kriegsbeginn hat die US-Armee das im Frühjahr 2003 eroberte Land trotz aller Erfolge noch immer nicht im Griff, explodieren weiter Autobomben, bekriegen sich Milizen. Nun suchen die Generäle Hilfe, wo sie sie bekommen: bei Männern wie Abu Yussuf oder Abu Tarik. Sergeant Eric Geressy, einer der Amerikaner am Tisch, sagt: "Okay, wir sitzen hier mit den Leuten, die vorher unsere Feinde waren. Aber auch das ist Teil der Versöhnung." Dann lässt der Sergeant den offiziellen Polit-Sprech beiseite: "Wenn diese Zusammenarbeit hilft, das Leben meiner Soldaten zu schützen - warum nicht?"
Im Untergrund gegen die Amerikaner
Bagdad, fünf Jahre nach Kriegsbeginn. Wir hatten Sergeant Geressy und seine Stryker-Soldaten schon einmal aufgesucht, vor einem halben Jahr. Damals konnte die Kompanie ihren kleinen Stützpunkt im Süden der Hauptstadt kaum verlassen. Sie hatten sich in ihrem Fort, einem früheren Priesterseminar, eingegraben. Sie fürchteten Sprengfallen an den Straßen und in den Häusern, konnten jeden Moment beschossen oder entführt werden. "Al-Qaida im Irak" kontrollierte den nördlichen Teil des Stadtviertels al-Hadar. Zeitweise war es die Bagdader Hochburg der Terrorgruppe. Vom Süden her schossen gleichzeitig schiitische Milizen, auch sie keine Freunde der Amerikaner.
Einer von Geressys Soldaten verblutete auf einer Patrouille, einem zweiten wurde das Bein von einer Mine abgerissen, ein dritter auf dem Dach des Stützpunkts niedergeschossen. Erst nach monatelangen Kämpfen konnten die Stryker al-Qaida vertreiben. Ihren Sieg verdankten sie nicht allein überlegener Feuerkraft.
Es war vor allem die Zusammenarbeit mit sunnitischen Irakern wie Abu Yussuf und Abu Tarik. "Ich habe die Amerikaner vor Dutzenden Sprengfallen gewarnt, habe ihnen die Verstecke der Qaida-Gruppen in al-Hadar gezeigt", sagt Abu Tarik. Er und sein Freund machen keinen Hehl daraus, dass sie früher selbst "zum Widerstand" gehörten, dass sie auf Amerikaner geschossen haben. Sie lachen: "Ja, wir waren selbst al-Qaida."
Kurz: Abu Tarik und Abu Yussuf haben einfach die Seite gewechselt. Männer wie sie waren es, die nach dem Einmarsch der US-Armee 2003 den Widerstand organisierten. Sie waren es, die als "Islamische Armee" oder als "Brigaden von 1920" den Untergrundkrieg gegen die Amerikaner führten, Offiziere, Geheimdienstler, Stammesscheichs. Al-Qaida, für die internationalen Medien stets der Marktführer im irakischen Terrorgeschäft, war immer nur Teil des Untergrundkriegs. Allerdings der mit dem bekanntesten Namen.
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Protest gegen dritte Startbahn
........und Pack verträgt sich.
Wie war das nochmal mit dem Vizepräsidenten der deutschen NS-Ärzteschaft? Durfte der nicht in den USA im Dienste des CIA und des Programms zur Entwicklung der Folter bis hin zu Abu Ghreib weiterfoltern?