Labor-Party: Revolte Julia Gillard - erstmals regiert eine Frau Australien

Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wird Australien von einer Frau regiert. Doch die neue Premierministerin Julia Gillard, Single und kinderlos, hat nicht lange Zeit, sich einzugewöhnen.

Australien wird fortan von einer Frau regiert - zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Die 48-jährige Julia Gillard aus dem linken Flügel der Labor-Partei trat die Nachfolge des bisherigen Premierministers Kevin Rudd an.

Der Wechsel kommt überraschend. Labor-Chef Kevin Rudd hatte kurz zuvor sein Amt niedergelegt und kam damit wahrscheinlich einem Putsch in den eigenen Reihen zuvor. Dort hatte er zuletzt immer weniger Rückhalt.

Doch nicht nur innerparteilich sah es für den 52-jährigen Ex-Diplomaten schlecht aus. Seine Umfragewerte sanken drastisch. Ihm wurde zur Last gelegt, dass er sein Wahlversprechen, einen Handel mit CO2-Zertifikaten zum Klimaschutz einzuführen, nicht eingelöst hatte. In den vergangenen Wochen wurden ihm dann seine Pläne zum Verhängnis, die Bergbauindustrie höher zu besteuern.

Der Wirtschwaftszweig konterte im Gegenzug mit millionenschweren Anzeigenkampagnen gegen die Pläne von Kevin Rudd.

Julia Gillard stand als Stellvertreterin Rudds bis zuletzt loyal hinter ihrem Parteichef. Erst nachdem sich das Ausmaß der Unzufriedenheit gegen den Premier am Mittwoch abzeichnete, ließ sie sich für den Parteivorsitz aufstellen. Schon wenige Stunden später wurde die ehemalige Bildungsministerin einstimmig gewählt. Ihren Amtseid legte sie ohne Referenz an "Gott" ab.

Sie soll nun die drohende Niederlage bei den bevorstehenden Wahlen abwenden. Als Stellvertreter soll ihr künftig Finanzminister Wayne Swan zur Seite stehen. Als erste Amtshandlung stoppte Julia Gillard die Anzeigenkampagne der Regierung für die Bergbausteuer - wohl auch, weil die Labor-Partei einst versprochen hatte, kein Steuergeld für politische Werbung einzusetzen. Das größte Bergbauunternehmen der Welt, BHP-Billiton, stellte umgehend seine Gegenkampagne ein.

"Ich habe den Bergbauunternehmen dieses Landes öffentlich gesagt, dass die Regierung ihre Tür öffnet und sie bittet, aufgeschlossen zu sein", sagt die neue Regierungschefin.

Julia Gillard ist eine Frau, die für ihre Arbeit brennt. Als sie vier Jahre alt war, wanderten ihre Eltern mit ihr aus der Heimat Großbritannien nach Australien aus. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete sie als Juristin. Weil sie alleinstehend und kinderlos ist, geriet sie 2007, damals war sie noch Oppositionspolitikerin, in die Kritik.

Der liberale Senator Bill Heffernan beleidigte Gillard als "absichtlich unfruchtbar" und bezweifelte ihre Führungsqualitäten, weil sie als Single-Frau angeblich die Gesellschaft nicht verstehe. Ihrem Ansehen konnten diese Äußerungen jedoch nicht schaden. Sie selbst lebt in Melbourne mit einem Friseur zusammen.

Noch im selben Jahr wurde die elfjährige Ära des konservativen Premiers John Howard beendet. Die Labor-Partei übernahm das Ruder und Kevin Rudd startete mit Rekordumfragewerten als neuer Regierungschef durch. Jetzt ist seine Popularität gebrochen und Gillard steht vor der schweren Aufgabe, die Regierungszeit der Labor-Partei um zumindest eine weitere Wahlperiode zu verlängern. Eine Schonfrist gibt es nicht.

Einmal darf die Frau, die Jodie Foster stark ähnelt, dennoch durchatmen: Zum G-20-Gipfel am Wochenende in Kanada wird nicht sie, sondern ihr Stellvertreter, Finanzminister Swan, reisen.