Außenpolitik China als attraktiver Kooperationspartner

Zu deren Trost: Diejenigen, die sich für einen größeren Einsatz aussprechen, tun das mit den gleichen Argumenten wie der Präsident und die zwei Minister. Deutschland verdanke der Welt viel, auch seinen Wohlstand, also sollte es auch einen Beitrag für den Frieden leisten (93 Prozent). Eine größere politische und wirtschaftliche Bedeutung müsse sich in mehr Verantwortung niederschlagen (89 Prozent). Zudem sei Deutschland weltweit als Vermittler respektiert (85 Prozent).

Fragt man nach, wofür sich Deutschland einsetzen sollte, dann rangiert der weltweite Schutz der Menschenrechte ganz oben, gefolgt von einer Verbesserung des Umwelt- und Klimaschutzes und der Sicherung der Energieversorgung (wahrscheinlich der aktuellen Ukraine-Krise geschuldet). Ganz unten rangiert der Schutz wirtschaftlicher Interessen im Ausland. Das kann zweierlei bedeuten: Dass die meisten das tatsächlich als Ziel von Außenpolitik ausschließen oder es ihnen zu gut geht, um solche Ideen zu unterstützen.

Was die Welt von Deutschland erwartet

Bemerkenswert dabei: China hat den USA als attraktiver Kooperationspartner inzwischen den Rang abgelaufen. 61 Prozent wollen mehr mit China zusammenarbeiten, 56 Prozent mit den Vereinigten Staaten. Nicht minder interessant ist die Deutlichkeit, mit der sich die Befragten gegen militärische Mittel der Außenpolitik aussprechen.

Eine sehr große Mehrheit plädiert für viel Engagement , wenn humanitäre Hilfe und diplomatische Bemühungen gefragt sind (86/85 Prozent). Aber nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent kann Militäreinsätzen oder auch "nur" Waffenexporten an verbündete Staaten Gutes abgewinnen. Wer die Zahlen liest, wundert sich wenig, warum die Unterstützung für Steinmeier in der Ukraine-Krise groß ist. Und sie lassen erahnen, wie schwer es nach den Afghanistan-Erfahrungen sein wird, noch mal für einen solchen Einsatz zu werben.

Allerdings gibt es an der Stelle eine Einschränkung. Nach einer direkten Bedrohung für den Frieden in Europa befragt, halten satte 87 Prozent den Einsatz deutscher Truppen im Ausland für gerechtfertigt und immerhin 82 Prozent unterstützen ihn, wenn es darum geht, einen Genozid zu verhindern. Drohen also existenzielle Gefahren, dann wollen auch die friedliebenden Deutschen nicht wehrlos bleiben.

Neben diese Stimmungen wird das Auswärtige Amt am Dienstag ausländische Stimmen stellen. Gut vierzig ausländische Experten aus allen Regionen der Welt sind gebeten worden, ihre Sicht auf und ihre Erwartungen an Deutschland aufzuschreiben. Dabei zeigt sich schon auf den ersten Blick eines: Die allermeisten erwarten viel mehr von den Deutschen. Es zeichnen sich also erhebliche Spannungen ab zwischen dem, was die Deutschen wollen - und dem, was die Welt von ihnen erwartet.

Von Juni an bis in den Herbst will Steinmeier darüber auf öffentlichen Veranstaltungen überall in der Republik diskutieren lassen. Erst danach soll es Beschlüsse über eine mögliche Neuausrichtung geben.