Ein Gastbeitrag von Sigmar Gabriel

Nur wenn der Umgang mit den Ressourcen viel effizienter wird, können die Öl- und Rohstoffkrisen der Zukunft gemeistert werden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel plädiert für einen ausgewogenen Energiemix und einen sparsameren Verbrauch.

Die Energiepolitik ist zu Recht ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt. Hohe Kraftstoffpreise ärgern die Autofahrer, die Heizkosten werden zur zweiten Miete, trotz hoher Gewinne der Energiekonzerne steigen die Stromkosten.

Gabriel fordert mehr Energieintelligenz. (© Foto: ddp)

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Und der Streit über den Gaspreis zwischen Russland und der Ukraine macht schlagartig deutlich, wie groß unsere Abhängigkeit von billigem Gas und Öl ist. Doch es geht um mehr, denn viel spricht dafür, dass ein Umsteuern in ein Zeitalter der Energie- und Rohstoffintelligenz noch nie wichtiger war.

Weltweit nehmen die Wetterextreme zu. Sie sind zwar nicht im Einzelfall, wohl aber in Summe und Häufigkeit nicht ohne die vom Menschen verursachten Klimaänderungen zu erklären. Die Schäden ökologischer Katastrophen haben sich binnen drei Jahrzehnte um das Fünfzehnfache gesteigert. Und das ist erst das Wetterleuchten, noch nicht das Gewitter, das weltweit heraufzieht.

Erreichen die Nicht-OECD-Länder in den nächsten fünf Jahrzehnten das Pro-Kopf-Wohlstandsniveau, das Ungarn heute hat, wird sich das Weltsozialprodukt verdreifachen. Nimmt man das erwartete Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum hinzu, wird es sich versechsfachen. Damit wird der Ressourcenverbrauch schon bald die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit überschreiten.

Die Energie- und Rohstoffpreise schnellen nach oben. Dieser Trend wird sich mit der nachholenden Industrialisierung großer Erdregionen fortsetzen.

Die absehbaren Preis- und Verteilungskonflikte geben der Parole "Weg vom Öl" ein Ausrufezeichen, das nicht mehr erklärt werden muss. Das Ende des billigen Öls macht, wie der US-Wissenschaftler Michael Klare befürchtet, sogar Ressourcenkriege denkbar.

Auf diese Herausforderungen gibt es keine einfachen Antworten. Eine Renaissance der Atomkraft ist jedenfalls keine Lösung. Nicht nur, weil eine Verlängerung der Laufzeiten unmittelbar die Frage nach der Sicherheit der Kraftwerke stellt.

Und weil die nukleare Stromerzeugung uns von knappem Uran abhängig macht, das bei einer Verwirklichung gewünschter Ausbaupläne in nicht einmal 25 Jahren erschöpft sein würde. Dann bliebe nur die hochgefährliche Plutoniumwirtschaft. Noch wichtiger ist, dass sich die Atomkraft nur rechnet, wenn es zu einem hohen Verbrauch kommt.

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