Tel Aviv Äthiopische Juden protestieren gegen Diskriminierung

  • Bei Demonstrationen zwischen Juden äthiopischer Herkunft und der Polizei in Tel Aviv kommt es zu schweren Ausschreitungen.
  • Dutzende Personen werden verletzt, mindestens 26 Menschen werden festgenommen.
  • Israels Ministerpräsident hat sein Volk aufgerufen, Ruhe zu bewahren, und umfassende Untersuchungen angekündigt.
  • Der Präsident des Landes räumt Fehler im Umgang mit den äthiopischstämmigen Juden ein.

Netanjahu kündigt Untersuchung "aller Vorwürfe"an

Nach massiven Protesten äthiopischstämmiger Juden gegen Polizeigewalt in Israel hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zur Ruhe aufgerufen. "Es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen", sagte er, "aber es gibt keinen Raum für diese Art von Gewalt und Gesetzesbrüchen". Bei Zusammenstößen zwischen Tausenden aus Äthiopien stammenden Juden und der Polizei in Tel Aviv waren zuvor Dutzende Menschen verletzt worden. Hintergrund des Aufruhrs ist ein Video, das zeigt, wie Polizisten einen äthiopischstämmigen israelischen Soldaten misshandeln.

Netanjahu sprach am Abend mit Sicherheitsminister Yitzhak Aharonovitch. Am Montag will er in seinem Büro den misshandelten Soldaten, Vertreter der äthiopischen Gemeinde, der Polizei, des Innen- und des Sicherheitsministeriums treffen, berichtete die Jerusalem Post. Insgesamt wurden laut der Nachrichtenseite ynet 46 Menschen bei den Zusammenstößen verletzt, darunter 23 Polizisten. Mindestens 26 Menschen seien festgenommen worden. Die äthiopischstämmigen Juden setzten ihre Proteste am Montag fort. Im Regierungsviertel in Jerusalem wurden zentrale Straßen gesperrt.

"Wir haben nicht genau genug zugehört", sagt Präsident Rivin

Israels Präsident Reuven Rivlin räumte Fehler im Umgang mit den äthiopischstämmigen Juden in Israel ein. "Wir haben Fehler gemacht", sagte er. "Wir haben nicht genau genug hingesehen und nicht genau genug zugehört." Die gewaltsamen Proteste der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass es "im Herzen des israelischen Gesellschaft" eine "offene Wunde" gebe.

Demonstranten randalieren, die Polizei reagiert mit Härte

Nach Augenzeugenberichten setzte die Polizei auf dem zentralen Rabin-Platz Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Diese hätten die Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen beworfen. Im Stadtzentrum waren mehrere laute Explosionen zu hören. Über Tel Aviv kreisten stundenlang Polizeihubschrauber. Hunderte Polizisten bemühten sich am Abend um eine Beruhigung der Lage.

Die Demonstranten hatten zuvor die Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem sowie zentrale Straßen in der Küstenmetropole blockiert. Einige von ihnen legten sich auf die Straße. "Nicht schwarz, nicht weiß, wir sind alle Menschen", skandierten Teilnehmer des Protests.

Äthiopische Juden fühlen sich diskriminiert

Nach Angaben des israelischen Statistikbüros leben mehr als 135 000 Juden mit äthiopischen Wurzeln im Land. Viele von ihnen beklagen eine Benachteiligung in Beruf und Alltag. Vor knapp zwei Jahren erst hatte Israel die letzte Etappe der organisierten Einwanderung äthiopischer Juden als "historischen Moment" gefeiert.