Ausländische Medien "Ehrliche Frau, die immer ihre Meinung sagt"
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Polen
Es kommt nicht selten vor, dass es das Konterfei eines deutschen Regierungschefs auf den Titel eines polnischen Nachrichtenmagazins schafft. Schließlich ist die Bundesrepublik der wichtigste Nachbar Polens.
Gleichzeitig ist die Nachbarschaft historisch so beladen wie höchstens noch das deutsch-französische Verhältnis. Genau das ist das Problem: Immer wieder überlagern historische Streitereien, Stereotypen und Unterstellungen die Berichterstattung polnischer Medien über deutsche Politiker, insbesondere im Magazinbereich - auch bei Angela Merkel.
So fühlen sich die Polen oft vom mächtigen, einflussreichen Deutschland nicht ernst genommen und bevormundet, diesen Frust projizieren sie auf die deutsche Regierungschefin. Als Illustration dient dann schon mal eine barbusige Merkel, die "Stiefmutter Europas", die die Kaczynski-Zwillinge, damals Präsident und Premier Polens, an ihren Brüsten säugt und wie kleine Kinder behandelt. Ein andermal wurde die deutsche Regierungschefin mit Hitlerbärtchen abgebildet - Nazi-Motive gehen besonders bei radikalen Zeitschriften in Polen immer gut.
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Doch Merkel kann aufatmen. Denn Umfragen zeigen regelmäßig, dass die Polen selbst ein sehr viel positiveres und differenzierteres Bild von ihren deutschen Nachbarn und deren politischen Führung haben, auch auf Grund der engen Vernetzung auf privater Ebene. Positiv stimmt es die Polen, dass Merkel ein deutlich weniger herzliches Verhältnis zu Russland pflegt, als es etwa Gerhard Schröder mit seiner Männerfreundschaft zu Wladimir Putin tat. Außerdem kommt es in Polen gut an, dass Merkel von Helmut Kohl gefördert wurde - der Altkazler wird wegen seiner Verdienste zur Wendezeit in Polen sehr verehrt.
Gerade beim Merkelbild der jungen Polen schwingt allerdings auch Enttäuschung über Deutschland mit, zum Beispiel, wenn es darum geht, dass die Bundesrepublik sich gegen osteuropäische Arbeitskräfte und Einwanderer abschirmt. Der große Nachbar im Westen war dort weit weniger offen als zum Beispiel Großbritannien, Irland oder Spanien.
Türkei
Völlig andere Themen bestimmen das Ansehen der deutschen Kanzlerin in der Türkei. Die Türken nehmen Angela Merkel vor allem übel, dass sie Gerhard Schröder vom Thron gestoßen hat. Denn Schröder war einer der besten Freunde, den die Türkei in Europa je hatte.
Nun aber steht an der Spitze des mächtigsten Landes der EU eine Frau, die kein Geheimnis daraus macht, dass es ihr am liebsten wäre, wenn die Türken nie Mitglied der EU werden würden.
Stattdessen schwebt ihr und ihrer Partei eine "privilegierte Partnerschaft" vor - was sich in den Augen eines sarkastischen türkischen Kolumnisten so übersetzen lässt: "weder Privilegien, noch Partner".
Immerhin: Man hält Merkel zugute, dass sie - anders als Nicolas Sarkozy - mit dem Thema Türkei nie innenpolitisch über die Bande spielt und anders als manche CSU-Politiker auf populistisches Türkenprügeln verzichtet. Im "Sauren Wörterbuch", einer populären türkischen Online-Enzyklopädie findet sich dieser Satz: "Ehrliche Frau, die den Türken ihre Meinung ins Gesicht sagt".