Die Wirtschaft ist zu Zugeständnissen in Sachen Lehrstellen bereit und schlägt regionale Bündnisse vor. Mit Mobilitätshilfen und mehr Beistand für Lernschwache sollen Jugendliche bessere Chancen auf eine Ausbildung haben.

Handelskammer-Präsident Ludwig Georg Braun schlug bei einem Treffen mit SPD-Chef Franz Müntefering einen freiwilligen "Pakt für Ausbildung" als Alternative zum Umlagegesetz der Koalition vor. Die Kammern seien bereit, der Politik für einen solchen Pakt "die Hand zu reichen und weit reichende Leistungszusagen zu machen".

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Das Konzept sieht "regionale Bündnisse für Ausbildung" und eine gegenseitige Unterstützung der Kammern auf Landesebene vor sowie ein Azubi-Bafög als Mobilitätshilfe. Der vom DIHK vorgeschlagene Pakt soll für drei Jahre gelten und das Potenzial bei der Vermittlung von Lehrstellen noch stärker ausschöpfen.

Unvermittelte Jugendliche sollen zudem individuell unterstützt werden und über Qualifizierungen einen leichteren Einstieg in die Ausbildung finden. Aber nur wenn Rot-Grün auf das Gesetz verzichte, "können wir das gemeinsame Ziel schaffen und allen Jugendlichen eine Einstiegschance ermöglichen", sagte Braun.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, kündigte bei seinem Treffen mit Müntefering eine "konzertierte Aktion" für mehr Lehrstellen an, damit eine Ausbildungsplatzabgabe vermieden werde.

IG-Chemie: Unverbindliche Pakt-Lösungen nicht ausreichend

Die IG Chemie schloss sich dem Gesetzesvorhaben der SPD-Fraktion an. Unverbindliche Pakt-Lösungen mit der Wirtschaft reichten nicht aus. Der Gesetzentwurf schreibt vor, dass Betriebe mit weniger als sieben Prozent Lehrlingen gemessen an ihrer Beschäftigtenzahl künftig eine Abgabe in einen Ausbildungs-Umlagefonds einzahlen sollen - sofern bundesweit nicht genügend Plätze vorhanden sind. Statt der Sieben-Prozent-Quote schlugen die Gewerkschaften allerdings eine Staffel-Regelung nach Betriebsgrößen vor.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der die Umlage weiter ablehnt, begrüßte das Angebot von Braun. In den Koalitionsfraktionen löste es dagegen eher verhaltene Reaktionen aus. Die Wirtschaft habe ihre Zusagen zu oft gebrochen. Auch wenn man für die Versorgung der Jugendlichen einen solchen Pakt schlösse, sei die Absicherung durch ein Gesetz auf jeden Fall besser. Der Gesetzentwurf soll allerdings nach der Bundestags-Anhörung am Freitag noch einmal gründlich überarbeitet werden.

SPD-Fraktionsvize Nicolette Kressl spricht sich dafür aus, den Vorschlag des DIHK-Präsidenten für einen Ausbildungspakt zu prüfen. "Das ist inhaltlich ein interessanter Vorschlag, den wir nicht zur Seite schieben können", sagte sie der "Financial Times Deutschland" . Allerdings sehe die SPD-Fraktion weiter die Wirtschaft in der Verantwortung für eine Verbesserung der Ausbildungssituation. "Wir werden auch an dem Zeitplan festhalten", betonte Kressl.

25.000 Lehrstellen weniger als letztes Jahr

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) wies anlässlich der Vorlage des "Berufsbildungsberichtes 2004" darauf hin, dass die Wirtschaft bis Ende März erneut 25.000 Lehrstellen weniger als im Vorjahr zur Vermittlung für den diesjährigen Schulabgänger-Jahrgang angeboten hat. Gleichzeitig gibt es drei Prozent mehr Bewerber. Die sinkende Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft provoziere auf Dauer einen dramatischen Fachkräftemangel.

Der Bericht macht deutlich, dass die Zahl der neuen Lehrverträge nunmehr im vierten Jahr in Folge geschrumpft ist - von 631.000 (1999) auf 557.000 (2003). Dabei wurde im vergangenem Jahr bereits jeder neunte Vertrag voll aus öffentlichen Mitteln finanziert. Zugleich suchen immer mehr Jugendliche in vollzeitschulischen Ausbildungen in Berufs- oder Fachschulen eine Alternative. Bulmahn möchte für solche Ausbildungen künftig auch eine reguläre Kammerprüfung einführen.

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(AP/dpa/ddp)