Die Reform der Kinderbetreuung war eine große Leistung der großen Koalition. Wenn der Pakt nun aufgekündigt würde, wäre die Familienpolitik auf dem Weg zurück in die achtziger Jahre.
Es war eine große Leistung der großen Koalition. Nachdem die mutige Familienministerin Ursula von der Leyen den Ausbau der Kinderkrippen verlangt hatte, einigten sich Bund, Länder und Kommunen im Jahr 2007 auf anspruchsvolle Ziele.
2013 sollte es für ein Drittel aller Kleinkinder Krippenplätze oder Tagesmütter geben. Nun droht die Reform der Kinderbetreuung zu scheitern. (© Foto: AP)
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Schon wenige Jahre später sollte es für ein Drittel aller Kleinkinder Krippenplätze oder Tagesmütter geben. Das Reformversprechen war der erste Erfolg einer Ministerin, die das Weltbild der Union entstaubte und die Regierungspolitik an die Bedürfnisse junger Familien anpassen wollte.
Wenn der Pakt nun aufgekündigt würde, wie es Städte und Gemeinden derzeit verlangen, wäre die Familienpolitik auf dem Weg zurück in die achtziger Jahre.
Damals hing es von der Kassenlage der Kommunen, den Launen der Bürgermeister und den Weltanschauungen der Kreisräte ab, ob es in einer Gemeinde Kinderbetreuung gab oder nicht. Für die kommunale Obrigkeit mag das angenehm gewesen sein - für junge Paare mit Kindern war diese Unsicherheit unerträglich.
Natürlich kann man jetzt ein wenig Mitleid mit den Bürgermeistern haben: Sie fürchten den Zorn jener Eltern, die demnächst trotz Rechtsanspruchs keinen Krippenplatz bekommen. Natürlich haben sie recht, wenn sie von Bund und Ländern mehr Geld verlangen, weil die Nachfrage nach Krippenplätzen schneller steigt, als zu erwarten war.
Doch das Gesetz, das den Rechtsanspruch auf Krippenplätze bestimmt, darf nicht revidiert werden: Es hat die Bundesrepublik modernisiert, weil es klarmacht, dass Kinderbetreuung ein Recht ist und kein Luxusgut. Dass dieses Gesetz die Kommunen quält, ist angemessen. Denn sie haben jahrzehntelang zu wenig für die Kinderbetreuung getan.
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(SZ vom 11.01.2010)
Protest gegen dritte Startbahn
Lieber Rotgeber, wäre schön, wenn Sie sich mal mit stichhaltigen Argumenten und eventuellen Gegenbeweisen aus der Deckung trauen würden. Danke!
Aus allem, was ich hier schrieb, wird deutlich, dass die Schaffung von Krippenplätzen sehr wohl Luxus wäre. Ein zusätzlicher Luxus für diejenigen, die eh mehr als genug Geld zum Leben haben.
HartzIV-Empfänger haben nichts, aber auch gar nichts davon und das immer wieder vorgebrachte Argument, dass die Kinder der bildungsarmen Schicht doch so dringend eine Förderung brauchten, ist somit hinfällig, denn: ohne Arbeit kein Krippenplatzanspruch, d.h. keine Förderung.
Für Geringverdienende wiederum lohnt sich das Verdienen nicht.
Sie müssen nämlich u.a. von ihrem mikrigen Verdienst auch noch einen bestimmten Betrag an Krippengebühr bezahlen und das neben der Steuerpflicht, den Sozialabgaben, der Krankenversicherungspflicht in Höhe von 135.- ab einem Einkommen von 401.-.
Eines aber frage ich mich noch: Wenn denn Frau von der Leyen angeblich so mutig ist, warum ist sie dann in ein anderes Ministerium gewechselt und überlässt ihr Vorzeigeprojekt nun einer noch größeren Dilettantin, die seit ihrer Amtsübernahme nur schweigt?
Und: Solange Menschen nicht alle Frauen (und Männer) das Recht auf einen adäquaten Arbeitsplatz haben, der auch so bezahlt wird, dass sich das Arbeiten lohnt, kann und darf es auch kein Recht auf einen Krippenplatz geben. Begründung: In einen solchen Genuss kämen letztendlich fast ausschließlich nur diejenigen, die eine Menge an Einkommen haben. Die anderen werden ihn aus den verschiedensten Gründen nämlich nicht in Anspruch können bzw. dürfen:
1. Wer HartzIV bezieht, hat sowieso keinen Anspruch, es sei denn, seine Kinder laufen gewissermaßen mit dem Kopf unterm Arm herum und stehen so gut wie vor einer noch wesentlich teureren Heimunterbringung.
2. Demjenigen, der Geringverdiener ist, hilft auch der beste Krippenplatz nichts, weil die Regelung Eltern in Arbeit, Kinder in der Krippe ein mehr als anstrengendes Nullsummenspiel ist.
..dass die Kommunen solche eine dämliche Forderung formulieren. Es ist nachvollziehbar, dass sie aufgrund ihrer finanziellen Ausstattung die ehrgeizigen Ziele des Bundes nicht umsetzen können.
Aber daraus sollten die Kommunen eine andere Forderung an den Bund ableiten. Nämlich dass der Bund die Kommunen in die Lage versetzt das leisten zu können, was von ihnen erwartet wird.
Wenn der Bund ehrgeizige Ziele verfolgt muss er dafür sorgen, dass diese auch umgesetzt werden können.
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