Suu Kyi aus Hausarrest entlassen Freiheitshoffnung mit Fragezeichen

Birmas Militärjunta entlässt die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi in die Freiheit. Dort erwartet die Freiheitsheldin eine schwere Aufgabe: Sie muss die Opposition einen. Dabei lebt sie in ständiger Bedrohung einer erneuten Verhaftung.

Es waren bewegende Szenen: Tausende ihrer Anhänger hatten am Samstag vor dem Haus von Aung San Suu Kyi gewartet, um die birmanische Oppositionsführerin in der Freiheit zu begrüßen. "Wir haben uns so lange nicht gesehen", erklärte Suu Kyi Berichten zufolge unter dem Jubel der Massen, "ich habe Euch so viel zu erzählen".

Die 65-Jährige hat 15 der vergangenen 21 Jahre unter Hausarrest oder im Gefängnis verbracht. Ihr Kampf für Demokratie in dem von Unterdrückung geprägten Birma hat sie zu einer weltweit bekannten Freiheitsheldin gemacht - doch im Land selbst hat sich wenig geändert.

Am vergangenen Wochenende - das Datum war offensichtlich absichtlich kurz vor dem Haftende gewählt - festigte die regierende Militärjunta ihre Macht. In der ersten Wahl seit 20 Jahren, die von Beobachtern als Farce bezeichnet wurde, gewann die von der Junta gegründete Partei "Union Solidarität und Entwicklung" (USDP) 80 Prozent der Stimmen. Bei vielen der Kandidaten handelte es sich um Militärangehörige, die nun auf Parlaments- und Ministerposten schielen, um von einer möglichen wirtschaftlichen Öffnung des Landes zu profitieren.

Die Opposition hingegen hat eine einende Figur wie Suun Kyi dringend nötig: Ihre Partei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD), hatte die Wahlen auf den Wunsch ihrer Führerin boykottiert. Dies war nicht bei allen Mitgliedern auf Gegenliebe gestoßen: Einige traten für kleinere Vereinigungen an, durch deren Zulassung die Militärjunta der Abstimmung nach außen den Anschein von Legitimität geben wollte.

"Das Volk muss geschlossen zusammenarbeiten. Nur so können wir unser Ziel erreichen", rief Suu Kyi bei ihrem Auftritt deshalb ihren Anhängern zu. Bereits am Sonntag will sie im Hauptquartier der NLD weitere hochrangige Oppositionelle treffen, um über ein weiteres Vorgehen zu beraten.

Obamas Heldin

Bereits dies könnte ihr mittelfristig wieder Probleme bereiten: Zwar erklärte ein Regierungssprecher, Suu Kyi sei frei und müsse mit keinerlei Restriktionen rechnen - doch die NLD ist aufgrund ihres Wahlboykotts von den Behörden aufgelöst worden.

Wie die Machthaber reagieren, sollte Suu Kyi politisch und öffentlichkeitswirksam aktiv werden, ist deshalb völlig unklar. Bereits nach ihren vorherigen Freilassungen hatte die Junta schnell dafür gesorgt, dass die Oppositionsführerin nicht im Land umherreisen konnte, um ihre Anhänger zu treffen.

Die Popularität der Friedensnobelpreisträgerin ist bei ihrer Gefolgschaft wie auch im Ausland ungebrochen. Bereits kurz nach der Freilassung lobte US-Präsident Barack Obama die Oppositionsführerin in höchsten Tönen: "Für mich ist sie eine Heldin und eine Quelle der Inspiration für alle, die sich in Birma und weltweit für Menschenrechte einsetzen."

Das Nobel-Komitee hat Suu Kyi jetzt nach Oslo eingeladen, damit sie ihre Dankesrede für den ihr 1991 zuerkannten Friedensnobelpreis nachholen kann. Damals hinderte die birmanische Militärjunta sie daran, den Preis entgegenzunehmen. Er hoffe, dass Suu Kyi so bald wie möglich in die norwegische Hauptstadt reisen dürfe, sagte der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees, Thorbjoern Jagland.

Die internationale Unterstützung ist der Regierung ein Dorn im Auge, gleichzeitig kann sie sich aufgrund des Rohstoffreichtums des Landes derzeit noch der Unterstützung Chinas gewiss sein. Um zumindest im Inneren für Ruhe zu sorgen, verstärkten die Machthaber Berichten zufolge die Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Rangun. An vielen Orten fuhren Lastwagen mit Bereitschaftspolizisten vor, wie oft in Birma während politischer Spannungen.

Kein Schweigen nach der Hölle

Nach einem Bericht der Bangkok Post hatten zahlreiche Sicherheitsbeamte zudem in zivil Fotos und Videoaufnahmen von den jubelnden Anhängern gemacht. In der Regel geht die Junta mit Regierungskritikern nicht zimperlich um: Derzeit sitzen mehr als 2000 Oppositionsanhänger in birmanischen Gefängnissen.

Womöglich fühlt sich die Regierung aber auch so sicher, dass sie Suu Kyi erst einmal gewähren lässt: "Sie haben die Wahlen ohne große Gewalt über die Bühne gebracht, sie könnten so beruhigt sein, dass sie es mit Suu Kyi darauf ankommen lassen", sagte der Birma-Experte Josef Silverstein von der Rutgers University in New Jersey der New York Times.

Für Suu Kyi hingegen dürfte Ruhe das letzte sein, an das die Oppositionsführerin gerade denkt. Silverstein: "Diese Frau ist nicht durch die Hölle gegangen, um jetzt zu schweigen."

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