Aufstand in Syrien Rebellen werfen Assad Massaker vor

Mit brutaler Gewalt und angeblich 250 Panzern hat die syrische Armee die Rebellenstadt Rastan zurückerobert. Dort hatten sich viele Oppositionelle vor Assads Streitkräften verschanzt. Mehr als 130 Menschen sollen bei den Kämpfen ums Leben gekommen sein, darunter auch Zivilisten.

Die syrische Armee wütet mit Brutalität gegen das eigene Volk: Nach tagelangen Kämpfen hat sie durch den massiven Einsatz von Panzern und Hubschraubern die Rebellenstadt Rastan wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Nach fünf Tagen heftiger Kämpfe gegen bewaffnete "Terroristen" seien Recht und Gesetz in der Stadt wieder hergestellt, triumphierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Anders die Darstellung der Aufständische. Sie warfen der Armee von Präsident Baschar al-Assad Massaker vor. Ihren Schätzungen zufolge sind bei dem Einsatz etwa 130 Zivilisten und Rebellen ums Leben gekommen. Die Assad-Gegner hätten die Verteidigung der Stadt aufgegeben, nachdem sie unter den heftigen Beschuss durch Panzer und Maschinengewehre gekommen seien.

Die Regierungsgegner seien zurückgewichen, um weitere Tote zu vermeiden, sagte ein Aktivist zu Reuters. Die 180 Kilometer nördlich von Damaskus gelegenen Stadt bleibe aber weiterhin abgeriegelt.

Weiteren Berichten von Assad-Gegnern zufolge nahm die Armee auch Krankenhäuser in Beschlag und wandelte Schulen in Gefangenenlager um. Nach Angaben des in London ansässigen Rami Abdel-Rahman von den Syrischen Beobachtern der Menschenrechte gingen die Streitkräfte mit 250 Panzern gegen Deserteure und andere Kämpfer vor.

Die ersten schweren Kämpfe zwischen Regierungstruppen und bewaffneten Deserteuren hatten am Dienstag begonnen. Zahlreiche Häuser seien zerstört worden, die humanitäre Lage sei "sehr schlecht". Es lägen Informationen vor, wonach beim viertägigen Beschuss der Stadt durch die Armee Dutzende Zivilisten getötet und anschließend in den Gärten der Häuser begraben worden seien.

Seit Mitte März gehen in Syrien fast täglich Gegner von Staatschef Assad auf die Straße. Die Vereinten Nationen glauben, dass seit Beginn der Protestbewegung etwa 2700 Menschen durch Assads Truppen ums Leben gekommen sind.

Nationalrat vereint Oppositionsströmungen

Die syrische Oppositionsbewegungen schloss sich an diesem Sonntag nach eigenen Angaben zu einem gemeinsamen Nationalrat gegen Assad zusammen. In einem Manifest hieß es, die Beteiligung am Nationalrat stehe jedem Syrer offen. Der unabhängige Rat stehe für die "Souveränität des syrischen Volks in seinem Kampf für die Freiheit", fügte der in Paris lebende Intellektuelle Burhan Ghalioun hinzu. Nach seinen Worten ist der Nationalrat "gegen jede äußere Einmischung in die Souveränität des syrischen Volks". Ghalioun nannte die Bildung der gemeinsamen Front gegen Assad "historisch". Dem Rat gehören unter anderen nationalistische, liberale und islamistische Strömungen sowie Vertreter von Kurden und Assyrern an.

Unterstützung für Assad kommt derweil aus Venezuela: Der venezolanische Präsident Hugo Chávez bekundete seine Solidarität mit Assad und dem gestürzten libyschen Machthaber Muammar Gaddafi. "Wir senden von hier unsere Solidarität dem syrischen Volk und Präsident Bashar", sagte Chávez in einer Fernsehansprache. Syrien widersetze sich zur Zeit den Angriffen des "Yankee-Imperiums" und seiner europäischen Verbündeten.