Aufstand in Libyen Es ist ihre Revolution

Die Zahl der Toten in Libyen wird weiter steigen, weil Oberst Gaddafi keiner ist, der aufgibt. Trotzdem darf sich der Westen militärisch nicht einmischen, um nicht die Legitimität der Proteste zu gefährden. Die Menschen in Tobruk, Bengasi und Tripolis haben ihren Aufstand gegen den "Bruder Führer" alleine begonnen - und müssen ihn alleine beenden.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius

Die Liste der Sanktionen ist lang und sie kam für UN-Verhältnisse erstaunlich schnell: Einstimmig verhängte der Weltsicherheitsrat ein vollständiges Waffenembargo über Libyen. Dazu erließ das oberste Organ der Staatengemeinschaft ein Reiseverbot für die Familie von Diktator Muammar al-Gaddafi, seine Familie und seine obersten Schergen.

Seine Macht scheint zu schwinden, doch Muammar al-Gaddafi will nicht aufgeben. Er werde Libyen nicht verlassen und bis zum letzten Blutstropfen kämpfen, hat der seit 42 Jahren herrschende Oberst in mehreren TV-Ansprachen erklärt.

(Foto: Reuters)

Die Milliarden-Konten des Gewaltherrschers werden gesperrt, ebenso die seiner Söhne und seiner Tochter. Noch wichtiger: Gaddafi wird sich von dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten müssen.

Der libysche Despot ist mit äußerster Brutalität gegen die friedliche Protestbewegung vorgegangen. Jets, Helikopter, Panzer und Flugabwehrgeschütze gegen unbewaffnete Demonstranten, die Freiheit fordern. Falls Oberst Gaddafi das sich langsam abzeichnende Ende dieser Revolution überleben sollte, wird er den Rest seines Lebens in einer europäischen Gefängniszelle verbringen oder an einem libyschen Galgen enden.

Die Frage, ob die internationale Staatengemeinschaft wieder einmal zu lange gewartet hat, bis sie sich von einem der einschlägigen arabischen Autokraten abwendet, ist ebenso berechtigt wie müßig.

Die Staats- und Regierungschefs, die Wirtschaftsbosse und auch der UN-Generalsekretär wussten alle, mit welchen Mitteln der Libyer über seine nicht einmal sechs Millionen Bürger herrschte. Aber das Land hat Öl. Das wog im Umgang mit den Königen, Emiren und Obristen der Arabischen Welt immer schwerer als Blut.

Erfolgversprechender als rückblickende Debatten über die fehlende Moral des Westens ist für Libyen daher die eigene Zukunft: Die Menschen haben sich gegen ihren seit 42 Jahren herrschenden "Bruder Führer" aufgelehnt. Sie sind auf dem Weg, ihre Revolution zu gewinnen.

Sie haben die Chance, eine demokratische Gesellschaft aufzubauen, die die Menschen- und Bürgerrechte im eigenen Land besser schützen kann, als es die Geschäftsinteressen der westlichen Staaten und ihrer Öl-Konzerne je tun werden. Selbstbestimmung statt Abhängigkeit vom guten Willen anderer ist der Preis, den die Libyer gewinnen können.

Das Ende der Macht - und einer Familie

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