Erst Bluetooth, jetzt Twitter: Die iranische Jugend bedient sich neuester Technologie, die kaum zu zensieren oder überwachen ist. Auch Präsident Ahmadinedschad wurde schon Opfer von Handy-Piraten.
Was lässt sich mit höchstens 140 Zeichen schon sagen, mit so wenigen Buchstaben, auf Persisch oder auch auf Englisch? Viel, sehr viel. Zum Beispiel: unconfirmed - several generals have been arrested (nicht bestätigt - mehrere Generäle wurden verhaftet). Oder schlicht: sea of green. Das sind nur zehn Zeichen, aber darin steckt nicht weniger als die Aufforderung an Teherans Opposition, die Straßen der Stadt erneut in ein "grünes Meer" des Protests zu verwandeln - zu den Freitagsgebeten in dieser Woche. Verbreitet werden die kurzen Botschaften über das Netzwerk Twitter.
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Junge Iranerinnen bei Mussawi-Demo: (© Foto:)
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Die Mini-Meldungen, empfangbar über Handys und Internet, sind für Irans Jugend eines der wichtigsten Kommunikationsmittel geworden. So wichtig, dass die amerikanischen Betreiber des noch jungen Mediums technische Wartungsarbeiten verschoben haben - auch auf Bitten des US-Außenministeriums, wie es am Mittwoch aus Washington hieß.
Kaum zu zensieren
Jetzt ist es Twitter, zuvor war es Bluetooth, eine Technik, die es erlaubt, über Handys Musik und Filme zu teilen: Junge Iraner greifen begeistert zu Medien, die sich viel schwerer kontrollieren oder gar zensieren lassen, als Fernsehen und Zeitungen. Über ihre Handys verabreden sich Liebespaare, es werden aber auch Pornos getauscht oder die neueste westliche Musik.
Auch Mahmud Ahmadinedschad, der nun wieder Präsident sein möchte, wurde schon Opfer von Handy-Piraten. Bei einer Versammlung in halb-offiziellem Rahmen nahm ein Teilnehmer eine Ahmadinedschad-Rede mit dem Mobiltelefon auf. Der Präsident machte dabei die seltsame Bemerkung, einem 16-jährigen iranischen Mädchen sei es gelungen, allein mit Küchenutensilien Nuklearenergie zu erzeugen. Bild und Ton des Auftritts wurden über Handys weit verbreitet - was Ahmadinedschad ziemlich lächerlich erscheinen ließ.
Wahres zwitschern
"Zu erleben, wie sich eine Revolution in Realzeit entfaltet, ist an sich schon revolutionär", freut sich jetzt ein Twitterer. Aber ein anderer Mikro-Blogger, der sich "persiankiwi" nennt und seit der Präsidentenwahl am vergangen Freitag besonders aktiv ist, warnt bereits vor Falschinformationen, die über das Netzwerk verbreitet würden. To tweet heißt zu Deutsch zwitschern, und inzwischen mischen sich auch staatliche Behörden in das "Gezwitschere", weshalb im Forum Openiran gemahnt wird, "unter keinen Umständen die Twitter-Namen von Iranern zu veröffentlichen". Eine andere Warnung lautet: Vor allem der staatliche Rundfunk bemühe sich, die Proteste gegen die angebliche Wahlfälschung zu diskreditieren. Ein Nutzer fordert deshalb Computerfans auf: hack them (stör sie)!
Es ist ein elektronisches Katz-und-Maus-Spiel. Der staatliche Mobilfunkbetreiber hat gleich nach der Präsidentschaftswahl seine Handyantennen abgeschaltet, die privaten Mobilfunknetze sind inzwischen überlastet. Das Regime versucht, etwas zu kontrollieren, was nicht mehr zu kontrollieren ist. Denn das Internet funktioniert noch, wenn auch mit gedrosselter Geschwindigkeit. Über YouTube sind Bilder zu sehen von blutig geschlagenen Demonstranten, aber auch von jungen Leuten, die einen Polizisten vor einer wütenden Menge schützen, oder von eleganten jungen Frauen mit großen Sonnenbrillen und Kopftüchern, die weit in den Nacken gerutscht sind.
Echtheit prüfen
Viele dieser Bilder sind mit Handys aufgenommen. Sogar die ARD bediente sich schon aus diesem Vorrat, wobei man "stundenlang" versucht habe, die Echtheit des Materials zu prüfen, wie der Sender sagt. Schließlich zeigten die "Tagesthemen" die Stürmung eines Privathauses durch islamische Milizen. Umgekehrt geht es auch: "Fantastic BBC report", so empfiehlt Twitter einen Bericht des britischen Senders - eine Empfehlung, die sich eher an das Ausland richtet, weil es in Iran nicht mehr möglich ist, den britischen Sender zu empfangen.
Es gab ihn schon einmal, den Traum vom Bürgermedium: vor drei Jahrzehnten, als vor allem im Westen junge Menschen Videokameras für sich entdecken und von "Offenen Kanälen" schwärmten. Aber erst die neuen Technologien haben solche Träume wahr gemacht. Sie sind billig und kommen ohne Hierarchien aus, und in Diktaturen gewinnen die Robin-Hood-Medien ihre große Bedeutung. Und bei deren Nutzung ist Iran Spitzenreiter in der muslimischen Welt. Es soll rund 100.000 Internet-Blogs geben. Und selbst Mullahs führen Netz-Tagebücher. Nicht alle sind allerdings Bürgerrechtler, wie Mohammad Ali Abtahi, der jetzt verhaftet wurde. Am Mittwoch konnte man auf Abtahis Internetseite web-neveshteha.com lesen, er werde nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis "weiterschreiben".
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(SZ vom 18.06.2009/jab)
ICE-Strecke
...aber er ist nicht der Eigentümer der US-Kriegs- und Exportindustrie und auch nicht der Oberbefehlshaber der rücksichtslosen Börsenzocker und Finanzhaie, welche nach wie vor die tatsächliche Macht in den USA haben.
Und Obama wurde auch nicht gewählt, weil ihn die Amis so gerne haben, sondern weil Bush und seine Republikaner die US-Finanzen, die US-Wirtschaft und den US-Mittelstand an den Rand des Ruins gebracht hatten. Und nebenbei auch noch die Feinde der USA in der ganzen Welt vervielfacht haben.
Hätten Bush und seine Reps den Irak und Afghanistan kurz und locker aufgeschnupft, wären Lug und Trug, kriminelle Angriffskriege, Kidnapping, Foltern und Einsperren ohne Anklage und Rechtsschutz beim weitaus größeren Teil der Bevölkerung sofort vergessen gewesen. Und weitere glorreiche Wahlsiege für die Reps wären gefolgt. Darauf können Sie wetten! Nur die wirtschaftliche Not und die schweren Pleiten im Irak und in Afghanistan haben die US-Bürger dazu gebracht, Obama zu wählen.
Zitat Reburg: "Und man kann darauf wetten, dass die USA auch jetzt nie eine Regierung im Erdölland Iran dulden würden, die linke Ideen verfolgt. Gegen so eine Regierung wären ihnen wieder jedes Mittel recht. Eventuell auch eine Unterstützung von radikalen Islamisten, wie z.B. der Taliban gegen die Kommunisten in Afghanistan. Oder vielleicht würden sie auch wieder einen kriminellen Diktator implantieren.."
Ich teile ihre Meinung nicht. Zum Einen gibt es einfach keine Hinweise, dass eine Regierung Obama eine reaktionäre Regierung im Iran einsetzen und gar Islamisten fördern würde (wäre ja angesichts des Krieges in Afghanistan auch total schizophren). Zum Anderen muss man die wirklich üble Unterstützung des Schahs im historischen Kontext sehen. Damals war ja alles, was links war, den Amerikanern sofort verdächtig. Hinter allen "linken" Bestrebungen fürchtete man sofort die kommunistische Weltrevolution. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist diese überharte Haltung der USA nicht mehr so erkennbar. Schauen sie sich das Erdölland Venezuela an. Man mag die Regieung dort zwar nicht, aber immerhin dulden die USA sie. Wieso sollte das also im Iran anders sein?
Nun müssen sie endlich bestätigen, daß der Iran ein sehr fortschrittliches Land ist.
Und ganz offensichtlich sind die Menschen politisch viel aufgeschlossener als im müden Abendland. Viel mehr Menschen gehen dort wählen und viel mehr Menschen stehen hinter ihrem politischen Vertreter als bei uns.
Wir werden vom Osten wieder lernen, was mündige Staatsbürger können.
Schändlich in dieser Zeit ist die Einmischungspolitik des Westen zum Zwecke seiner imperialen Erweiterung.
Der Westen bringt Spaltung und Krieg-wir wollen aber Aufklärung und Frieden.
(wobei außerdem schwer zu sagen ist, ob die Demonstranten mehr sind als jene, die das religiöse System im Iran unterstützen):
Die Demonstranten wollen vor allem wirtschaftliche und soziale Verbesserungen, wie schon einmal in den 50er-Jahren. Also etwas, was Turbokapitalisten als "linkes Gedankengut" bezeichnen würden. Nun wissen wir, dass die damals demokratisch gewählte Regierung, die man wegen ihrer Verstaatlichungs- und Sozialplänen locker als "links" bezeichnen kann, mit Hilfe der USA weggeputscht wurde (wie auch die demokratisch gewählte Linke in Chile). Die demokratisch gewählten Organe wurden durch den Diktator Schah Pahlevi ersetzt, welcher jede Opposition und Demokratiebestrebung brutalst unterdrückte. Es gab tausende Tote, unzählige Folterungen und Inhaftierungen. Und man kann darauf wetten, dass die USA auch jetzt nie eine Regierung im Erdölland Iran dulden würden, die linke Ideen verfolgt. Gegen so eine Regierung wären ihnen wieder jedes Mittel recht. Eventuell auch eine Unterstützung von radikalen Islamisten, wie z.B. der Taliban gegen die Kommunisten in Afghanistan. Oder vielleicht würden sie auch wieder einen kriminellen Diktator implantieren (wie Schah Reza Pahlevi, Pinochet, Diem, Mobutu usw.). Und welche EU-Länder würden eine iranische Demokratie dagegen verteidigen?
Wobei man informativ noch anführen könnte, dass es wohl niemand geschafft hätte, den erdölreichen Irak in Zeiten höchster Erdölpreise, größter internationaler Hilfen und größter Schuldennachlässe so in Richtung Armut und Anarchie zu führen, wie es die US-Besatzung gemacht hat. Millionen flüchten, Infrastruktur, Bildungs- und Sozialsystem liegen am Boden wie noch nie. Nicht einmal Saddam während der strangulierenden Boykottmaßnahmen hatte das geschafft.
Und abschließend darf man bei dieser Gelegenheit auch noch anführen, dass Deutschland den brutalen Diktator Schah Reza Pahlevi seinerzeit mit allen Ehren empfing und ihm sogar gestattete, mit mitgebrachten Geheimdienstleuten gegen ähnliche Demonstrationen, die durch Exil-Perser (-Iraner) in Deutschland stattfanden, mit brutaler Gewalt vorzugehen. Da gibt es etliche Film- und Fernsehberichte darüber.
Marshall McLuhan hätte sich sicher gefreut, wenn er das noch hätte erleben dürfen.
Wir Deutschen sind seit der Wiedervereinigung natürlich extrem optimistisch, was die Aussagekraft von Bildern angeht. Die ersten Bilder von den Montagsdemonstrationen in Leipzig stammten ja damals von sehr intelligenten Videofilmern, die das Material in den Westen schleusen liessen.
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